Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles  >  Aus den Regionen
11.12.2018
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Bruder Bruno.

"Jeder Anruf kann eine neue Freundschaft bedeuten oder eine alte vertiefen." Das sagt Bruder Bruno, hier im Kreuzgang des Kapuzinerklosters in Münster.

Bruder Bruno und die Künstler

Ein Urtyp als Gegenpol

Münster. Das erwartet man nicht. Wer den gemütlich lächelnden Kapuziner an der Pforte des Klosters in Münster trifft, denkt nicht an die große, weite Welt der Schauspieler und Sänger. Aber genau die kommen seit Jahren zu Bruder Bruno, um etwas zu finden, was es nur bei ihm gibt: einen Menschen, der völlig vorbehaltlos in die Situation hineingeht und die Stars und Sternchen so annimmt, wie sie sind.

Das hat ihn immer schon fasziniert, verrät er. Bereits in seiner Kinderzeit in Bad Säckingen in Südbaden. Wenn auf der Bühne in der Stadthalle Sänger oder Schauspieler auftraten, saß er nicht im Publikum, sondern stand am Bühnenausgang. "Um mir Autogramme zu holen." Egal von wem, egal wie berühmt, Hauptsache jemand von der großen Bühne in der Halle. "Sie waren etwas anderes, fielen aus dem Rahmen." Und haben ihm die kleine Welt des Orts nahe der Schweizer Grenze ein wenig geöffnet.

Auch heute blitzen seine Augen noch kindlich-schelmisch, wenn er von den vielen Kontakten erzählt, die er jetzt in der Künstlerszene hat. Ein klein wenig "Prominentenfieber" scheint geblieben zu sein. Auch wenn Bruder Bruno mittlerweile 64 Jahre alt ist und sich die Verhältnisse gewissermaßen gedreht haben. Heute klopft er nicht mehr an Türen und fragt nach Autogrammen. Heute rufen sie ihn an. Oder sie kommen und leben ein paar Tage mit ihm im Kapuzinerkloster.

Das Schelmische in seinen Augen ist ansteckend. Weil es so wunderbar ehrlich rüberkommt. "Bruno, du bist wie der Urtyp eines Mönchs", hat einmal ein Mitbruder zu ihm gesagt. "Wie Bruder Tuck von Robin Hood." Ganz und gar nicht aufgesetzt oder gar eitel. Wenn er seine große Brille zurecht schiebt, um hintergründig und zugleich verständnisvoll zu lächeln, dann nimmt man ihm das ab. Das ist echt. Und damit auch ein Gegenpol zu dem nicht selten Hochgespielten und Überdrehten in der Künstlerszene.

Ein echtes Gegengewicht. "Das suchen viele Künstler zu ihrem Leben." Gerade die Ruhe, die er mit seinem Klosterleben ausstrahle, werde von vielen dankbar bemerkt. "Sie leben in fast immer verzweckten Situationen, müssen so funktionieren, wie die Öffentlichkeit es will." Ein großer Druck, dem sie kaum entfliehen könnten. Wohl aber, wenn sie sich in den Kontakt mit ihm begäben. "Da gibt es keine Anforderungen – da treffen sie auf einen Menschen, der völlig vorbehaltlos in die Situation hineingeht."

Und sie treffen auf einen Kommunikationsliebhaber. Bruder Bruno hat fast immer an der Pforte gesessen. In seinen vielen Jahren in Rom, als er an der Klostertür der Zentrale des Weltordens der Kapuziner saß, genauso wie in seinen Jahren in den Klöstern in Frankfurt und Münster. Auch heute ist das sein "Revier". Jetzt mit schnurlosem Telefon in der Tasche und deshalb noch schneller erreichbar. "Immer und für jeden", sagt er. Und meint das auch so. "Denn das ist gerade bei Schauspielern und Sängern wichtig."

Er kennt ihre "Berg- und Talfahrten". Kennt ihre Tiefen, wenn sie lange keine Arrangements mehr hatten. Kennt die Selbstzweifel und Abstürze. Er kennt die Beziehungsprobleme, die durch ihr öffentliches Leben entstehen können. Er weiß von der Sehnsucht nach einer Tankstelle, wenn die Rastlosigkeit ihrer Arbeit sie überfordert. Und er weiß nur zu gut, dass auch die großen und kleinen Prominenten alle Menschen sind, die das ganze Spektrum menschlicher Sorgen und Fragen mit sich herumtragen. "Es sind ja keine Menschen von einem anderen Stern, auch wenn sie Stars sind."

Und eins ist ihm bei vielen Künstlern aufgefallen. "Sie haben ein Fabel für das Kirchliche." Bruder Bruno sieht durchaus eine "Seelenverwandtschaft" zwischen Theater und Bühne auf der einen Seite und Kirche und Liturgie auf der anderen. Weil es so viele Parallelen gebe: "Es geht hier und dort um Ausdruck, um Sprache, auch um Inszenierung." Gerade von der Liturgie und den Messgewändern fühlten sich viele Künstler angezogen.

