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11.12.2018
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Schwester Elisabeth.

Eine wichtige Stunde am Tag: Schwester Elisabeth trifft sich mit dem Gast, um zu reflektieren und Impulse zu geben.

Schwester Elisabeth Neumeister ist Exerzitienbegleiterin

Die "Perspektiven-Hebamme"

Dinklage. Sie will den Weg nicht vorgeben oder steuern, sie will begleiten. Wer sich mit Schwester Elisabeth in der mittelalterlichen Kulisse der Klosterburg Dinklage in Exerzitien begibt, verbringt viel Zeit mit sich selbst und ist doch nicht allein. Die Benediktinerin hilft, die Wegweiser Gottes wahrzunehmen und die entscheidenden Richtungen einzuschlagen. Auch für die Ordensfrau gibt es Anlass zum Staunen.

Wenn sie die Pforte öffnet, ist das Blatt nicht leer. "Da steht schon viel, weil schon viel passiert ist", sagt Schwester Elisabeth. Allein die Entscheidung für Exerzitien hätte beim Besucher eine oft lang und intensive Vorgeschichte, sagt die Benediktinerin. Eine Geschichte, an der auch sie teilhat: "Das Vorgespräch ist mir wichtig – am Telefon, in Briefen, am liebsten bei einem Besuch." Was liegt an? Welche Ängste gibt es? Wo steht man im Leben? Ohne Druck – das ist ihr enorm wichtig: "Es geht überhaupt nicht darum, eine Vorleistung zu bringen." Wohl aber darum, eine Beziehung aufzubauen. Denn die wird in den Exerzitientagen in der Abtei Dinklage eine zentrale Rolle spielen.

Schwester Elisabeth ist Exerzitienbegleiterin. Eine mit Leib und Seele. Das zeigt schon das Profil ihrer Ausbildung. Immer ging es für sie auf den Menschen zu. Als Erzieherin, in der Ausbildung zur Pastoralreferentin, im Studium der Sozialpädagogik und schließlich als Ordensschwester. "Ich war 28 Jahr alt, als ich in den Semesterferien für ein paar Tage in Dinklage Station machte." Sie blieb. Und mit ihr eine Frage, um die es für sie in den Begegnungen mit den Menschen immer ging: "Was verhindert und verstellt den Fluss des Lebens, den jeder von Gott geschenkt bekommen hat?"

Sie will es wieder ins Fließen bringen, sagt die 65-Jährige. "Ich will schauen, was den Fluss  behindert, wo er große Felsbrocken überwinden muss, wo er droht zu versanden." Dafür müsse man manchmal die Fließgeschwindigkeit herausnehmen, um neue Perspektiven aus der Tiefe hervorholen zu können. "Wie eine Hebamme", beschreibt sie das. "Gemeinsam sensibel hinhören, wo neues Leben gefördert werden kann." Und das nie allein, weiß sie: "Wir sind immer schon zu dritt – Gott ist immer schon da."

Die Instrumente sind einfach und immer die gleichen. Die Resonanz bei den Gästen dagegen ist zum Teil weitreichend. Und kaum vorhersehbar. "Sie kommen und bieten mir ihre Situation an", beschreibt Schwester Elisabeth den Ausgangspunkt. "Und ich biete ihnen das Erleben unseres Klosteralltags, Gebete, Texte, Gespräche und Stille an." Eine Ausnahmesituation entsteht. Die Menschen erfahren für ein paar Tage ein für sie oft unbekanntes Umfeld, das Platz schafft für innere Ruhe, für verborgene Gedanken, für Reflexion. Der berühmte Schritt raus aus dem Trott ist möglich, um sein eigenes Leben aus einer anderen Perspektive in den Blick zu nehmen. "Den Rest macht Gott", sagt die Schwester. "Oft staunen der Gast und ich gemeinsam, wie ER in diesem Augenblick wirkt."

Sie sagt selbst, dass sie eigentlich nicht viel dazu tut. "Einmal am Tag treffen wir uns." Eine Stunde, die auch sie mit Spannung erwartet. "Denn in der Zwischenzeit habe ich sie von der Leine gelassen, habe sie sie sich selbst und ihren Gedanken überlassen." Viel Zeit in Stille gehört dazu, um Störgeräusche zu vermeiden. Das Erleben der Gebetszeiten mit den Schwestern, die ein Taktgeber sein können. Meditationen, die das Gespür für eigene Empfindungen intensivieren können. Persönliche Gebete, die den Dialog mit Gott in Worte bringen. "Viele Gäste schlafen auch viel, um durchatmen zu können." Spaziergänge oder eine Radtour durch das Oldenburger Münsterland können dabei auch helfen.

Reich gedeckter Tisch

Und dann der Augenblick, in dem sie an den kleinen Tisch im Eckzimmer des mittelalterlichen Klostergebäudes zusammenkommen. Der Gast, der "immer ein Stück weiter ist als beim letzten Treffen". Und die Schwester, gespannt auf dieses Stück und mit vielen Ideen, die nächsten Schritte mit Impulsen und Ideen zu begleiten. Eine Kerze brennt, Erlebtes wird erzählt, Gebete gesprochen, geschwiegen, vorgelesen. "Der Tisch der Worte ist wunderbar reich gedeckt", sagt sie. Psalmen, Evangelientexte, ein Gedicht oder ein Lied – mit nicht selten überraschender Wirkung: "Oft haben sie die Worte schon einige Male gehört, aber in dieser Situation treffen sie genau ihren Nerv."

