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21.05.2012
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Alle zwei Kilometer legte die Gruppe eine Station ein.

Alle zwei Kilometer legte die Gruppe eine Station ein, um mit Gedichten, Gebeten und Texten innezuhalten und sich der Hektik des Alltags bewusst zu werden.

Beten mit den Füßen

Chor Taktzente pilgerte auf dem Jakobsweg

Moers. Langsam durch die schnelle Zeit "hatten die Sänger und Sängerinnen das Motto ihrer Pilgerwanderung genannt. In der Fastenzeit wollten die Mitglieder des Moerser Chors Taktzente einen besonderen Pilgerweg beschreiten. Mit Taschen und Rucksäcken bewältigten die 22 Teilnehmer den Weg von Duisburg-Baerl – entlang des Lohheidesees durch den Baerler Busch, Richtung Eick-Ost bis zum Moersbach und dem Moerser Schlosspark – bis zur katholischen Kirche St. Josef. Zehn Kilometer, die zum Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela gehören.

Pilgern hat Tradition

Der Chor bewältigt seit 1975 jedes Jahr zur Fastenzeit eine Wegstrecke – bislang immer von der Leucht bis zur Bönninghardt in Alpen. Dieses Jahr sollte es ein ganz besonderer Weg sein, erläuterte der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Josef Moers, Thorsten Wessel. Die Mitglieder wollten gemeinsam die Geschichte des Weges und die Bedeutung der Jakobsmuschel erkunden.

Heinrich Bücker, Pfarrer der St.-Josef-Gemeinde, hatte die Anregung für den Weg gegeben. "Pilgern ist eine wichtige Übung für Christen, um sich bewusst zu machen, dass wir immer unterwegs sind – die Kirche als Etappe auf dem Weg unserer ewigen Heimat entgegen verstehen. Dem Ziel unseres Lebens, dem Himmel", sagte Bücker im Rahmen des Abschlussgottesdienstes und bezeichnete Pilgern als "Beten mit den Füßen". Eine der Personen, die den Pilgerweg bewusst mit nachvollzogen, war Barbara Dreger. Die 44-jährige Frau aus Neukirchen-Vluyn war als junges Mädchen mit dem "Taktzente-Chor" gepilgert. "Das befreit die Seele. Was einen belastet, lässt man im Kopf frei – eine andere Art des Gebets", beschrieb sie ihre Gefühle. "Die Tage danach erlebt man tiefer."

Die Familie Scherf aus Moers hatte sich ebenfalls gezielt für die Teilnahme in diesem Jahr entschieden: "Mein Vater hat Ende Februar seine Frau verloren, deshalb sind wir heute alle zusammen", sagte Maren Scherf. Ihr Bruder Carsten war dafür ebenfalls aus Bonn angereist. "Ich wusste nicht, dass es den Weg hier gibt. Aber jeder Weg für uns fängt ja da an, wo man ihn beginnt, haben wir gehört", freute er sich über das solidarische Gemeinschaftserlebnis der Pilger.

Alle zwei Kilometer legte die Gruppe eine Station ein, um mit Gedichten, Gebeten und Texten bewusst innezuhalten – Texte, die sich mit dem Ausstieg aus der Hektik des Lebens, der Bewusstseinsbildung des eigenen Seins und der Natur auseinander setzten. Anrührend erlebten alle den Moment, als die zehnjährige Ronja Scherf aus dem zentralen Text "Langsam durch die schnelle Zeit", der das Motto des Pilgertags bildete, vorlas – und später mit ihrem Großvater Arm in Arm lief. Beim Gottesdienst in der Moerser Kirche St. Josef begrüßte Pfarrer Heinrich Bücker die Pilger, die "sich unterwegs mit Gottes Wort gestärkt" hatten. Den Abschluss bildeten eine Eucharistiefeier und ein Gebet zum Segen: "Entdecke nun das Leben – halte die Nase in den Wind. Der gute Hirte begleitet Dich. Gott tut gut."

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Text: Alexander Florié | Foto: Alexander Florié in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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