Und so erzählt er von der Entwicklung in seinen Klosterjahren, als wenn es um eine Regieanweisung ginge. Als er Anfang der 1970er Jahre nach Münster gekommen sei, seien am Stadttheater einige religiöse Stücke im Programm gewesen. "Schauspieler und Regisseure fragten an, wie sie die Themen interpretieren sollten."

Verbindungen wuchsen, neue Kontakte entstanden. Und auch Freundschaften. Etwa die mit der Opernsängerin Dagmar Koller. "Sie konnte abends nicht in einem Restaurant essen gehen, weil sie dort ständig von Bewunderern bedrängt wurde." Also fragte sie ihren Regisseur, wo er denn abgestiegen sei. "Und der wohnte in dieser Zeit im Kapuzinerkloster und ließ sich von mir bekochen." Ein Tag später saß auch Dagmar Koller mit am Tisch.

"Das Essen war immer ein wichtiger Türöffner", erklärt Bruder Bruno. "Manchmal reichte es schon, wenn ein Schauspieler für einen Abend von mir bekocht wurde." Als gelernter Koch habe er schnell Hemmschwellen abbauen können. Etwa bei Günter Strack, der eigentlich nur anfragte, ob er für seine Rolle als Pfarrer in der Serie "Ein Herz und eine Seele" ein paar Ratschläge bekommen könne. "Er wollte wissen, wie es in einem Pfarrhaus zugeht." Es blieb nicht bei diesen Tipps. Eine echte Freundschaft entwickelte sich, die auch viel Ausdruck im gemeinsamen Kochen und Essen fand.

Solche Fähigkeiten sprachen sich herum. Nicht selten klingelte das Telefon, und Bruder Bruno musste erst einmal schlucken, weil sich wieder eine Größe der Musik- oder Schauspielwelt bei ihm meldete, mit der er nicht gerechnet hatte. Und immer wieder kamen sie mit ihren ganz eigenen Wünschen. "Der Serienstar wollte meditieren, der Schlagersänger einfach nur mal Ruhe, die Witwe des großen Schauspielers suchte Hilfe in der Trauer, der Regisseur ein Glaubensgespräch."

Auch der Wunsch nach einer Audienz beim Papst wurde nicht selten an ihn herangetragen. Durch seine vielen Beziehungen aus seiner Rom-Zeit konnte er häufig helfen. Erst kürzlich sei er mit der Sängerin Nicole in die Ewige Stadt geflogen. "Die vom Grand Prix – ein bisschen Frieden ..." Nach ein paar Tagen als Fremdenführer habe er ihr einen Platz bei einer Generalaudienz besorgt.

In der Szene, bei der er früher selbst anfragte, um ein Autogramm zu bekommen, ist Bruder Bruno heute selbst ein gefragter Mann. Er sei manchmal freudig erstaunt, wie intensiv sich Freundschaften entwickelten, sagt er. Bei der Feier zum 25-jährigen Bestehen der "Lindenstraße", bei der auch "Mutter Beimer" alias Marie-Luise Marjan ihren 70. Geburtstag feierte, war er mit Pater Erich Purk. "Im Habit und mit dem Segen zu Beginn der Feier – alle waren tief beeindruckt."

Ein Selbstläufer waren die vielen Freundschaften natürlich nicht. "Es musste einfach viel zusammenpassen." Er bringt viel dafür mit. Und ist dabei flexibel. "Weil die Künstlerszene sehr sprunghaft und flüchtig sein kann." So fährt er auch mal für zwei Tage nach Berlin, weil eine Fernsehmoderatorin ihn einlädt. Im Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest lernte er die Schauspielerin Jutta Speidel kennen. Und auch der englischen Musik-Größe "Sting" verhalf er zu einer Papst-Audienz. Allerdings ohne wirklich zu wissen, wen er dort im Hotel traf. "Ich hatte ja keine Ahnung, was für ein internationaler Star er ist."

Er macht das alles, ohne eine Gegenleistung einzufordern. Wenngleich die kommt. Viele Größen bedankten sich schon mit Gastauftritten in der kleinen Kapuzinerkirche. "Der TV-Star hält eine Lesung für einen guten Zweck, die Opernsängerin singt." Bruder Bruno aber sieht in der Bereicherung des klösterlichen Lebens das eigentliche Geschenk. "Oft bringen diese charismatischen Menschen in den Gespräche viel Reichtum hierher." Und nicht zuletzt auch viel Geselligkeit, sagt er. Und erinnert sich an so manchen Abend im Refektorium, wo "das Klavier herein gerollt wurde und bis zur späten Stunde Opernlieder gesungen wurden".

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
04.03.2011

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand