
Bei der Weseler Kreisdekanatsversammlung wurden vor allem die mehrfachen Fusionen in Dinslaken und Rheinhausen von den Pfarrei-Vertretern kritisiert.
Kreisdekanatsversammlung Wesel
Der Druck im Kessel und die Kräfte des Ehrenamts
Kreisdekanat Wesel. Unter großer Beteiligung von Delegierten der Pfarrgemeinden stellten Vertreter der Bistumsleitung am Montag (21.02.2011) in Xanten den Struktur- und Stellenplan für die Pfarreien im Kreisdekanat Wesel vor.
Mehr als 140 Frauen und Männer waren in die Michaelskapelle gekommen, um die Ausführungen von Regionalbischof Wilfried Theising, Generalvikar Norbert Kleyboldt, Domkapitular Hans-Bernd Köppen, Kreisdechant Stefan Sühling und Wilfried Renk, Leiter der Stabsstelle für Gemeindefusion, zu diskutieren.
Vertreter der Gemeinden mahnten die Bistumsleitung, mit den Kräften der Ehrenamtlichen sorgsamer umzugehen. "Wissen Sie, wie viel Kraft uns Ehrenamtliche die bisherigen Fusionen gekostet haben?", fragte eine Delegierte aus Duisburg-Rheinhausen. "Sie streichen uns die Räumlichkeiten, und wir sollen immer mehr leisten. Wo sollen wir denn die Katholiken hernehmen?" Dass sie vielen aus dem Herzen sprach, zeigte der anhaltende Applaus.
"Kleid ist zu weit geworden"
Zuvor hatte Generalvikar Kleyboldt die Notwendigkeit von Veränderungen erläutert. "Das Kleid, das wir uns gegeben haben, ist zu weit geworden", sagte er den Delegierten. Es müsse enger geschnitten werden. Dort, wo es in der Vergangenheit aufgrund von wachsenden Gemeinden und steigenden Katholikenzahlen zu personellen Aufstockungen und sogar einem zweiten Kirchenbau gekommen sei, entspräche dies heute häufig nicht mehr der Realität.
Es müsse angesichts drastischer Veränderungen zu einer Restrukturierung kommen, mahnte Kleyboldt. Erstmals gebe es im Bistum Münster jetzt einen Stellenplan, der verbindlich die Größen der Seelsorgeteams bis 2020 festlege. Das schaffe Vertrauen. Die Kombination von Struktur- und Stellenplan mache Aussagen darüber, welche "pastoralen Räume" in Zukunft mit wie viel hauptamtlichen Seelsorgern zu rechnen hätten.
Strukturdebatte zu einem Ende führen
Dieser neue Struktur- und Stellenplan hat das Ziel, die Strukturdebatte zu einem Ende zu führen. Nachdem dieser bereits im Diözesan- und Priesterrat sowie in der Dechantenkonferenz erörtert worden ist, wird er jetzt den Vertretern der Gemeinden im Rahmen eines Anhörungsverfahrens vorgestellt. Die Gemeinden sollen in den kommenden acht Wochen Rücksprache mit der Bistumsleitung suchen, um problematische Entscheidungen zu diskutieren.
Kleyboldt machte jedoch auch darauf aufmerksam, dass es nach der Diskussion in den Mitwirkungsgremien wenig Spielraum für grundsätzliche Änderungen gebe. Im Herbst 2011 werde der Bischof den Stellenplan in Kraft setzen. Die Pfarreistrukturen würden bis 2015 festgezurrt. "Damit haben wir den Druck aus dem Kessel genommen", sagte Regionalbischof Theising. Nach seiner Meinung ist das eine gute Zeitspanne. "Wir sollen nicht trödeln, müssen aber auch keine Sorge haben, zu schnell entscheiden zu müssen", sagte er.
