
Der Bildstock in Einen, links vor der Restaurierung.
Rotary Club Warendorf bewahrt Bildstöcke und Wegekreuze
Landmarken des Glaubens
Warendorf. Der Rotary Club Warendorf hat 2006 einen Arbeitskreis gegründet, der es sich zur Aufgabe macht, alte Glaubenszeugnisse zu bewahren. Walter Suwelack, ehemaliger Kreisdechant im Kreisdekanat, berichtet.
Im hektischen Alltag werden sie nur allzu oft übersehen – schon allein aus der Gewohnheit heraus. Dabei sind sie doch so vertraut wie der Zaun oder der Baum in Nachbars Garten.
Eine Begegnung mit ihnen lohnt immer, um für einen Moment innezuhalten. Wer sich Zeit nimmt für solch einen Moment, der hat die Chance auf eine zarte Berührung der eigenen Seele. Die Erklärung ist simpel: All die Wegebilder, Hofkreuze und Bildstöcke inmitten der münsterländischen Parklandschaft vereinen vieles in sich und sind damit mehr als einfach nur ein Kunstwerk. Sie sind Ausdruck tiefer christlicher Wurzeln und einer Dankbarkeit, die darauf angelegt ist, das eigene Dasein zu überdauern. Sie sind Anlaufstelle für die Zwiesprache mit Gott oder auch Schutzschild für das eigene Handeln.
Über die Jahre haben sie wenig Beachtung gefunden, in jüngster Zeit allerdings erlebten die Wegebilder und Bildstöcke fast eine Renaissance. In der Region um Warendorf haben die ausdrucksstarken Kunstwerke eine Blitzkarriere ganz besonderer Art gemacht.
Engagiertes Vorhaben
Es war im Jahr 2006, als der Rotary Club Warendorf den Arbeitskreis "Historische Bildstöcke und Wegekreuze" gründete. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre haben die Mitglieder des Arbeitskreises eine beispielhafte Entwicklung in Gang gesetzt. Den Startschuss setzte zunächst eine Ausstellung, die das neue Vorhaben des Rotary Clubs Warendorf 2006 einleitete. "Landmarken des Glaubens – Bildstöcke und Wegekreuze in und um Warendorf" lautete das Thema der Ausstellung.
Ebenso im Jahr 2006 fand ein Benefizkonzert des Musikkorps der Bundeswehr Bonn/Berlin zu Gunsten der Erhaltung historischer Bildstöcke und Wegekreuze in Warendorf statt.
Vier Bücher sind mittlerweile veröffentlicht, darunter zwei Hefte für Kinder. Mit Unterstützung des Arbeitskreises sowie der Pfarrgemeinde St. Laurentius in Warendorf wurden im Jahr 2008 kostenlose Broschüren an die Schulen verteilt. Ziel des Heftchens war es, dass die Schüler ab der dritten Klasse Hintergründe und Bedeutung der Skulpturen selbstständig erschließen können. Mit kindgerechten Aufgaben und Fragen werden die Schüler durch die Broschüre von Station zu Station geleitet – insgesamt gibt es 16 Stationen, die es zu erforschen gilt.
Rund 400 Wegebilder und Hofkreuze in der Region rund um Warendorf sind in den Büchern dokumentiert. "Die Erstauflagen beider Bücher mit jeweils 1.500 Exemplaren waren schnell vergriffen", erinnern sich die Mitglieder des Arbeitskreises der Warendorfer Rotarier.
Das starke Interesse führte dazu, dass es allein bei der akribischen Recherche und Dokumentation dieser Schätze aus der eigenen Heimat nicht blieb. Dank einiger Benefizaktionen und Spenden aus dem Kreis des Rotary Clubs, von privater Seite sowie durch verschiedene Institutionen, die sich mit der Denkmalpflege befassen, konnten mittlerweile mehr als 20 Bildstöcke liebevoll restauriert werden. Obendrein wurden die Eigentümer der Bildstöcke und Wegebilder auf dem Weg einer Restaurierung ihrer "Schätze" unterstützt und begleitet.
Und das I-Tüpfelchen wurde schließlich im April vergangenen Jahres gesetzt: "Es gibt bundesweit keine vergleichbare Aktion", sind sich die Mitglieder des Arbeitskreises "Historische Bildstöcke und Wegekreuze" des Rotary Clubs Warendorf sicher. Denn all diese wertvollen "Landmarken des Glaubens" sind im vergangenen Jahr online gegangen. Unter der Adresse www.wegebilder-warendorf.de können nun alle Kulturschätze dieser Region unter die Lupe genommen werden.
Mehr als 500 Wegebilder sind mittlerweile aus dem Stadtgebiet Warendorf sowie aus dem Bereich umliegender Gemeinden online zu finden. Und das Beste daran: Mögliche Änderungen, weitere Bilder oder zusätzliche Informationen können problemlos eingepflegt werden. Ein stets aktueller Internet-Auftritt also für die stummen und doch so starken Begleiter durch Freud und Leid der Menschen in dieser Region.
Jeder Bildstock, jedes Wegekreuz ist genau beschrieben, historische Fotos können eingesehen werden, wenn diese vorhanden sind, und eine Karte zeigt den genauen Standort an. Obendrein verfügt der Online-Auftritt der Warendorfer Wegebilder über eine Suchfunktion.
Die jüngste Aktivität des Arbeitskreises lädt schließlich die Radfahrer ein "Mit dem Fahrrad von Bildstock zu Bildstock" auf vier genau beschriebenen Routen an den "Landmarken des Glaubens" einzuhalten und auch der Seele eine Verschnaufpause zu gönnen.
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Text: Walter Suwelack | Fotos: privat in
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28.03.2011
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