
Koordination und Absprachen bestimmen den Familienalltag. Ohne Terminkalender geht es nicht.
Tag der Familie am 15. Mai 2011 in Münster-Mecklenbeck
Der ganz normale Wahnsinn
Münster-Mecklenbeck. Das Logo ist einem Warndreieck mit Rufzeichen nachempfunden: "Achtung! Familie?"
Unter diesem Motto organisiert der Sachausschuss Ehe und Familie der Gemeinde St. Anna in Münster-Mecklenbeck in diesem Jahr verschiedene Veranstaltungen, die sich mit dem Thema Familie beschäftigen. Abschluss und Höhepunkt ist am 15. Mai 2011, dem Internationalen Tag der Familie, ein großes Familienfest.
Vor dem Feiern stand jedoch ein Diskussionsabend zum Thema "Familie im Wandel", zu dem neben Interessierten aus der Gemeinde und Seelsorgeeinheit sechs Referierende eingeladen waren.
Wie unterschiedlich die Lebensformen sind, die sich in den vergangenen Jahrzehnten herausgebildet haben, stellte Roland Schindler vor, Soziologe der Universität Münster und als Vater dreier Kinder selbst Hausmann. Er lieferte eine Diskussionsgrundlage, auf der nicht nur die eingeladenen Referenten, sondern auch die Besucher des Gesprächsabends zusammentragen konnten, was alles Familie sein kann. Jedenfalls eine Lebensform, in der Kinder aufwachsen, die von einem oder zwei Elternteilen betreut werden, die wiederum in unterschiedlichen sozialen Strukturen leben können.
Bei der Veranstaltung gab es die Vertreter der "klassischen" Familie mit dem Vater als berufstätigem Elternteil und der Mutter, die sich um mehrere Kinder und den Haushalt kümmert. Als Referenten traten für diese Gruppe die Eheleute Susanne und Hartmut Beiker auf.
Leben in Fülle
Für alleinerziehende Frauen sprach als Referentin Luise Wolking aus Lohne. Margit Koch, Leiterin des Familienzentrums Heilig Geist aus Münster, trat in der Diskussion vor allem für die Kinder ein. Pfarrer Bernd Hante aus Recklinghausen sprach als Geistlicher Beirat des Familienbunds der Katholiken im Bistum Münster. Die Moderation hatte Hendrik Werbick, Pastoralreferent der St.-Anna-Gemeinde, übernommen.
Da man in einer großen Runde zusammen saß, war es leicht, ins Gespräch zu kommen. Von persönlichen Schicksalen wurde ebenso berichtet wie vom "ganz normalen Wahnsinn" des Alltags im "Kleinunternehmen Familie": zum Beispiel von Abstimmungsschwierigkeiten bei der Beaufsichtigung der Kinder oder einer, wenn auch nur begrenzten Freizeitgestaltung, der Elternteile. Die Kinder wurden ebenso ins Blickfeld der Diskutierenden gerückt wie ihre Eltern, auch Kinder und Eltern aus "zerrütteten" Familienverhältnissen.
"Aus kirchlicher Perspektive hat die Familie einen hohen Stellenwert", sagte Pfarrer Bernd Hante. Man müsse den Familienbegriff aber weit fassen. Letztlich kristallisierte sich für alle, die in Familien oder auch anderen Gemeinschaften leben, heraus: Gelingen kann ein Zusammenleben, auch von Eheleuten, nur, wenn jeder in seinem Selbstwertgefühl gestärkt wird. Bernd Hante hob hervor: "Wertschätzung braucht Zeit", also Achtsamkeit für den anderen und Zuwendung.
Dies könne in einer "normalen" Familie vermittelt werden, wie die Eheleute Beiker und Elternteile aus der großen Runde für ihre Familie beschrieben. Aber auch Kinder, deren Elternteile beide berufstätig sind, können in einer Tageseinrichtung eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls erfahren und so "zukunftsfähig" werden, wie Bernd Hante und Margit Koch erklärten.
Luise Wolking betonte: "Jeder braucht Wertschätzung. Wenn die aufhört, ist das der Untergang."
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Text: Claudia Maria Korsmeier | Foto: Norbert Ortmanns in
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