
Etwas, das durch den Alltag trägt: Die Geistliche Weggemeinschaft in Münster.
Die Geistliche Weggemeinschaft in Münster
Geistbewegt
Münster. Ein Montagabend in der Kapelle des Collegium Marianum in Münster: Kurz nach 20 Uhr sind alle Sitzplätze belegt. Schnell wird noch ein bisschen zusammengerückt und die letzten Stühle sind rasch in den Kreis geschoben, bevor die Eucharistiefeier beginnen kann. Die Geistliche Weggemeinschaft ist zusammengekommen. Und das tut sie bereits seit mehr als sieben Jahre.
"Zeit für Wesentliches", unter diesem Motto hatte sich die Geistliche Weggemeinschaft 2003 zum ersten Mal getroffen. "Zu Beginn trafen wir uns zunächst wöchentlich zu einem geistlichen Impuls und zum gegenseitigen Austausch über unsere Glaubenserfahrungen und das Leben mit Gott", erinnert sich Weihbischof Christoph Hegge an die Anfänge der Gemeinschaft. "Den jungen Erwachsenen mit denen wir 2003 gestartet sind, ging es nicht vor allem darum, über Glaubensthemen zu diskutieren. Vielmehr suchten sie einen Ort, wo sie miteinander über ihre Suche nach Gott, ihren Glaubensweg, nach einer Praxis des Gebetes und des Lebens ins Gespräch kommen könnten", erklärt Weihbischof Christoph Hegge.
"Durch viele Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gesammelt haben, haben wir unser Konzept immer wieder verändert", ergänzt Stefan Klug, einer der sechs Gründungsmitglieder der Gemeinschaft nach der Eucharistiefeier. So entwickelte sich nach zwei Semestern der Wunsch, zusammen den Gottesdienst zu feiern und weitere Hauskreise zu gründen. Diese finden in den Wochen, in denen keine gemeinsame Messe gefeiert wird, statt. Zusätzlich zu dem ursprünglichen Glaubenskurs gibt es mittlerweile eine Vielzahl von weiteren Hauskreisen, die sich mit unterschiedlichen Themen beschäftigen.
Treffen in Hauskreisen
So gibt es beispielsweise eine Gruppe von Studierenden, die für Menschen am Rande der Gesellschaft ein Abendessen kochen, an dem mittlerweile 20 Personen teilnehmen. Eine andere Gruppe trifft sich, um gemeinsam über verschiedene Bibeltexte zu sprechen. Wieder eine andere Gruppe bereitet einige Jugendliche auf die Firmung vor. Seit dem letzten Jahr schließlich gibt es zudem einen Hauskreis für Paare, die sich darüber Gedanken machen, wie sich der Glaube an Gott in einer Beziehung realisieren lässt.
Die Möglichkeiten sind zahlreich, sich in der Weggemeinschaft zu engagieren. "Als Mittelpunkt der Gemeinschaft bildet sich immer mehr die Messe heraus, an der mittlerweile etwa 50 Personen teilnehmen", erklärt Klug. Dabei sei es wichtig, stets die Offenheit für neue Studierende zu bewahren, wodurch sich die Gemeinschaft besonders auszeichne. "Man hat sofort das Gefühl, dass man willkommen ist. Hier ist Raum sich über Gedanken, Zweifel und Probleme auszutauschen und Gott so mehr in das eigene Leben zu integrieren", freut sich etwa Christine Rams.
Neue Substanz
"In meiner Heimat habe ich viel in der Jugendarbeit mitgearbeitet. Nachdem ich anfing, Medizin zu studieren, musste ich dieses Engagement sehr eindämmen. Mir fehlte es an Substanz am neuen Studienort", erzählt Alexander Noseir. Durch Zufall habe er an einer Messe der Weggemeinschaft teilgenommen und sei von der Atmosphäre und der Predigt so begeistert gewesen, dass er wiedergekommen sei. "Ich schätze an der Weggemeinschaft, dass es hier so viele unterschiedliche Charaktere aus ganz unterschiedlichen Studienfächern gibt, die sich durch eine unheimliche Aufmerksamkeit für ihre Mitmenschen auszeichnen."
Über diese Aufmerksamkeit freut sich auch Weihbischof Hegge. "Einem Studenten, dem der Computer in der Endphase seiner Diplomarbeit abgestürzt war, gab ein anderer Student zu seiner großen Überraschung ohne zu zögern seinen eigenen Computer", erinnert er sich an ein Beispiel gelebten Christseins in der Gemeinschaft.
"Unser Leben soll ausstrahlen und andere anziehen, weil wir selbst von Christus begeistert sind und sein Geist unser gemeinsames Leben prägt", wünscht sich Hegge auch für die Zukunft. So werden für die Treffen keine Einladungen verteilt oder Flyer gedruckt. Es hängen auch keine Plakate aus. Ganz im Sinne des Heiligen Paulus sei das: "Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi, ausgefertigt durch unseren Dienst, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes." (2 Kor 3,3)
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Text: Franzis Rewer | Foto: Henning Martin Schoon
11.03.2011
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