
Die große Krippe in St. Heinrich in Reken mit einer franziskanischen Figur auf der Treppe und dem Verkündigungsengel am Ambo.
Krippendarstellung mit mittelalterlich-theatralischen Kern
Franziskanische Aufführung
Reken. In vielen Kirchen werden die Gedanken des heiligen Franziskus zur Weihnachtszeit lebendig, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Die Krippendarstellungen folgen einer Tradition, die sich aus der Idee des Heiligen im Mittelalter entwickelte: Nachvollziehbar, lebendig und gefühlsbetont sollte die Weihnachtsdarstellung werden.
In St. Heinrich in Reken kann man erst kurz vor Weihnachten aktiv werden. Denn die Krippe, die in den letzten Tagen vor Heiligabend entsteht, nimmt fast den ganzen Altarraum ein und würde sonst die Adventsgottesdienste stören. Die "Krippengruppe" rund um Walburga Eming hat sich dieser Aufgabe verschrieben, auch nach dem Tod ihres ehemaligen Pfarrers Michael Schönherr, der die Idee zu dieser Form des Aufbaus in den 1980er Jahren mit in die Gemeinde brachte.
"Es lag ihm am Herzen, die Darstellung großflächig rund um den Altar aufzustellen", erinnert sich Küster Theo Herhues. "Wir haben manchmal bis in die Morgenstunden gebastelt und gebaut." Immer seien aktuelle Themen und Figuren hinzugekommen. So viel, dass am Ende auf den Treppen nur noch ein schmaler Gang zum Altar frei blieb. Und immer sei das Dargestellte Thema in den Predigten des Geistlichen gewesen, erinnert sich Herhues. Etwa wenn "die ganze Treppe mit Sand in eine Wüste verwandelt wurde" oder "Maria mit einem großen Herzen drumherum" dargestellt worden war.
Heute erkennt man noch an vielen Ecken die Handschrift Schönherrs, wenn die Frauen der "Krippengruppe" die Stufen mit Stoffen dekorieren, das Laub und Moos zwischen den Häuschen verteilen oder mit Efeu den Krippenstall verschönern. "Dass all dem ein franziskanischer Gedanke zugrunde liegt, war uns nie bewusst", sagt Walburga Eming. Wohl aber, dass die Krippe im Gottesdienst präsent ist, weil man gar nicht um sie herumkommt. So schwebt der Verkündigungsengel vor dem Ambo oder ein König nähert sich vom Tabernakel dem Geschehen. Zudem gibt es ein ganz deutliches Zeichen, dass Franziskus den Anstoß zu solch einem Aufbau gab: Zwischen den leuchtenden Weihnachtssternen steht auch eine Figur in franziskanischer Ordenstracht.
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Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte in
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