Kommunale Grenze Richtschnur
In Zukunft wird es im Kreisdekanat Wesel 18 pastorale Räume geben. Die Richtschnur sei die kommunale Grenze, sagte Regionalbischof Theising. Je eine Einheit bilden rechtsrheinisch in Zukunft die Räume Dinslaken, Hamminkeln, Hünxe, Schermbeck, Voerde, Wesel und Duisburg-Walsum. Linksrheinisch gibt es weitere Einheiten mit den Duisburger Stadtteilen Homberg, Rheinhausen und Rumeln-Kaldenhausen sowie Alpen (geplant mit Wesel-Büderich, Wesel-Ginderich und Alpen-Menzelen-Ost), Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Rheinberg, Sonsbeck und Xanten.
Veränderungen sind vorgesehen in Dinslaken, Walsum, Voerde, Rheinhausen, Rumeln-Kaldenhausen, Hamminkeln, Alpen, Rheinberg und Wesel. Dort werden Gemeinden zusammengelegt. Zum Teil finden, wie beispielsweise in Dinslaken, wo es bereits Fusionen gegeben hat, noch einmal Zusammenlegungen statt.
Dinslakener Stadtpfarre mit rund 24.000 Katholiken
In der neuen Dinslakener Stadtpfarre gibt es dann 23.956 Gläubige; dicht gefolgt von Wesel. Dort werden 23.164 Gläubige eine Gemeinde bilden. Vor allem die mehrfachen Fusionen in Dinslaken und Rheinhausen wurden von den Vertretern kritisiert. Sie forderten ein größeres Verständnis für das Kräftepotenzial von Ehrenamtlichen. Sie wollten ja durchaus verantwortlich an der neuen Struktur mitarbeiten, sagten Vertreter aus den Gemeinden. Sie forderten jedoch, bei grundsätzlichen Entscheidungen über die zukünftige Gemeindestruktur früher mitgenommen zu werden. Kleyboldt bot an, im Gespräch miteinander Lösungen zu finden. Nur so könne die Zukunft gemeinsam gestaltet werden.
Unverändert bleiben Hünxe, Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn, Schermbeck, Sonsbeck und Xanten. Eine Ausnahme bildet Marienthal (Hamminkeln). Die Gemeinde bleibt selbstständig, weil die Karmeliter die Seelsorge weiterhin für das geistliche Zentrum übernehmen. Die Gläubigen in Büderich, Ginderich und Menzelen-Ost können entscheiden, ob sie zu Alpen oder zur Großgemeinde in Wesel gehören wollen.
Demografische Veränderungen
Domkapitular Köppen begründete die notwendigen Entscheidungen mit dem demografischen Faktor. Ein Blick auf die vergangene Entwicklung lässt nach seiner Ansicht wenig Optimismus zu. Die älter werdende Bevölkerung, die niedrigen Geburtenraten, die steigende Zahl der Kirchenaustritte, die sinkende Zahl der Gottesdienstbesucher, Taufen und Trauungen sowie die zurückgehende Anzahl von Priesterweihen seien klare Indizien, dass sich das Verständnis als Kirche der Institutionen ändern müsse.
"Wir können mit dem vorhandenen Personal nicht mehr alle Einrichtungen personell versorgen", sagte Köppen. Er wies jedoch den Vorwurf, die Veränderungen seien einzig und allein auf der Basis einer priesterzentrierten Pastoral entschieden worden, energisch zurück. Gerade der drastische Rückgang von Katholiken mache eine veränderte Pastoral notwendiger denn je.
Sicherheit für die nächsten Jahre
Köppen warb für eine stärkere Vernetzung in der Seelsorge sowie für die Einbeziehung der Ehrenamtlichen. Am Beispiel der Krankenseelsorge machte er das deutlich. Es könne in Zukunft nicht in jedem Fall eine Stelle für einen Krankenseelsorger ausgewiesen werden. Die Sorge um die Kranken müsse aber auf jeden Fall unverzichtbarer Bestandteil der Gemeindeseelsorge bleiben. Krankenseelsorge müsse deshalb aus der Gemeinde heraus geleistet werden.
