
Mit dem Tragen der Kasel durch den Priester wurden den Gläubigen das Leiden und Sterben sowie die glorreiche Auferstehung Christi vergegenwärtigt.
Eindrucksvolle Kasel
Seidensticker setzten Ostern prachtvoll in Szene
Kalkar. Gerade an Ostern, dem höchsten katholischen Feiertag, schmücken die Gemeinden ihre Kirchen für die festlichen Gottesdienste. Eine Besonderheit sind die liturgischen Gewänder wie zum Beispiel in Kalkar, die mit kostbaren Stickereien verziert sind.
In der Osterzeit feiern die Christen die Auferstehung Jesu Christi. So ist es nicht verwunderlich, dass das Osterthema nicht nur in der Tafel- und Buchmalerei, an Schnitzaltären, Kirchenfenstern und sakralen Goldschmiedewerken, sondern gerade auch auf kostbaren liturgischen Gewändern zu finden ist.
Die Schatzkammer der St.-Nikolai-Kirche in Kalkar bewahrt eine Sammlung historischer Paramente auf, darunter auch eine Kasel aus dunkelrotem Samt, bestickt mit prachtvollem Gold und farbiger Seide. Das Messgewand wurde im Jahr 1525 von Wolter van Riswick gestiftet und in den nördlichen Niederlanden angefertigt.
Figurenreiche Details
Sowohl Vorder- als auch Rückseite bilden inhaltlich eine Einheit. Das Rückenkreuz der Kasel nimmt die figurenreiche Darstellung des Kalvarienbergs mit Christus am Kreuz ein. Maria, am Fuß des Kreuzes sitzend, trauert um ihren toten Sohn und wird von Johannes gestützt, der ihr beisteht.
Weitere Frauen und Männer haben sich unter dem Kreuz versammelt, darunter Longinus mit der Lanze und der Hauptmann zu Pferd. Im Hintergrund ist die Stadt Jerusalem zu erkennen. Darunter sind die beiden bildlichen Szenen der Grablege und Auferstehung Christi angeordnet. Der Leichnam Jesu, der zuvor von Josef aus Arimathäa und Nikodemus vom Kreuz genommen wurde, wird im Kreis von Maria, Johannes und drei Frauen betrauert. Nachfolgend zeigt sich das nun leere Grab, dem Christus entsteigt. Jesus erscheint den vier wachenden Soldaten, die als Zeugen des Wunders zum Teil erschrocken sind oder schlafen und die Auferstehung nicht bemerken.
Auferweckung Christi
Jesus wird als Triumphator präsentiert, der den Tod überwunden hat und sich als Erlöser offenbart. Seine rechte Hand ist zum Segensgestus erhoben, in seiner Linken hält er als Siegeszeichen den Kreuzstab mit wehender Fahne.
Die Vorderseite der Kasel knüpft an das Ostergeschehen an und gibt die Ereignisse nach der Auferweckung Christi wieder. Zu den nachösterlichen Bildmotiven zählen die drei Frauen am leeren Grab, Jesus, der Maria Magdalena als Gärtner erscheint, und Christus mit den Emmaus-Jüngern.
Narrativ wird so auf den Karfreitag mit dem Tod Christi, den Karsamstag als Tag der Grabesruhe und den Ostersonntag als Fest der Auferstehung eingegangen. Mit dem Tragen der Kasel durch den Priester wurde den Gläubigen die Auferstehung und das damit verbundene Erlösungswerk Christi allzeit vergegenwärtigt. Das Gedenken an den Tod Jesu wird durch die rote liturgische Gewandfarbe des kostbaren Samtstoffs unterstrichen.
Die aufwändig und prachtvoll gestaltete Kasel wurde von dem Kalkarer Mäzen Wolter van Riswick in Auftrag gegeben, der zum bekannten niederrheinischen Adelsgeschlecht der Familie Riswick gehörte.Die Kasel der St.-Nikolai-Kirche in Kalkar wurde wohl ursprünglich zum alljährlichen Osterfest, aber auch zu Gedächtnismessen der Familie Riswick getragen und der Glaubensgemeinde präsentiert.
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Text: Marina Cremer | Foto: Marina Cremer in
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