
Rund 150 Haupt- und Ehrenamtlichen aus den münsterschen Gemeinden diskutierten über den Struktur- und Stellenplan.
Stadtdekanatsversammlung in Münster zum Struktur- und Stellenplan
Wenig Neues und doch kontroverse Diskussionen
Stadtdekanat Münster. Mit der Stadtdekanatsversammlung in Münster ist die Reihe der Konferenzen zum neuen Struktur- und Stellenplan im Bistum Münster (NRW-Teil) am Montag (04.04.2011) zu Ende gegangen.
Bei dem Zusammentreffen von rund 150 haupt- und ehrenamtlichen Verantwortlichen aus den münsterschen Gemeinden mit Vertretern der Bistumsleitung im Pfarrer-Eltrop-Heim gab es vor allem Bekanntes. Bereits im Oktober vergangenen Jahres war den Münsteranern eine Modifizierung erster Überlegungen aus dem Jahr 2005 vorgelegt worden. So soll es künftig statt der bisherigen 28 Pfarreien in Zukunft neun Pfarreien und zwei so genannte "pastorale Räume" als Seelsorgeeinheiten geben.
"Aufbruch nach der Strukturreform"
Neu war am Montag vor allem der Stellenplan, der die Zuteilung von Priestern, Ständigen Diakonen und Pastoralreferenten regelt. Er soll bis 2020 schrittweise umgesetzt werden. Besondere Rücksicht nimmt der Plan auf die Krankenhaus- und Schulseelsorge, zumal es in Münster viele Schulen und Krankenhäuser gibt.
Für Weihbischof Stefan Zekorn war es die erste Zusammenkunft dieser Art mit den Vertretern der münsterschen Pfarreien. "Ich hätte mir einen anderen – spirituellen – Anlass gewünscht; aber es kommt wie es kommt", gestand der Mitte Februar geweihte frühere Kevelaeres Pfarrer ein. Er wünschte sich, dass nach der nötigen Strukturdebatte ein Aufbruch komme. Er ermutigte die Pfarreien-Vertreter zum Zeugnis des Glaubens, "so dass andere auf den Geschmack kommen und sich in die Nachfolge Jesu begeben".
Kleyboldt will einvernehmliche Lösungen
Generalvikar Norbert Kleyboldt betonte nachdrücklich Gesprächsbereitschaft: Man habe bewusst die Zusammenkunft in der Stadtdekanatsversammlung abwarten wollen, um dann gezielt den Dialog mit den einzelnen betroffenen Pfarreien zu suchen. Es solle "möglichst zu einvernehmlichen Lösungen" kommen. Auch sei man zwischenzeitlich in der Bistumsleitung übereingekommen, dass der Strukturplan frühestens Ende des Jahres oder auch erst Anfang 2012 vom Bischof in Kraft gesetzt werde. Ursprünglich sollte dies bereits im kommenden Herbst geschehen.
Die Diskussion mit den Münsteranern verlief ähnlich wie in den bereits stattgefundenen sieben Kreisdekanatsversammlungen: Kritische Nachfragen gab es zum Einsatz der "Priester der Weltkirche", wobei auf sprachliche und kulturelle Probleme verwiesen wurde. Weihbischof Zekorn erklärte dazu, dass man vielerorts gute Erfahrungen mit ausländischen Geistlichen mache. Er gestand aber ein, dass es auch schwierige Situationen mit den Klerikern der Weltkirche gebe. Er wünschte sich von den Pfarreien eine Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen und fremde Mentalitäten einzulassen. Zekorn verwies darauf, dass das Bistum die Priester der Weltkirche künftig intensiver auf ihren Einsatz vorbereiten wolle.
"Unerfüllbare Maximalforderungen" von Theologieprofessoren
Die Frage der Leitung durch Priester war ebenfalls Inhalt der lebhaften Diskussion. Die Zuspitzung auf die Leitungsfrage kritisierte Kleyboldt: Zu einem lebendigen Gemeindeleben könnten alle beitragen – dies sei nicht allein abhängig vom Pfarrer. Kontrovers wurde es, als in diesem Zusammenhang das Theologen-Memorandum für eine Reform der Kirche zur Sprache kam. Während einige Pfarreien-Vertreter darin Lösungswege erkannten, hielt Weihbischof Zekorn dem entgegen, dass man durch das Aufstellen von "unerfüllbaren Maximalforderungen" (etwa beim Frauenpriestertum) nicht den Boden für einen fruchtbaren Dialog bereiten könne. "Dies hätten die Professoren wissen müssen", meinte Zekorn.
Wie andernorts standen auch in Münster Überlegungen zur Entlastung von Pfarrern und Kirchenvorständen im Raum: Generalvikar Kleyboldt stellte heraus, dass alle Pfarrer die Möglichkeit hätten, Verwaltungstätigkeiten auf ein Mindestmaß zu reduzieren. "Dazu müssen sie aber bereit sein", hob er hervor. Auch die Kirchenvorstände könnten durch angestrebte Vereinfachungen von administrativen Aufgaben entlastet werden.
Engagement - auch ohne Wahlamt möglich
Dem Einwand, dass es durch die Strukturveränderungen weniger Ehrenamtliche gebe, begegnete man mit dem Hinweis darauf, dass nicht ein Wahlamt nötig sei, um aktiv zu werden. Weiterhin gebe es in den Gemeinden viele Möglichkeiten, um sich ehrenamtlich in der Kirche zu engagieren.
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Text: Norbert Göckener | Foto: Norbert Göckener
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