
Sprachen bekennend und kritisch über ihren Glauben (v. l.): Judith Baalmann (Löningen), Asmus Teller (Vechta), Rosi Deckarm (Oldenburg), Bischof Felix Genn, Gerda kl. Siemer und Andreas Weber.
Persönlich, offen und humorvoll
Glaubensgespräch mit Bischof Genn vor 200 Zuhörern
Cloppenburg-Stapelfeld. Es dürfte – zumindest in der oldenburgischen Geschichte der Kirche - erstmalig gewesen sein. "Ich hatte zwischendurch Tränen in den Augen", beschreibt es ein gestandener Mitt-Fünfziger. "Ich möchte den Abend für mich nicht missen" eine Gleichaltrige.
Die Rede ist von einer Gesprächsrunde am Mittwoch (04.05.2011) mit Bischof Felix Genn, in die er im Vorfeld der offiziellen Einweihung der umgebauten Katholischen Akademie Stapelfeld als "Hörender" gekommen ist. Das berichtet der Landes-Caritasverband für Oldenburg.
Klapprige Knochen
Dass ihr das Herz klopfe, gesteht die 81-jährige - und damit älteste Glaubenszeugin in der Runde - Gerda kl. Siemer aus Friesoythe. Darauf Bischof Genn freimütig: "Mir bubbert das Herz noch mehr." Denn niemand könne absehen, wie das Gespräch verlaufen werde. Dass Gottesfurcht früher dasselbe für sie gewesen sei wie Angst vor Gott und ein Bischof mit dem Papst für sie in der Kindheit gleich nach dem lieben Gott gekommen sei, berichtet kl. Siemer. Den Bischof als Hörenden zu erleben, sei für sie "umwerfend". Ihre Frage ihn: Sind Glaubensgespräche von Laien in der Kirche erwünscht?
"Wir Bischöfe sind nur das Knochengerüst. Ohne Fleisch ist das sehr klapperig", antwortet der Bischof von Münster humorvoll und zugleich mit tiefstem Ernst. Ohne die Mitwirkung von Laien könne er sich eine Zukunft der Kirche nicht vorstellen.
Kirche als "Hilfe, Halt und Heimat"
"Warum sie trotzdem katholisch seien" stand als Arbeitstitel über den fünf Glaubenszeugnissen von vier oldenburgischen Katholiken und einem Protestanten, der zum katholischen Glauben wechseln will.
Dass er nicht aus Trotz Katholik sei, sondern dass das für ihn quasi etwas Normales sei, bekannte der Schulleiter des katholischen Gymnasiums in Cloppenburg, Andreas Weber. Die Kirche bedeute ihm "Hilfe, Halt und Heimat". In Anbetracht von einer "entfesselten Wirtschaft" im Zeitalter der Globalisierung wünscht er sich einen "weiteren Horizont" von der Kirche.
Katholisch: "Vor nichts Angst haben"
Bischof Genn, bewegt und dankbar für jedes einzelne Statement, versteht katholisch als "Globalisierung auf einer anderen Ebene". Katholisch heiße für ihn, "vor nichts Angst zu haben". Und meint, sich nicht davor zu fürchten, die eigene christliche Position mit allen gesellschaftlichen Positionen ins Gespräch zu bringen.
Rosemari Deckarm, in Oldenburg seit vielen Jahren unter anderem in der Glaubensweitergabe engagiert, will sich nicht rechtfertigen dafür, dass sie katholisch sei. Ihr Wunsch an den Bischof: "Ich möchte, dass wir als Frauen in der Kirche gesehen werden und dass gesagt wird, es ist gut, dass ihr da seid."
Leuchtfeuer als Orientierung
Dass er als Protestant und ehemaliges Mitglied einer Bremer marxistischen Gruppe immer mehr zum Glauben gefunden habe, berichtete Asmus Teller aus Vechta. Über den Kampfsport Kontakt mit Akademie Stapelfeld bekommen fragt er an, ob die Kirche jungen Menschen wirklich Leuchtfeuer als Orientierung für ihr Leben anbieten will.
Genns Antwort: "Wir müssen alles in unseren Kräften Stehende tun, damit Jugendliche eine Perspektive bekommen." Die Frage des Bischofs an die Pfarrgemeinden: "Haben Jugendliche einen Platz in unseren Gemeinden und Verbänden, auch wenn sie mal schrill sind?"
Theologie als Sache des Herzens
Für Judith Baalmann aus Löningen, gerade mitten im Abitur, ist eine zentrale Glaubensüberzeugung "zu wissen, dass man geliebt ist". Auch der Satz Heinrich Dickerhoffs, dass jeder ein Königskind sei, habe sie positiv begleitet. Was das Wesen der Theologie sei, fragt sie den Bischof.
Auf alle Fälle nicht nur eine Sache des Verstandes, sondern im Tiefsten auch eine des Herzens, gibt er ihr und den Zuhörern mit. Die sind froh, dass der Bischof nicht nur Hörender war.
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Text: pd | Foto: pd
05.05.2011
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