Nach der Ansicht von Köppen gibt der Stellenplan eine Sicherheit für die nächsten Jahre. Wobei er immer nur über das Personal verfügen könne, das er habe. Köppen machte deutlich, dass es aufgrund dieses Stellenplans keine plötzlichen Versetzungen gebe. Geplant sei, angedachte Veränderungen nach und nach umzusetzen.
Kreisdechant Stefan Sühling, Weihbischof Wilfried Theising und Generalvikar Norbert Kleyboldt stellten den neuen Struktur- und Stellenplan in Xanten vor. |
Pfarrei und Gemeinde vor Ort
Grundlage der strukturellen Überlegungen ist der pastorale Raum, der in der Regel von einer Pfarrei gebildet und einem Pfarrer geleitet wird. Die Bildung des pastoralen Raums soll bis zum Jahr 2015 abgeschlossen sein. Neben den Pfarreien kann es nach der Aussage Köppens auch verschiedene Orte und Gruppen lebendigen Glaubens geben wie zum Beispiel Gemeinde vor Ort, kirchliche Einrichtungen, Glaubensgruppen oder christliche Gemeinschaften.
Einen solchen Ort nannte Köppen Gemeinde. In einer Pfarrei kann es nach den Überlegungen von Köppen durchaus verschiedene Gemeinden geben. Nach seiner Definition ist eine Gemeinde eine pastorale und soziale Gemeinschaft von Glaubenden vor Ort. Köppen hofft, dass die strukturellen Veränderungen helfen, sich wieder zu einer missionarischen Kirche zu entwickeln und auf diese Weise den Abwärtstrend zu stoppen.
Visionen und Zukunftsvorstellungen
Sowohl Köppen wie der Generalvikar machten deutlich, dass die personellen wie strukturellen Überlegungen die Voraussetzungen schaffen sollten, pastorale Konzepte in den Pfarreien entwickeln zu können, um so die Seelsorge zu gestalten. Dabei solle man von der Analyse der Situation ausgehen und Visionen und Zukunftsvorstellungen entwickeln. Dann könnten konkrete Fragen wie zum Beispiel die Förderung des Ehrenamts, die Absprache von Gottesdienstzeiten, die Profilierung des Pfarrbüros und die Notwendigkeit von Immobilienfragen geklärt werden.
Sühling wirbt für Stellenplan
Kreisdechant Stefan Sühling sieht in dem neuen Stellenplan einen ganz entscheidenden Vorteil: "Die Vielfalt unseres personalen Angebotes wird zunehmen. Je größer die Pfarrei, desto größer die Anzahl der Begabungen und Fähigkeiten, die in einem Seelsorgeteam vertreten sind. Nicht jeder kann mit kleinen Kindern oder alten Menschen umgehen. Die Pastoralreferentin hat vielleicht ein Händchen für die offene Jugendarbeit, während der Kaplan sich gerne mit den Messdienern dem liturgischen Dienst widmet. Der Vicarius Cooperator (mitarbeitender Pfarrer) ist möglicherweise der ideale Präses der KAB, und der leitende Pfarrer kann sich vielleicht tatsächlich auch wieder seelsorglichen Gesprächen widmen, weil er von anderen Aufgaben entlastet ist."
Auch wenn die neuen Strukturen in letzter Konsequenz erst Ende 2015 realisiert werden, wird der damit verbundene Stellenplan schon nach und nach umgesetzt werden. Mit diesen Planungen will das Bistum Planungssicherheit schaffen für die Gemeinden. "In Zukunft sollen frei werdende Stellen im Bistum intern ausgeschrieben werden, so dass jeder die Möglichkeit hat, sich auf interessante Stellen auch zu bewerben", sagte Sühling.
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Text: Jürgen Kappel | Fotos: Jürgen Kappel
22.02.2011
Hildegard von Bingen
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen ist von Papst Benedikt XVI. zur Heiligen der Universalkirche erhoben worden.
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