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16.12.2018
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Pater Josef Huynh Cong Hanh.

Eine Foto-Wand im alten Missionshaus der Steyler Missionare dokumentiert die Treffen und Feiern der vietnamesischen Katholiken, für die Pater Josef Huynh Cong Hanh seit 15 Jahren als Seelsorger zuständig ist.

Pater Josef Huynh Cong Hanh aus St. Arnold

Vom Flüchtling zum Steyler Missionar

Neuenkirchen. Er ist der letzte Steyler Missionar in St. Arnold bei Neuenkirchen und er hat eine besondere Aufgabe: Pater Josef Huynh Cong Hanh ist zuständig für die Seelsorge seiner vietnamesischen Landsleute in den Diözesen Münster und Osnabrück.

Der schlichte gelbe Klinkerbau liegt ein wenig abgerückt von der Straße am Rand des Neuenkirchener Ortsteils St. Arnold. Im Erdgeschoss eine Kapelle, oben Wohnräume und ein Seminarraum. In diesem ehemaligen Schwesternhaus ist das Refugium des Steyler Missionars Pater Josef Huynh Cong Hanh. Vorher lebte er mit seinen Ordensbrüdern in dem inzwischen leer stehenden Steyler Missionshaus nebenan. Ende 2002 zog er um in das ebenfalls unbewohnte Schwesternhaus. "Ich wohne zwar allein in dem großen Gebäude", sagt er, "aber einsam fühle ich mich nicht." Warum auch? Schließlich ist dieses Haus gleichzeitig Zentrum und Begegnungsstätte der vietnamesischen Katholiken der Diözesen Münster und Osnabrück.

Mehr als 1.500 vietnamesische Christen leben in den beiden Bistümern. Irgendwo "verstreut" zwischen Norden, Recklinghausen, Wilhelmshaven und Beckum. Pater Hanh ist ihr Seelsorger, Ansprechpartner und Betreuer. "Nächstes Wochenende kommen zum Beispiel 20 vietnamesische Gemeindevertreter", erzählt er.

Diese Treffen unter Landsleuten sind vergleichbar mit den Pfarrgemeinderatssitzungen der Pfarreien. Nur mit dem Unterschied, dass die Vietnamesen in verschiedenen Orten wohnen. Deshalb gestaltet der Priester die Zusammenkünfte als Wochenendseminare. Nach diesem Schema organisiert er ebenfalls Vorbereitungskurse für Firmlinge, Katecheten und Brautleute sowie andere Veranstaltungen.

Und im zweijährigen Rhythmus reisen die vietnamesischen Katholiken nach St. Arnold, wo sie Ostern oder Fronleichnam gemeinsam feiern. Außerdem pilgern sie an jedem zweiten Samstag im September zu ihrer Begegnungsstätte, um das Patronatsfest zu feiern, das eigentlich am 24. November ist. "Wir haben es vorverlegt, weil im November die Wetterverhältnisse oft so schlecht sind", erklärt der Geistliche. Wer allerdings glaubt, dass sich Pater Hanhs Wirken auf diese Treffen und Feiern in St. Arnold beschränkt, der irrt. Der 50-Jährige ist ständig auf Achse, sodass es gar nicht einfach ist, ihn in seiner Wohnung zu erreichen. Wann immer es seine Zeit erlaubt, setzt er sich in sein Auto und fährt kreuz und quer durch die Bistümer zu "seinen Schäfchen". "Für mich ist es interessant, zu meinen Landsleuten zu reisen", hat er festgestellt. Die mitunter recht weiten Anfahrten machen ihm nichts aus.

Pater Hanh besucht sie gern, die Menschen aus seiner Heimat. "Wenn ich mit meinen Landsleuten den Gottesdienst feiere, hören sie die Botschaft Gottes in ihrer Muttersprache. Besonders die älteren Leute  empfinden das als eine Art Begegnung mit ihrer Heimat."

Dem Steyler Missionar ist es ein Anliegen, dass seine Landsleute durch diese Gottesdienste Kraft tanken und Impulse für ihre Teilnahme an den "deutschen" Messfeiern bekommen. Denn viele vietnamesische Katholiken bringen sich auch aktiv in die Pfarrgemeinden ihres Wohnorts ein. Sie engagieren sich in den Pfarrgemeinderäten, in der Katechese oder leiten Messdienergruppen. Auch diese Initiative möchte der Priester fördern.

Seit 31 Jahren lebt Pater Hanh in Europa. Als 19-Jähriger flüchtete er aus Vietnam, weil er katholischer Priester werden wollte. Bei den politischen Verhältnissen in seiner Heimat aber hatte er keine Chance, sein Ziel zu verwirklichen. Er erzählt von seiner dramatischen Flucht, die am 8. September 1979 vor der südvietnamesischen Küste in einem kleinen Boot begann. Tagelang trieben die "Boatpeople" auf dem Chinesischen Meer, bis ein niederländisches Frachtschiff die 160 Flüchtlinge aufnahm und zunächst nach Hongkong brachte.

Ohne Gottvertrauen, davon ist der Pater überzeugt, hätte er das alles nicht durchgestanden. "Wer sich zwischen Leben und Tod bewegt, der ruft nur noch zu Gott, das habe ich während dieser Flucht erfahren", sagt er. Nach 40 Tagen Aufenthalt in Hongkong brachte ein Flugzeug die Vietnamflüchtlinge in die Niederlande. Sechs Jahre lebte Hanh Huynh Cong dort. 1985 trat er in die Steyler Mission ein. In St. Augustin bei Bonn studierte er Theologie. Der Bischof von Mainz, Kardinal Karl Lehmann, weihte ihn am 20. April 1992 zum Priester.

Während seiner zweijährigen Zeit als Kaplan in Goch am Niederrhein kam Pater Hanh mit einem Seelsorger der vietnamesischen Katholiken ins Gespräch. "Das war ein älterer Pfarrer, der für vier Bistümer zuständig war", erinnert er sich. Dieses Gespräch war der Auslöser für Pater Hanhs  heutiges Wirken. 1994 ernannten die Diözesanbischöfe von Münster und Osnabrück ihn zum "Betreuer der vietnamesischen Katholiken" in diesen beiden Bistümern.

"Es war immer mein Wunsch, Priester zu werden. Dass ich obendrein Priester für meine vietnamesischen Landsleute sein darf, war eine Fügung Gottes. Darüber bin ich sehr glücklich", sagt Pater Hanh.

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Text: Irmgard Tappe | Foto: Irmgard Tappe in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
24.01.2011

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