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21.05.2012
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Weihbischof Heinrich Timmerevers.

Weihbischof Heinrich Timmerevers bei einem Firmgottesdienst.

Weihbischof Timmerevers im Rückblick auf das abgelaufene Jahr

Was eine dienende Kirche ausstrahlt

Oldenburger Land. Wie hat Weihbischof Heinrich Timmerevers das vergangene Jahr erlebt? Welche Begegnungen sind ihm besonders in Erinnerung geblieben? Wo sieht er Zeichen der Hoffnung? Was hat ihn bewegt? Kirche+Leben hat er auch erzählt, warum es gerade Menschen und Gesichter sind, die ihn besonders beeindruckt haben.

Kirche+Leben: Herr Weihbischof, bei Ihren offiziellen Reisen durch das Oldenburger Land, bei Visitationen und Firmungen, begegnen Sie Hunderten Menschen. Sind Ihnen dieses Jahr einige besonders in Erinnerung geblieben?

Weihbischof Timmerevers: Wenn ich an beeindruckende Menschen denke im zurückliegenden Jahr, dann kommen mir losgelöst von bischöflichen Visitationen und von allem Offiziellen vor allem drei besondere Begegnungen in den Sinn.

Mir steht da zunächst eine Mutter vor Augen, die an der Messdienerwallfahrt nach Rom teilgenommen hat und Messdiener aus Wilhelmshaven begleitete. Sie bedankte sich am Ende der Wallfahrt bei mir für dieses schöne Erlebnis: dass die Gruppe aus Wilhelmshaven und Umgebung in einem Doppeldeckerbus mit 90 Jugendlichen in Rom eine Gemeinschaft des Glaubens erleben konnte, dass das überhaupt möglich wurde. Diese frohe und dankbare Mutter habe ich im Rückblick vor Augen, das ist ein Gesicht.

Das zweite Gesicht ist ein völlig anderes, das Gesicht eines Jugendlichen. Er saß mir am Abend der Versöhnung vor einer Firmung gegenüber und ich fragte ihn: Bedeutet Dir Jesus etwas? Seine Antwort kam sofort und ganz klar: Jesus ist für mich der Schlüssel zum Himmel. Diese Antwort hat mich sehr bewegt und angerührt – weil das eine sehr starke Aussage für einen Jugendlichen ist. Es war nicht einfach eine Formel, die ich irgendwo schon einmal gelesen hätte. Wir haben dann noch kurz darüber gesprochen, was er mit diesem Bild verbindet. Das war einfach beeindruckend. Auch dieses Gesicht steht mir heute noch vor Augen. Und ein drittes: Da hatte ich Menschen mit Behinderung die Firmung gespendet. Anschließend stand ich vor einem Behinderten im Rollstuhl, der ganz außer sich war und mit größter Begeisterung Danke sagte. Er wollte mich in den Arm nehmen, was dann auch geschehen ist. Auch dieses Gesicht steht mir jetzt noch vor Augen.

Kirche+Leben: Sie besuchen im Oldenburger Land auch klassische Einrichtungen der Kirche wie Krankenhäuser oder ähnliches.

Timmerevers: Natürlich. Aber die werden im eigentlichen Sinn ja erst lebendig durch die Menschen, die sich dort einsetzen. Da hat bei mir der Caritasverband in der Wesermarsch einen ganz starken Eindruck hinterlassen. Dort sind offensichtlich viele Dienste gewachsen, rund um das Haus der Caritas in Brake und den Kreis-Caritasverband. Nach meinem Eindruck setzen sich dort sehr viele Ehrenamtliche für andere ein. Und das unter den schwierigen Bedingungen der Diaspora, wo wir als Christen und Katholiken in der Minderheit leben!

Mir wurde sofort klar: Wo die Menschen Kirche präsent machen im Liebesdienst für andere, da setzen sie ein starkes und kraftvolles Zeichen für Christus. Ich habe in der Wesermarsch erneut gemerkt, was eine dienende Kirche ausstrahlen kann.

Kirche+Leben: Als Mitglied einer Kommission der Bischofskonferenz haben Sie dieses Jahr Südamerika besucht. Welchen Eindruck haben Sie von der Kirche dort gewonnen?

