
Zwischen den Urnengräbern stehen die Osterkerze und der schmuckvolle Text aus dem Evangelium als Zeichen der Auferstehung.
Gerade noch bejubelt, dann gehasst
Passion im Ostergarten erleben
Marl. Zum ersten Mal hat die Gemeinde St. Franziskus in Marl in den Räumen des Pfarrheims in St. Konrad, im Garten und im Kolumbarium einen Ostergarten gestaltet.
"Das hat mir richtig gut getan." Mit diesen Worten beschreibt eine Teilnehmerin ihre Gefühle nach dem Rundgang durch den so genannten Ostergarten der Pfarrei St. Franziskus in Marl. An acht Stationen haben die teilnehmenden Frauen die Worte der Passion gehört, haben sich Gedanken über das eigene Leben gemacht und gemeinsam gebetet.
Es ist das erste Mal, dass die Gemeinde einen Ostergarten aufgebaut hat. "Ich hatte mir im vergangenen Jahr den Ostergarten in St. Antonius in Recklinghausen angeschaut", berichtet Barbara Kilian. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und Katechetin war beeindruckt sowohl von der Idee als auch der Umsetzung der Passionstexte. "Viele Menschen können bei einem solchen Projekt eingebunden werden und kreativ sein, auch wenn sie der Kirche fern stehen", berichtet die 53-Jährige.
Bei einem Treffen mit weiteren Katecheten fiel im Herbst der Entschluss, in diesem Jahr einen Ostergarten im Pfarrheim von St. Konrad am Kolumbarium für eine Woche aufzubauen. "Wir werden durch das Kolumbarium bereits mit dem Thema "Tod und Auferstehung" vor Ort konfrontiert. Plakativer als auf einem Urnenfriedhof kann man das Thema kaum transportieren", sagt sie.
Auf positive Rückmeldung stieß das Katechetenteam auch bei Pfarrer Ulrich Müller. "Ein Ostergarten veranschaulicht die Passion. Er spricht den Menschen ganzheitlich an", sagt der Seelsorger und freut sich, dass das Projekt von vielen Gemeindemitgliedern getragen wird. Er hat das 20-köpfige Vorbereitungsteam bei der Zusammensetzung und Auswahl der Texte unterstützt.
Bei der Umsetzung haben sich beispielsweise das Büchereiteam, die Messdienergruppe, ein Kreis junger Erwachsener und die Nachbarschaft von St. Konrad engagiert. "Es war erfrischend für alle, wie die Aktiven in unterschiedlichem Alter ihr jeweiliges Thema umgesetzt haben." Die Katecheten suchten neben den passenden Bibelstellen bei den Evangelisten auch moderne Texte aus, die die Menschen zum Nachdenken anregen sollen. Sie zeigen, dass die Themen der Passion Christi wie das Verlassensein oder der Verrat heute noch Themen sind.
So haben die Messdiener zum Beispiel die Station "Palmsonntag" gestaltet. Der Flur des Pfarrheims ist rechts und links mit schwarzer Folie abgehängt. Darauf sind Figuren aus Papier befestigt. Die Hände sind teilweise aus Gips geformt. Einige halten darin Buchsbaum, andere strecken ihre Hände zum Jubel aus, wieder andere ballen sie zu Fäusten. Dazu liest eine Katechetin einen Text von Sebastian Deisler, dem ehemaligen Fußballprofi und Nationalspieler. Er schildert eindrucksvoll seine Gefühle. Er erzählt davon, wie es ist, wenn man geliebt und plötzlich über Nacht gehasst wird. Ähnliche Parallelen zum Heute in zeitgemäßen Texten finden sich an einzelnen Stationen immer wieder.
"Wir wollten – nicht nur aus Zeitgründen – mit unserem Ostergarten einen neuen Stil finden. Er ist schlicht und doch eindrucksvoll. Wir haben versucht auszudrücken, was uns Glauben wert ist", sagt Kilian.
Vor allem die Atmosphäre in der als Urnenfriedhof genutzten St.-Konrad-Kirche sei sehr dicht. Nach den Stationen "Kreuzigung" und "Grablegung" trifft sich die Gruppe in der Mitte des Raums an der Osterkerze. "Es ist schon vorgekommen, dass sich Menschen, die ihre Toten besucht haben, beim abschließenden Vaterunser an der Osterkerze zur Gruppe gestellt und mitgebetet haben", berichtet Kilian.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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21.04.2011
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