
Gemeinsam haben die Firmlinge die diesjährige Osterkerze mit ihren Namen gestaltet.
Wie aus Geister-Fahrern Geist-Erfahrer werden
Firmvorbereitung jedes Jahr auf dem Prüfstand
Herten-Westerholt/Bertlich. Seit elf Jahren arbeitet Marlies Hugenroth als Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Martinus und Johannes in Herten-Westerholt und Bertlich. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Firmkatechese. "Wir haben einen Firmausschuss mit elf Mitgliedern, dem Frauen und Männer im Alter zwischen 22 und 50 Jahren angehören", berichtet sie. "Es gibt einen Stamm an Katecheten. Dazu nehmen wir immer einige Mütter oder Väter aus dem jeweiligen Jahrgang, denn sie wissen, was bei den Jugendlichen los ist", ergänzt sie.
In diesem Jahr bereiten sich 45 Jugendliche auf ihre Firmung im November vor. Das Motto: "Von Perlentaucher und Geist-Erfahrer". "Im vergangenen Jahr hat Weihbischof Dieter Geerlings im Firmgottesdienst darüber gepredigt, wie aus Geister-Fahrern Geist-Erfahrer werden. Das fanden wir so gut, dass wir diese Idee als Motto aufgegriffen haben", verrät Hugenroth. Angeschrieben wurden 78 junge Menschen. "In der Regel melden sich zwei Drittel der Jugendlichen zurück", berichtet sie. Begleitet werden die Neuntklässler von 19 Katecheten. Ein Katechet aus dem Ausschuss arbeitet immer mit einem neuen Katecheten zusammen. "Das gibt Sicherheit. Und es kommen auch immer neue Aspekte in die Katechese hinein", berichtet Hugenroth. Wichtig ist ihr, dass "wir alles selbst ausprobiert haben, was wir mit den Firmlingen machen. Dieser Weg ist auch ein Geschenk für uns."
Die Firmvorbereitung beginnt für die Jugendlichen mit einer Projektzeit. Diese können die Firmlinge beispielsweise im Friedhofsprojekt leisten. "Sie setzen sich mit der Bestattungskultur auseinander, pflegen Wege oder säubern das anonyme Gräberfeld", nennt Hugenroth ein Beispiel. Andere machen Ausflüge mit Teilnehmern der Tagespflege im Krankenhaus, eine Gruppe kümmert sich um jugendliche Menschen mit Behinderungen, eine andere sammelt für den Caritas-Laden haltbare Lebensmittel vor einem Einkaufsmarkt.
"Zudem gibt es eine Sponsorenradtour, die zwei begeisterte Radfahrer anbieten. Die Jugendlichen legen rund 100 Kilometer zurück. Der Erlös kommt der Organisation 'Roter Keil.net' zugute." Neu ist in diesem Jahr eine Gruppe, die einen Film über die verschiedenen Sozialprojekte erstellt. "Die Jugendlichen wollen aktiv werden. Unser Ziel ist es zu zeigen, dass man Christ nicht nur für sich ist, sondern auch für andere", erläutert die Pastoralreferentin.
Im Gottesdienst präsentieren die Jugendlichen der Gemeinde ihre jeweiligen Projekte. "Wenn am Ende die Gottesdienstbesucher klatschen, sind die Jugendlichen stolz auf ihre Arbeit", hat die 48-Jährige beobachet. Nach dem Sozialpraktikum folgt ein gemeinsames Wochenende auf der Jugendburg in Borken-Gemen. "Dort vermitteln wir den Hauptteil der Inhalte, die für die Firmung wichtig sind." Die Jugendburg kennen die jungen Menschen der Gemeinde. Denn sie werden sowohl in der fünften als auch in der siebten Klasse für ein Wochenende zu so genannten Zwischenkatechesen eingeladen. Diese haben einen weiteren Vorteil: "Die Jugendlichen kennen sich meistens untereinander, denn sie begegnen sich immer wieder." Dabei sei nicht die Quantität ausschlaggebend, sondern die Art der Begegnung.
"Insgesamt arbeiten wir mit vielen Elementen des Vereins 'Theomobil' aus Sendenhorst. Diese erlebnispädagogischen Elemente kommen bei den Jugendlichen gut an", hat die 48-Jährige erfahren. So haben sich die Katecheten selbst auch in diesem Bereich fortgebildet. Wichtig sei es in der Arbeit mit Jugendlichen zu schauen, wie Inhalte präsentiert werden, damit die Angesprochenen spüren, dass es etwas mit ihnen und ihrer Lebenswelt zu tun habe.
Ein weiterer fester Termin in der Firmvorbereitung ist der Abend der Entscheidung. Verschiedene Stationen in der St.-Martinus-Kirche werden erkundet. Am Ende des Abends können sich die Firmlinge dann endgültig für das Sakrament anmelden. Doch nicht nur diese "Inseln" gehören zur Vorbereitung. Die Firmlinge sind natürlich zu den "normalen" Gottesdiensten eingeladen. Das Konzept der Firmungvorbereitung überlegen die Verantwortlichen jedes Jahr wieder. "Wir machen uns kundig und schauen uns in anderen Gemeinden um. Was ist gut, was könnte verbessert werden", berichtet Hugenroth. Manchmal erhält die Pastoralreferentin noch nach einigen Jahren Rückmeldungen. "Es gibt Jugendliche, die sich für einen sozialen Beruf entschieden haben. Ausschlaggebend sei auch das Sozialpraktikum gewesen", berichtet sie.
Diese Grundstruktur gibt es in der Gemeinde seit acht Jahren. Das Konzept habe sich bewährt. "Es bleiben auch immer einige, die sich in der Jugendarbeit engagieren", sagt Hugenroth. Die Schwierigkeit bei Jugendlichen sei es, sie auf Dauer zu binden.
"Katechese ist keine Fortsetzung des Religionsunterrichts", betont die Pastoralrefernetin, die an der Haupt- und Realschule unterrichtet. Die Diplom-Theologin selbst bildet sich ebenso regelmäßig fort. "Ich schaue immer, was ich für meine Arbeit brauchen kann. Bei der Fortbildung des Bistums Münster 'Katechese in fusionierten Gemeinden' habe ich einiges für mich neu und auch wieder entdeckt. Es gibt kein fertiges Katechesekonzept, sondern vieles muss man einfach ausprobieren."
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Text: Michaela Kiepe | Foto: privat in
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