Die Reaktionen sind so unterschiedlich, wie es die Menschen sind, weiß Schwester Elisabeth aus ihren langjährigen Erfahrung als Begleiterin. Seit etwa 20 Jahren widmet sie die Hälfte ihrer Zeit im Kloster Dinklage den Menschen, die allein oder in der Gruppe zu Exerzitien kommen. Die andere Hälfte des Tags ist sie für die Pforte zuständig. "Eigentlich will ich nur weglaufen", erinnert sie sich an die Worte einer Frau nach ihrem ersten Exerzitientag. Oder: "Ein paar Gedanken habe ich mir schon gemacht, aber gebetet habe ich nicht." Oft helfe dann der Hinweis, dass jeder Gedanke schon ein Gebet sein kann. Einfach alles könne Gott dabei vor die Füße geworfen werden, ohne darauf achten zu müssen, das letztlich etwas daraus werde. "Am Ende passiert immer etwas."

Sie muss sensibel sein, das weiß sie. "Sein Gegenüber nicht in eine Richtung lenken, sondern fühlen, wohin er sich wendet, um mit ihm dorthin zu gehen." Dass Gott dabei die entscheidenden Markierungen setze, steht für sie außer Frage. "Ich bin dafür da, den Blick für diese Wegweiser zu öffnen und offen zu halten." Dafür hat sie sich intensiv ausbilden lassen. Mit anderen Benditkinerinnen und Benediktinern absolvierte sie eine dreijährige Zeit, in der sie auch viel über sich selbst erfuhr. "Eine spannende Phase, in der ich reflektierte, wo Gott meinen eigenen Weg geführt hat." Immer wieder lässt sie sich fortbilden, findet neue Möglichkeiten, andere Menschen auf diesem Weg zu begleiten und geht selbst in Exerzitien." Auch hat sie sich in der Eutonie ausbilden lassen, jener "sanften Leib-Arbeit", bei der der Mensch erfahren könne, was ihn blockiere und wie er sich davon befreien könne. Exerzitien mit Leib und Seele eben, erklärt sie: "Manchmal löst sich auf der Boden-Matte etwas im Körper der Menschen, bis die Tränen fließen."

An der Abbruchkante

Ist das Therapie? "Nein", sagt sie deutlich. "Eher eine Ergänzung, eine Fortführung." Es ist nicht die Ausnahme, dass Menschen bereits einen langen Weg bei Psychologen hinter sich haben, ohne zum Kern ihrer Ängste vorgedrungen zu sein, wenn sie nach Dinklage kommen. "Sie stehen an einer Abbruchkante, an der sich für sie eine neue Perspektive öffnen muss." Es gehe darum, einen Schatz zu heben, der oft durch viele Ereignisse und Erfahrungen verschüttet sei. "Jeder ist in einer tiefen Beziehung der Liebe Gottes verwoben, von Beginn an, sein ganzes Leben", beschreibt sie ihn. Ein Gefühl, das alle dankbar erleben würden. Auch Schwester Elisabeth selbst: "Wenn ich merke, wie Gott ganz unerklärlich seinen Weg zu den Menschen findet, bin auch ich beschenkt."

Sie weiß auch, dass die Gäste in ihrer Zeit in Dinklage nicht immer alles in Ordnung bringen können. Manchmal sind die Grenzen sehr deutlich. "Du musst jetzt auch therapeutische Hilfe suchen", sagt sie dann. Ohnehin ist der Abschluss der Exerzitientage auch ein Vorbereitung auf die Rückkehr in den Alltag. Es gehe dann darum, ein Bild dieser Tage mitzunehmen und dafür einen Platz in seinem Leben zu finden: "Wo ist dort Raum für das hier Erlebte?" Und auch wenn sich die Klosterpforte hinter ihnen wieder schließt, kappt die Schwester die Verbindung nicht. Ihr Gebet  begleitet alle weiter. "Mit der Hoffnung, dass sie ihr Leben wieder lieben gelernt haben."

Aktuelle Termine: Exerzitien in Dinklage

Im aktuellen Programm der Benediktinerinnenabtei in Dinklage gibt es unterschiedliche Angebote für Kleingruppen, wie etwa die "Hinführung zum Jesusgebet" (28. März bis 3. April 2011), das "Ikonen-Schreiben" (9. bis 14. Mai 2011) oder die "Kontemplativen Exerzitien" (7. bis 13. November 2011). Auch in Einzelbegleitung sind Exerzitien nach vorheriger Absprache möglich.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterKlosterburg Dinklage - Benediktinische Tradition
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.abteiburgdinklage.de

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
06.03.2011

    1. Klosterburg Dinklage - Benediktinische Tradition

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