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21.05.2012
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Mit Tränen in den Augen

"Hammer Elterntraining" des Caritasverbands

Hamm. Mit der Erziehung ist es wie beim Sport: Wer Erfolg haben will, muss hart an sich arbeiten. Wie die Mütter und Väter, die sich seit Februar wöchentlich in der Caritas-Familienberatungsstelle Hamm trafen, um sich beim "Hammer Elterntraining" über die Probleme bei der Erziehung ihrer Kinder auszutauschen. Ein schwieriger Prozess, der von mancher schmerzhafter Selbsterkenntnis geprägt war.

"Oft hatten wir alle Tränen in den Augen", berichtete ein Teilnehmer. Am Ende überwog aber die Freude über den gemeinsam zurückgelegten Weg und neu geschlossene Freundschaften: "Auf dieses Stück Papier bin ich richtig stolz", sagte ein Vater, als er das Teilnahmezertifikat in den Händen hielt.

Sich einzugestehen, dass man mit der Erziehung seiner Kinder überfordert ist, kostet Überwindung. "Unser zehnjähriger Sohn war völlig respektlos und kannte keine Grenzen", erzählte ein teilnehmender Vater. Irgendwann sei die Situation zu Hause eskaliert. "Eines Tages ist mir dann die Hand ausgerutscht mit der Konsequenz, dass der Junge nicht mehr nach Hause wollte."

Auf den Rat der Familienhilfe hin habe man schließlich den Weg zum "Hammer Elterntraining" gefunden. Vor Ort konnte das Paar seine Probleme aufarbeiten und das Familienleben wieder ins Lot bringen. Geholfen habe dabei vor allem der Austausch mit anderen, sagte der Vater: "Es tut gut, zu hören, dass andere ganz ähnliche Probleme haben."

Heilpädagogin Monika Neuhaus, die das Elterntraining gemeinsam mit ihrem Kollegen Addi Deichsler durchgeführt hat, freut sich, dass der Männeranteil bei diesen Treffen mit 50 Prozent so hoch gewesen sei wie nie. "Meistens sind es die Frauen, die Hilfe holen, wenn es Probleme in der Familie gibt", sagte Neuhaus. Für die Männer in der Runde sei es anfangs schwierig gewesen, sich zu öffnen: "Gefühle zu zeigen, ist nicht so meine Sache. Hier habe ich aber gelernt, wie wichtig es meinen Kindern gegenüber ist, Gefühle zuzulassen und auch zu zeigen", sagte ein Vater. Nach anfänglicher Skepsis sei er froh, das Training absolviert zu haben. Auch wenn es seine Partnerin viel Überredungskunst gekostet habe, um ihn zur Teilnahme zu bewegen, wie er zugab.

Neben den wöchentlichen Treffen gab es auch gemeinsame Freizeitaktivitäten, bei denen sich die Familien näher gekommen sind. Zuletzt fuhr die Gruppe gemeinsam nach Olpe. "Bei diesem Wochenende waren auch die Kinder mit einbezogen", sagte Neuhaus. Für manche der Mitfahrer war es zudem der erste gemeinsame Familienausflug seit Jahren. "Wir sind alle Hartz-IV-Empfänger und können unseren Kindern nicht so viel bieten", sagte ein Teilnehmer aus der Elterngruppe.

Auch nach dem Ende der Caritas-Maßnahme wollen die Eltern in Kontakt bleiben. Eine Telefonkette wurde gebildet, weitere gemeinsame Touren sind geplant. "Einige Eltern wollen sich auch weiter helfen lassen und haben bereits eine sozialpädagogische Familienhilfe beantragt", sagte Neuhaus.

Für Reiner Holtmann, Fachbereichsleiter der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beim Caritasverband Hamm, widerlegt das Engagement der Teilnehmer gängige Klischees über Hartz-IV-Emfänger: "Unsere Erfahrung mit Menschen, die Kinder in Armut großziehen, ist: Sie tun alles, damit es ihren Kindern gut geht."

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