
In diesem Jahr ist die Krippe in der St.-Franziskus-Kirche wieder im westfälischen Stil aufgebaut.
Die Krippe in der St.-Franziskus-Kirche
Betlehem auf 50 Quadratmetern
Recklinghausen-Stuckenbusch. Das Weihnachtsgeschehen als Krippe darzustellen geht auf den heiligen Franziskus von Assisi zurück. Dieser Tradition fühlen sich Mitglieder von St. Franziskus in Recklinghausen-Stuckenbusch bis heute verpflichtet.
Obwohl die St.-Franziskus-Kirche in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert, gibt es bereits eine 110-jährige Krippentradition. Denn schon in ihrer Notkirche von 1901 bauten die Franziskaner eine Krippe auf. "Die ersten Figuren waren wahrscheinlich aus Wachs gestaltet", erzählt Christiane Lück. Sie gehört zum 15-köpfigen Krippenteam von St. Franziskus in Recklinghausen-Stuckenbusch, das sich jedes Jahr um den aufwändigen Aufbau kümmert. Da es auch viele körperlich anstrengende Arbeiten gibt, hat sich das Kern-Team Verstärkung geholt. "Wir konnten ein paar Väter von Schulkindern dazu gewinnen, uns zu unterstützen", sagt Lück, "denn das Durchschnittsalter beträgt inzwischen 80 Jahre."
1911 wurde die jetzige Kirche fertig gestellt, und einige der älteren Gemeindemitglieder erinnern sich noch gut an die Krippe, die vom Hochaltar aus gestaltet war. "Es gab ein künstlerisch gestaltetes Tuch, das eine Gebirgslandschaft mit Hirten und Schafen darstellte. Ich kann mich an einen Wasserfall erinnern. Man hörte es plätschern", berichtet Werner Gerbracht, Jahrgang 1925. Auch heute ist das Geräusch von einem Bachlauf in der Krippenlandschaft zu vernehmen.
1969 haben die Franziskaner Stuckenbusch verlassen. Seitdem wird die Krippenlandschaft so aufgebaut, wie sie auch heute zu sehen ist. Auf 50 Quadratmetern stellen 23 Figuren das weihnachtliche Geschehen dar. Bis zu drei Tonnen Sand verarbeiten die Krippenbauer. Ebenso werden bis zu zehn Quadratmeter Rasen für die Gestaltung abgestochen – "teilweise sogar mit Gänseblümchen". Die trockenen Ausstattungsutensilien wie Wurzeln oder Zweige werden in einem Schuppen das Jahr über gelagert. "Und die Bäume spenden uns Gemeindemitglieder", freut sich Lück über den Rückhalt in der Gemeinde.
Dass so ein Aufbau nicht an einem Wochenende zu bewerkstelligen ist, wird deutlich. Bereits Anfang Dezember machen sich die fleißigen Aufbauer ans Werk. Manche Anordnung steht fest, anderes wird improvisiert. "Es gibt zwei Kulissen, die der inzwischen verstorbene Künstler Willi Nitzbon gestaltet hat. Ein Hintergrund ist orientalisch, der andere westfälisch-sauerländisch", berichtet Lück, die für die Feinarbeiten zuständig ist. Im zweijährigen Turnus wechselt nicht nur der Hintergrund der Krippe, auch die Figuren erhalten andere Kleider. In diesem Jahr ist die Krippe – wie im vergangenen Jahr – westfälisch geprägt. Da hat der heilige Franziskus, der mit den Tieren spricht, seinen Platz, der Fuchs lebt in Eintracht neben der Gans, und der Hund lässt die Schafe gewähren, die sich auf den Weg zum Stall machen. Idylle pur.
Die Idee, eine westfälische Krippe aufzubauen, holten sich die Aktiven in Soest. "Allerdings mussten wir große Häuser fertigen, da wir große Figuren hatten. Eigentlich hätten wir lieber mehrere kleine Häuser aufgestellt", sagt Gerbracht. Er selbst hat eines der Fachwerkhäuser gebaut. Eine Gruppe der katholischen Frauengemeinschaft (KFD) machte sich ans Werk, um entsprechende Kleider für die Figuren zu nähen. "Allerdings darf die Kleidung nicht sauber sein, denn Maria und Josef sind durchs Gebirge gewandert, bevor sie im Stall ankamen", klärt die 49-Jährige mit Blick auf die Details auf. Kommen am 6. Januar die Heiligen Drei Könige zum Stall, erhält das Christkind ein prächtiges Gewand.
"Wir möchten mit unserer Krippe die Erinnerung an das Wirken der Franziskaner in Stuckenbusch erhalten", sagt Lück. Täglich ist die Krippe zu besichtigen, und viele Engagierte aus dem Aufbauteam sind als Krippenwächter tätig. Pfarrsekretärin Gerda Nowak gehört auch dazu. "Das ist für uns Frauen eine gute Möglichkeit, uns zu engagieren. Beim Aufbau gibt es viele Arbeiten, die für uns zu schwer sind", sagt sie. Außerdem mache es Freude, so viel positive Resonanz zur Krippe zu erhalten.
"Die Rückmeldungen aus Gesprächen mit Besuchern motivieren mich jedes Jahr wieder, diese Arbeit zu machen", betont Lück. Viele Besucher kommen seit Generationen zur Krippe. Auch zahlreiche Schulklassen oder Gruppen aus Kindergärten nutzten die Krippe für einen Ausflug. "Manche feiern eine Andacht vor der Krippe", freut sich Lück.
Jeden Sonntag gibt es um 17 Uhr ein weihnachtliches Chorkonzert. Bis zum 30. Januar 2011 kann die Krippe täglich zwischen 10 und 18 Uhr – außer während der Gottesdienstzeiten – besucht werden.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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10.01.2011
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