Timmerevers: Besonders beeindruckend war die Begegnung mit dem Erzbischof von Caracas in Venezuela, Kardinal Urosa Savino. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker des amtierenden Präsidenten Hugo Chavez. Mich hat besonders beeindruckt, mit welch innerer Freiheit und tiefen Betroffenheit er sich der Lage in seiner Heimat stellt, in einem Land, das der Präsident mit allen Mitteln zu einem sozialistischen Staat umformen will. Ein Bischof, der für die Kirche unter Bedrängnissen leidet – das war ein sehr beeindruckender Augenblick.

Bewegend war auch mein Besuch bei Bischof Bernardo Bahlmann aus unserer oldenburgischen Heimat, aus Visbek. Es war schön zu sehen, wie er in seiner Prälatur Obidos in Brasilien Fuß gefasst hat und auch fest steht. Ich habe mit ihm eine Basisgemeinde besucht und miterlebt, wie er dort geschätzt wird für seine Gabe, den Armen das Evangelium zu verkünden.

Kirche+Leben: Sie haben am ersten Adventssonntag  in der Pfarrkirche von Goldenstedt mit dem evangelischen Landesbischof das Kirchenjahr mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet. Welche Fortschritte für das Zusammenleben mit evangelischen Christen sehen Sie danach?

Timmerevers: Der zweite ökumenische Gottesdienst zur Eröffnung des Kirchenjahres war ein gutes Ereignis. Besonders beeindruckt bin ich, dass die beiden Gemeinden vor Ort den Gottesdienst mit großer Freude und Energie vorbereitet haben, jede mit ihren ganz unterschiedlichen Begabungen. Deshalb war es auch ein atmosphärisch beeindruckender und geistvoller Gottesdienst. Ich habe ihn als frohmachend und ermutigend empfunden, und ich wünsche mir, dass er zu einer guten Tradition wird. Denn so kann er auch Anstöße geben, dass einzelne Gemeinden im Oldenburger Land Ähnliches beginnen und sich ebenfalls gemeinsam auf den Weg machen. Ich freue mich schon auf den Eröffnungsgottesdienst im kommenden Jahr: Er findet dann in der evangelischen Kirche Sankt Johannes in Bad Zwischenahn statt.

Kirche+Leben: Wenn man den Wallfahrtsort Bethen besucht, ist der erste Eindruck: Da hat sich einiges verändert.

Timmerevers: Ich empfinde den Wallfahrtsort Bethen als entschieden belebt. Das ist sicher auch ein Verdienst des Wallfahrtsrektors, Monsignore Dr. Költgen, mitsamt seiner Gemeinde. Er ist sehr bestrebt, Pilger nach Bethen einzuladen, Einzelne wie auch Gruppen. Nach meinem Eindruck ist die Zahl der Pilger nach Bethen auch gestiegen. Unser neues Pilgerzentrum Maria Einkehr trägt sicher dazu bei.

Ich bin zudem dankbar, dass wir mit Pfarrer Wolfgang Spindelmann einen zusätzlichen Seelsorger gewinnen konnten. Er übernimmt in Bethen besondere geistliche Aufgaben, ist also befreit von Verwaltungsaufgaben, die zum Alltag einer Pfarrgemeinde gehören. Er wird vor allem im Rahmen der Wallfahrten den Gläubigen das Angebot machen, sich intensiv geistlich begleiten zu lassen. Er steht bereit für Gespräche und auch für die Spendung des Bußsakramentes.

Kirche+Leben: Die Region ist im Herbst von einem heftigen Arbeitskampf erschüttert worden; viele Mitarbeiter der Atlas-Standorte Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta haben dort für einen Tarifvertrag gestreikt. Vor dem Werkstor in Ganderkesee gab es einen ökumenischen Gottesdienst. Wo sehen Sie den Ort der Kirche in einem solchen Konflikt?

Timmerevers: Nun, ich kenne sicher nicht alle Details dieses Konflikts. Aber es geht da um sehr grundsätzliche Fragen. Christen sowie die Kirche insgesamt müssen immer hervorheben, dass das unternehmerische Kapital nicht für sich allein stehen darf und sich einfach nur vermehrt. Sondern es muss immer auch den Menschen in den Blick nehmen. Das ist der Kern christlicher Gesellschaftslehre! Letztlich muss das Kapital dem Menschen dienen, in Kapital und Reichtum liegt somit eine große Verantwortung.

In der konkreten Situation kann die Kirche, und dazu diente auch der Gottesdienst in Ganderkesee, dazu beitragen, dass das Gespräch der Beteiligten nicht abreißt und damit der Konflikt ausweglos wird.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Weihbischof Heinrich Timmerevers
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Interview: Franz Josef Scheeben | Foto: Archiv in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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