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14.12.2018
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Die Hagstedter Trauerbuche im März.

Die Hagstedter Trauerbuche im März. Sie liegt am Reuterweg, einer alten Handelsstraße, die von der Weser an die Ems führte.

Kreuz unter der Buche als Gebetsort entdeckt

Ort der Stille zwischen endlosen Erdbeerfeldern

Hagstedt. Vor 110 Jahren pflanzte eine Witwe neben ein Gedenkkreuz eine Trauerbuche für ihren Mann. Daraus entstand mit den Jahren ein eindrucksvoller Gedenk- und Gebetsort. Hier halten Radfahrer und ab und zu auch Reisebusse. Und hier beten auch polnische Saisonarbeiter.

Heute stehen manchmal Plastikblumen vor dem Kreuz. Oder eine Friedhofskerze in roter Plastikhülse flackert vor sich hin.

"Die polnischen Saisonarbeiter bringen sie her", erklärt Hedwig Bergmann. "Unser Nachbarhof beschäftigt in der Erntezeit sehr viele", erklärt sie. Und manche von ihnen hätten das Kreuz unter der Buche als Gebetsort für sich entdeckt.

Das Kreuz, von dem sie spricht, liegt auf dem Land ihrer Familie. Es ist ausgerichtet auf ein Feld mit Reihen von Erdbeerpflanzen, die sich bis zum Horizont ziehen.

Gar nicht weit entfernt stehen die Obstplantagen und der Hof der Bergmanns. Und mitten hindurch schlängelt sich der Wirtschaftsweg, an dem eines der eindrucksvollsten Natur-Denkmäler der Gegend liegt: die Hagstedter Trauerbuche. Eigentlich nur ein Wegkreuz und ein Baum. Aber was für einer!

Von Frühsommer bis Herbst sieht man von weitem nur sein mächtiges Blätterwerk. Zwölf Meter ist er hoch. Ausladende Äste bilden ein weites Zeltdach. Gut 25 Meter misst es im Durchmesser. Jetzt, Ende März, geben die nackten Zweige noch von außen den Blick frei auf das Kreuz, das sich darunter verbirgt, und auf die Findlinge und Bänke, die im Kreis darum gruppiert sind.

In ein paar Wochen schon wird alles wieder zugewachsen sein – und eigentlich einen idealen Raum für Gebet und Gottesdienst bilden.

"Ab und zu findet hier auch schon mal eine Maiandacht statt", sagt Hedwig Bergmann. Für längere Feiern sei der Platz im Mai aber  noch nicht so geeignet. "Da geht ja ganz schön der Wind über den Esch", erklärt sie.

Aber sonst folgten das ganze Jahr über Auto- oder Radfahrer den Schildern, die zur Hagstedter "Trauerbuche" führen. Und Hedwig Bergmann erinnert sich noch an den Bus im vergangenen Jahr. "Die Kolpingfamilie aus Garrel hat hier Station gemacht und einen Gottesdienst gefeiert."

Ihr Mann Josef kennt den Baum auf seinem Grundstück von Kindesbeinen an, hat ihn mit den Jahren wachsen sehen. "Als ich klein war, da war der Baum erst halb so groß", sagt er.

Er weiß auch von der Entstehungs-Geschichte des Denkmals zu erzählen: von Joseph August Beneke, der am 10. Februar 1898 ganz in der Nähe tot aufgefunden worden war.

Beneke war Wiesenbau-Techniker, hatte sich in der Region hohes Ansehen erworben. 1893 saß er für die Ämter Vechta, Steinfeld und Damme sogar im Landtag des Großherzogtums Oldenburg.

Seiner Witwe hat die Nachwelt die heutige Trauerbuche zu verdanken. Catharina Auguste Beneke stellte zunächst ein Kreuz am Sterbeort ihres Mannes auf – und zwei Jahre später das heutige Kreuz und die Trauerbuche.

Dafür wählte sIe einen Platz frei in der Landschaft, in der Nähe des Hofes und an einer Biegung des "Reuterwegs", der hier mitten durch die Obstwiesen führt. Der Reuterweg ist eine alten Verkehrs- und Handelsstraße von der Weser zur Ems.

Dass die Witwe Beneke damals ausgerechnet eine Hängebuche wählte, wird wohl kein Zufall gewesen sein. Die Sorte gilt als einer der Modebäume jener Zeit und war durchaus typisch für Kirchen und Friedhöfe.

Josef Bergmann erinnert sich noch an den Zaun, der anfangs den kleinen Andachtsplatz umschloss. Und er weiß, dass die Buche in den 1950-er Jahren besonders gut gewachsen sein muss.

"Rund herum standen Apfelbäume und wir haben damals auf Anraten holländischer Firmen viel mit Kunstdünger gearbeitet. Da wird sich auch der Baum einiges genommen haben", sagt er.

Er selbst ist später auch mal mit der Säge in den Baum gestiegen, um die Krone auszulichten. "Aber irgendwann habe ich ihn einfach wachsen lassen."

Josef Bergmann durfte auch erleben, wie die Leute aus der Region immer mehr Anteil an der Geschichte des Baumes zu nehmen begannen. Und zwar nicht nur die Beter.

So weiß er noch von dem Vorschlag, zum Schutz der Buche die Straße zu verlegen. Oder er denkt an die Dorfverschönerung, als man Findlinge unter der Krone platzierte.

Die Bergmanns kümmern sich bis heute um Baum und Kreuz. Hedwig Bergmann hält den Platz in Schuss. Zu jäten gibt es aber nicht viel. Dafür sei es unter dem Baum viel zu dunkel. Aber gerade das scheinen sie zu schätzen: all die Beter, die Jahr für Jahr vorbeikommen.

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Text: Michael Rottmann | Foto: Michael Rottmann in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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