
Zum Wallfahrtsort in den belgischen Ardennen gehört auch die Marien-Quelle.
Dreitägige Wallfahrt zur Jungfrau der Armen
"Viele kommen verändert zurück aus Banneux"
Rechterfeld. Seit mehr als dreißig Jahren bieten Rechterfelder Katholiken jeden Sommer eine dreitägige Wallfahrt zur Jungfrau der Armen nach Banneux an. Seit 2003 organisiert Mechthild Funke das Projekt. Sie erlebt jedes Jahr, wie die Fahrt Menschen verändert und hilft.
Eigentlich ist da gar nicht viel zu sehen", meint Mechthild Funke. Zwei große Parkplätze, die Hauptstraße, ein Wäldchen. Und die Anlage sei nicht viel größer als das Gelände um das Schönstattheiligtum in Endel.
"Aber dennoch!", schwärmt die 54-Jährige aus Rechterfeld. "Dennoch geht von diesem Ort etwas ganz Besonderes aus." Etwas, das Menschen verändern könne.
Mechthild Funke denkt an die Bekannte, deren Kind bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Der Unfallgegner hatte Fahrerflucht begangen. Die Frau litt schwer unter ihrem Schicksal. Mechthild Funkes Mutter Maria Grave, damals Organisatorin der Fahrten, hatte ihr geraten: "Fahr doch mal mit nach Banneux!"
Allen ging es besser
"Nach Banneux? Watt schall ick denn in Banneux?" So habe die Frau zuerst reagiert, sei aber dann doch mitgefahren. "Und nach einem Rosenkranz haben die Frauen die ganze Nacht auf dem Bett gesessen, haben miteinander geredet, geweint und gelacht", erzählt Mechthild Funke. Und es ging allen besser, als sie nach Hause fuhren."
Mechthild Funke kennt viele solcher Geschichten. Kein Wunder: Seit mehr als dreißig Jahren bieten Rechterfelder Katholiken Jahr für Jahr die Fahrt in den belgischen Wallfahrtsort an. Seit sich Pfarrer August Thoben Ende der Siebziger Jahre erstmals mit einer Gruppe auf den Weg zur "Mutter Gottes der Armen" gemacht hatte.
Von Anfang an habe die Fahrt die Teilnehmer in ihren Bann gezogen. Wie Mechthild Funke vor mehr als dreißig Jahren. "Ich war knapp über zwanzig, hatte davon gehört und wollte es mit einer Freundin selber erleben."
Besondere Stimmung
Und auch sie selbst ließ sich erfassen von dem, was sie nur schwer beschreiben kann. "Es ist eine Stimmung, die die Pilgergruppen meist schon im Bus verändert", sagt sie. Wenn nach der Abfahrt in Rechterfeld und dem Morgengebet die ersten Rosenkränze gebetet und Marienlieder gesungen sind.
Heute fahren Menschen aus vielen Gemeinden im Umkreis mit. Mechthild Funke nennt Vechta, Lohne, Wildeshausen. Abfahrt ist immer bei der Rechterfelder Kirche.
Der Zwischenhalt in Köln gehört auch dazu. Mit Gelegenheit zum Essen, zum Dombesuch oder auch zum Einkauf. Das sei überhaupt kein Problem, meint Mechthild Funke und erzählt lächelnd von Pilgerinnen, die nach dem Stopp mit prall gefüllten Einkaufstaschen zum Bus zurückkämen.
"In Banneux, da kann man dann beten wie nirgends. Der Ort strahlt einfach etwas aus", sagt Mechthild Funke. "Das verändert auch die Gruppe. Alle sind gleich und alle verstehen sich.
Egal ob es die Bauersfrau mit dicker Perlenkette ist, oder die Oma, die sich die Fahrt von der Rente abgeknappst hat. Alle gehören zusammen und keiner läuft für sich."
Von Samstag bis Montag ist die Gruppe unterwegs. Termin ist immer das letzte oder vorletzte Wochenende der Sommerferien. Entscheidend ist dabei der Termin des Vechtaer Stoppelmarkts. Die Liste all der Gottedienste, Gebetszeiten und Rosenkränze ist lang. "Aber das gehört dazu", sagt Mechthild Funke. "Und es ist überhaupt kein Problem."
Sie selbst organisiert seit 2003 die Fahrten. Sie hat die Aufgabe von ihrer Mutter übernommen. Jahrelang war auch ihr Schwager Pater Klaus Funke mit. Der Dominikaner legte seinen Jahresurlaub immer extra so, dass er die Rechterfelder begleiten konnte.
"Nach seinem plötzlichen Tod vor zwölf Jahren gab es ein Jahr Pause. Aber da klingelte schon bald das Telefon. Die Leute riefen an und sagten, dass wir die Fahrten nach Banneux nicht aufgeben dürften." Mechthild Funke freut das: "Es ist doch schön, zu sehen, wie ein Angebot einer Pfarrgemeinde so lange Bestand hat und jedes Jahr neu nachgefragt wird."
Ein richtiges Bedürfnis
Banneux sei manchen regelrecht zu einem Bedürfnis geworden. Das Abschalten in der Abgeschiedenheit, aber auch das miteinander Beten mit Gläubigen in vielen Sprachen.
Mechthild Funke denkt an die Frauen, die eigentlich nicht mehr mitfahren wollten, weil es ihnen zu anstrengend schien. "Die haben schon im Januar angerufen und gesagt: 'Wir waren den ganzen Sommer schlecht zufrieden. Wir müssen wieder mit."
Hintergund
Banneux ist eine kleine Ortschaft südöstlich von Lüttich in Belgien. Hier soll der zwölfjährigen Tochter der Familie Beco, Mariette, vom 15. Januar bis 2. März 1933 achtmal die Gottesmutter erschienen sein. Sie habe sich vorgestellt als die "Jungfrau der Armen". Daraufhin wurde die Erscheinungskapelle eingeweiht. Sie bildete den Grundstock für einen Wallfahrtsort. Der Bischof von Lüttich gestattete 1942 die Verehrung. Seit 1949 ist die Glaubwürdigkeit der Erscheinungen kirchenoberlich anerkannt. Seit Ende der 1970er Jahre fahren Jahr für Jahr Pilger aus Rechterfeld und Umgebung nach Banneux. Die diesjährige Fahrt findet statt vom 6. bis 8. August 2011. Interessierte erhalten weitere Informationen unter Telefon 04445 / 7573.
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Text: Michael Rottmann | Foto: privat in
Kirche+Leben
23.05.2011
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