Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Aus den Regionen
31.08.2016
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Erich Zenger.

Erich Zenger.

Wissenschaft mit Praxisbezug

Fachtagung zum Gedenken an den Alttestamentler Zenger

Münster. Den mehrere Jahrzehnte in Münster lehrenden Bibelwissenschaftler Erich Zenger hat Kardinal Karl Lehmann als einen "Gelehrten für das Alte Testament" bezeichnet. Zenger habe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil dieses Fach über den deutschen Sprachraum hinaus "maßgeblich geprägt" und sei seit Jahrzehnten in vorderster Reihe auf vielen Ebenen ein einzigartiger Vertreter des christlich-jüdischen Dialog" gewesen, sagte Lehmann.

Der Mainzer Bischof sprach vor mehr als 300 Zuhörerinnen und Zuhörern in der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster auf einer Tagung zum Gedenken an Erich Zenger, der vor einem Jahr, am Ostersonntag 2010, völlig unerwartet verstarb. Von 1973 bis zu seiner Emeritierung 2004 lehrte der Alttestamentler Professor Zenger an der Universität Münster. Der erste Todestag gab Anlass zu einer fachwissenschaftlichen Tagung, die das breite Spektrum seines wissenschaftlichen Wirkens zu berücksichtigen suchte.

"Botschaft der ganzen Bibel vermitteln"

Kardinal Lehmann, der mit Zenger seit den gemeinsamen Studienjahren an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom freundschaftlich verbunden war, würdigte dessen akademische Lehrtätigkeit: "Unzählige Frauen und Männer, die Theologie studierten, hat er angeleitet, in Predigt und Religionsunterricht die Botschaft der ganzen Bibel zu vermitteln." Mehr als 30 Dissertationen seien unter seiner Leitung abgeschlossen worden.

"Zenger wollte die Teilung in Exegese des Alten und Neuen Testamentes überwinden, mindestens aber verringern. Er wollte der Diskussion über das Verhältnis von Judentum und Christentum neue Anstöße geben", sagte Lehmann. Diese Grundsätze habe Zenger auch übertragen bei der Konzeption von "Herders theologischer Kommentar zum AltenTestament". Für diese Kommentar-Reihe, die rund 60 Bände umfassen wird, habe Zenger für einzelne Bände jüdische Gelehrte gewinnen können. Zudem sei das Kommentarwerk ökumenisch ausgerichtet.

"Selbstgefällige Gelehrsamkeit war Zenger fremd"

Zenger gilt als einer der bedeutendsten alttestamentlichen Bibelwissenschaftler der Gegenwart. Seine "Einleitung in das Alte Testament" und seine Auslegungen der Psalmen gelten als Standardwerke der Bibelwissenschaften. Als Exeget darf er als Pionier einer revidierten, von traditionell antijudaistischen Vorurteilen bereinigten Auslegung des "Ersten Testaments", der hebräischen Bibel, gelten.

Der Wiener Alttestamentler Professor Ludger Schwienhorst-Schönberger, der in den 1980er Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter Zengers war, sagte: "Eine sich von den Fragen und Nöten der Zeit abkapselnde, selbstgefällige Gelehrsamkeit war Erich Zenger fremd. Wie kaum ein zweiter seiner Generation hat Zenger dem Alten Testament und seiner Wissenschaft weit über den Kreis der Fachgelehrten hinaus Ansehen und Anerkennung verschafft." Das unter seiner Federführung konzipierte "Stuttgarter Alte Testament", in dem sämtliche Bücher des Alten Testaments kurz und prägnant für eine breite, interessierte Öffentlichkeit ausgelegt werden, gelte als ein Beispiel von vielen.

Nicht auf die Lesung des Alten Testaments verzichten

Wie sehr Zengers Beiträge und Impulse die Grenzen der Bibelwissenschaften überschritten und andere Wissenschaftsbereiche der Theologie beeinflussten, verdeutlichten auf der Fachtagung seine Münsteraner Kollegen der Dogmatik, Liturgiewissenschaft, Moral- und Fundamentaltheologie.

