
In einer aufblasbaren Plastikkirche auf dem Julius-Mosen-Platz in Oldenburg sollte eine Kunst-Aktion mit Jugendlichen die Oldenburger Bevölkerung auf das ökumenische Projekt "Licht des Glaubens" einstimmen.
Kreuze, Heringe und Spaghetti
Ökumenisches Projekt "Licht des Glaubens"
Oldenburg. Zum Auftakt eines ökumenischen Projektes "Licht des Glaubens" luden evangelische und katholische Christen zu einer Kunstaktion in der Oldenburger Innenstadt ein. Vor allem Jugendliche ließen sich davon ansprechen.
Ludger Hinse ist seit Tagen im Dauereinsatz. Der Künstler aus Recklinghausen hat in 28 Kirchen und anderen Orten der Stadt Oldenburg seine Kunstwerke installiert. Jetzt ist der Lastwagen abgeladen und auf dem Rückweg ins Ruhrgebiet.
Am Aschermittwoch wurde das ökumenische Projekt "Licht des Glaubens" feierlich eröffnet; das Forum Sankt Peter und die evangelische Stadtkirchenarbeit an der Lambertikirche hatten dazu eingeladen. In einer Prozession zogen evangelische und katholische Christen von Sankt Peter zur Lambertikirche. Voran eines der Lichtkreuze Ludger Hinses, in dem sich Schaufenster und Leuchtreklamen der abendlichen Innenstadt spiegelten.
Aufgeblasene Kirche
Eine Kunstaktion auf dem Julius-Mosen-Platz, wo viele am Freitagnachmittag mit einem Stadtbummel in das Wochenende starten, soll die Oldenburger Bevölkerung auf das Projekt einstimmen. Dafür hat Carsten Hokema vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland seine aufblasbare Kirche aufgebaut.
Normalerweise ist er damit auf Festivals unterwegs und lädt Neugierige zu einem "coffee to stop" ein, also keinem eiligen Kaffee zum Mitnehmen, sondern einem, der zu guten Gesprächen verführt. "Die Leute interessiert dabei nicht, welche Konfession man hat", das ist seine Erfahrung. Da wird er als Baptist schon mal mit Papstkritik überschüttet – und er verteidigt ihn gerne. Der Wind rüttelt an den luftgefüllten Wänden. "Hier müsst ihr mal einen Hering festmachen", ruft Ludger Hinse.
Der Künstler hat eine Kiste voll bunter Plexiglasstreifen dabei. Zwei miteinander verklebt – schon hat man ein Kreuz.
Ein Bierzelttisch ist mit bunten Scherben übersät. Kinder und Erwachsene, die sich anlocken lassen, finden alle. Leuchtendes Pink zum Beispiel, das sich perfekt mit den lilafarbenen Fingernägeln derKünstlerin ergänzt. Oder mehrere Streifen in warmen Tönen, übereinander angeordnet.
Passt für Schuhkarton
In der aufblasbaren Kirche bauen inzwischen die Schülerinnen und Schüler aus dem 11. Jahrgang der Graf-Anton-Günther-Schule ihre Werke auf. Die Veranstalter von "Licht des Glaubens" laden Jugendliche und Erwachsene zu einem Kunstwettbewerb ein. Das Thema lautet "Kreuz und Licht". Die Teilnehmer dürfen Material und Technik frei wählen, die einzige Bedingung ist: Das Kunstwerk muss in einen Schuhkarton passen.
Kunstlehrer Jens Hayen hat schon im vergangenen Jahr begonnen, seinen Kursteilnehmern das Thema schmackhaft zu machen. "Ich habe das am Anfang ganz vorsichtig formuliert", berichtet er schmunzelnd. "Ich habe den Schülern gesagt, sie können auch provozieren und Missstände in der Kirche aufgreifen." Aber am Ende, erzählt er, war es nur eine Minderheit, die sich für einen kritischen Zugang entschieden hat.
Viele Schüler haben direkt mit Licht gearbeitet. Zu ihren Installationen gehören Taschenlampen, die der Betrachter einschalten darf, oder eine Lichtquelle, die man an eine Steckdose anschließen kann. Die 17-jährige Anna Kiel aus Hude hat eine Schnecke aus Papiermaché gebaut, die eine Lichterkette von innen in warmen Farben leuchten lässt. "Ich habe nicht so viel mit der Kirche zu tun", sagt sie. "Aber ich verbinde damit Wärme und ein schönes Gefühl. Das wollte ich zum Ausdruck bringen."
Ludger Hinse zieht die Schülerinnen und Schüler ins Gespräch. "Ich bewundere die Werke nur", sagt er. "Aber ich begutachte nicht. Dazu habe ich zu viel Respekt vor der Arbeit des Menschen." Aber eines der Werke ist ihm dann doch gleich ins Auge gesprungen: das Kreuz aus zusammengebundenen Spaghetti, das die Austauschschülerin Elisabetta Rinaldi gemacht hat. "Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte diese Idee", erzählt die 18-Jährige lachend. "Weil ich Italienerin bin und gerne esse." Ludger Hinse sagt von sich selbst: "Ich bin ein katholischer Anarchist." Vielleicht hat er ja in Elisabetta aus Piemont eine würdige Nachfolgerin gefunden.
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Text: Anne Beelte | Foto: Anne Beelte in
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