
Jesus wird der Kleider beraubt.
Kreuzweg in Kevelaer aufwändig restauriert
Mit Jesus auf dem Leidensweg
Kevelaer. Nachdem Vandalismus und Witterungsschäden Figuren und Häuschen des großen Kevelaerer Kreuzwegs erheblich beschädigt hatten, wurde er in zwei Wintern restauriert. Die Pilger können den Kreuzweg in der kommenden Wallfahrtszeit wieder gehen.
Seit mehr als 100 Jahren ist der große Kreuzweg in Kevelaer Bestandteil der Wallfahrt. "Obwohl wir in Kevelaer insgesamt fünf Kreuzwege haben, gehen die Pilger – sofern sie es gesundheitlich irgendwie können – den großen Kreuzweg in der Nähe des Friedhofs", sagt Kaplan Martin Klüsener. Warum gerade dieser Kreuzweg die Menschen in besonderer Weise anzieht, kann er nicht mit nur einem einzigen Grund benennen. "Es ist sicher die Größe der einzelnen Stationen und der Aufenthalt in der Natur, der es für viele Frauen und Männer interessant macht, die 14 Stationen nachzugehen."
Man braucht Zeit, um sich auf diesem Weg dem Leiden und Sterben Jesu zu nähern. 90 Minuten dauert ein Rundweg. "Die Stationen machen es möglich, sich in den Leidensweg Jesu hineinzuversetzen oder aber auch sich mit den Figuren am Wegesrand zu identifizieren", erläutert Klüsener die pastoraltheologische Dimesionen. Auf diese Weise gelinge es, zu meditieren, inwieweit die einzelnen Stationen des Wegs Bedeutung für das eigene Leben erlangen. Der Pilger erfahre auf diesem Weg eine entscheidende Botschaft des christlichen Glaubens: Egal wie tief man falle, am Ende stehe für den Glaubenden die Botschaft, dass es mit Christus an der Seite immer wieder Hoffnung gebe. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Kreuzweg entstanden. Über die Motive und Hintergründe gebe es bisher kaum Unterlagen, sagt Rainer Killich, Generalsekretär der Wallfahrt. Er vermutet, dass er im Zug der Erbauung von Basilika und Beichtkapelle entstanden ist. "Kevelaer war damals wie heute schon einer der großen internationalen Wallfahrtsorte. Man benötigte größere kirchliche Bauten, um die Pilger aufnehmen zu können. In diesem Zusammenhang kann die Idee zum Bau des Kreuzwegs entstanden sein."
Nach dem Krieg wurde er zum ersten Mal restauriert. Das wurde jetzt zum zweiten Mal notwendig. Vandalismus und Witterungsschäden machten eine Ausbesserung der Figuren, der Häuschen und des Wegs unumgänglich. Die erste Phase wurde im Winter 2009/2010 durchgeführt, die zweite ist jetzt abgeschlossen. In dieser Wallfahrtszeit wird der große Kreuzweg für die Pilger wieder vollständig zu begehen sein. Eine Tradition hat sich bis heute erhalten: Die Kevelaerer Vereine haben für die einzelnen Stationen eine Patenschaft übernommen. Sie pflegen sie und reparieren kleine Schäden in eigener Regie.
Die heimatliche Alternative
Den frommen Wunsch, einmal im Leben nach Jerusalem zu pilgern, um die heiligen Stätten des Leidens Christi zu besuchen, konnten sich früher nur wenige Christen erfüllen. Darum wurden die einzelnen Stationen des Leidens Christi in der Heimat aufgebaut und der Kreuzweg betend nachgegangen. Diese volkstümliche Andacht kopierte die Umgänge, die seit dem 14. Jahrhundert bei einem Besuch der heiligen Stätten in Jerusalem üblich waren.
Die ersten Stationen dieses Kreuzwegs waren die Burg Antonia, der vermutete Ort der Verurteilung Jesu, und der Kalvarienberg, wo er starb. Sie markierten jeweils den Beginn und das Ende des Leidens Christi. Bald wurde dieser Weg durch weitere Stationen ergänzt: die Übernahme des Kreuzes, Jesu Fall unter dem Kreuz, die Begegnung Jesu mit den weinenden Frauen sowie die legendären Begegnungen mit Maria, seiner Mutter und mit Veronika.
14 Stationen, wie sie heute bekannt sind, gibt es seit dem 17. Jahrhundert. Etwa um 1700 begann man, auch im Kirchenraum Kreuzwegbilder aufzuhängen. Angeregt durch Franz von Assisi wurden die Franziskaner zu bewussten Pflegern dieser Passionsfrömmigkeit. Heute gibt es häufig eine 15. Station: Jesus wird von den Toten auferweckt. (göc)
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Michael Bönte in
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22.04.2011
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