Begrüßung an der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster (von links): Akdamenie-Direktor Professor Thomas Sternberg, Professorin Ilse Müllner, Professor Johann Baptist Metz und Kardinal Karl Lehmann.

Begrüßung an der Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster (von links): Akdamenie-Direktor Professor Thomas Sternberg, Professorin Ilse Müllner, Professor Johann Baptist Metz und Kardinal Karl Lehmann.

Der Liturgiewissenschaftler Klemens Richter verwies auf das gemeinsame Anliegen, das Erste Testament stärker in den Schriftlesungen der christlichen Liturgie zu berücksichtigen. "Dass die Psalmen im Wortgottesdienst der Eucharistiefeier heute nur als Antwortpsalm, nicht aber auch als eine weitere Lesung aus dem Ersten Testament gesehen werden, haben wir beide bedauert. Doch hierzulande sind ja meist noch nicht einmal die drei in der Sonntagseucharistie vorgelesenen Schriftlesungen Standard, sodass oftmals gerade auf die aus dem Ersten Testament verzichtet wird."

"Tora und Evangelium kein Gegensatz"

Dass die Bibel und die Moraltheologie im Dienst der menschlichen Freiheit zu stehen habe, verdeutlichte der Moraltheologe Professor Antonio Autiero. In der Theologie habe man lange Zeit den Eindruck gewinnen können, dass die Tora und das Evangelium einen Gegensatz bildeten. "Dies nicht natürlich nicht so", meinte Autiero. Weit verbreitet sei das Vorurteil, die christliche Theologie könne gut ohne das Alte Testament auskommen. Dagegen habe Zenger stets und zu Recht Einspruch erhoben.

Der Frage nach Gott angesichts der abgründigen Leidensgeschichte der Welt, "seiner" Welt, ging der Fundamentaltheologe Professor Johann Baptist Metz nach. Diese Frage sei nicht formuliert im Sinn einer griechisch-philosophischen Theodizee, sondern im Stil der apokalyptisch-biblischen Theodizee, in der diese Frage als Schrei in der Situation und der Sprache der Glaubenden selbst auftaucht, "sodass sich darin das Gottesgedächtnis der biblischen und christlichen Traditionen von vornherein mit der Passionsgeschichte der Menschheit verbindet".

An der Wurzel der christlichen Gottesrede schlummere immer auch ein Gerechtigkeitsthema, die Frage nach der Gerechtigkeit für die unschuldig und ungerecht Leidenden. Christen müssten nicht nur Praktiker sondern auch Mystiker dieser Gerechtigkeit sein, Mystiker einer Compassion, einer Mitleidenschaft, sagte Metz. Mit Zenger habe er oft die Inhalte dieser so genannten Neuen Politischen Theologe besprochen, besonders unter dem Gerechtigkeitsgedanken im Alten Testament und im Hinblick auf die Leidens- und Rettungsgeschichte Israels.

"Wertvolle Vergewisserung"

Ilse Müllner, Professorin für Biblische Theologie an der Universität Kassel und eine frühere Mitarbeiterin Zengers, bezeichnete die dreitägige wissenschaftliche Fachtagung in Münster als wertvolle Vergewisserung, die bibelwissenschaftlichen Arbeiten im Austausch weiterzuentwickeln. Über die Fachtagung erscheint in Kürze eine vom "Schülerkreis" Zengers herausgegebene Dokumentation.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedKardinal Lehmann würdigt Erich Zenger (08.04.2010)
  1. undefinedAlttestamentler Professor Erich Zenger gestorben (06.04.2010)

Text: Johannes Bernard | Foto: Johannes Bernard, Markus Nolte
11.04.2011

Aus der Region Borken

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Coesfeld

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Kleve

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Münster

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Oldenburg

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Recklinghausen

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Steinfurt

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Warendorf

... Nachrichten und Berichte.

Aus der Region Wesel

... Nachrichten und Berichte.

Bischof Felix Genn

Sein Leben – sein Wirken – seine Texte.

Geistlicher Impuls

Auf Jesus schauen.

Geistlicher Impuls

Weltraum.

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand