
Die geflochtene Papierkrippe von Ursula Meßner wurde mit dem Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis 2010 für vorbildliches Krippenschaffen ausgezeichnet.
Ursula Meßner hat eine Krippe aus Papierstreifen geflochten
Christi Geburt strahlt auf alle aus
Nordkirchen-Capelle. Design aus Abfällen – das interessiert Ursula Meßner. Die 71-Jährige hat eine Krippe aus Papierstäbchen erstellt. Die Idee, Gegenstände aus diesem Material zu flechten, hat sie aus Brasilien mitgebracht.
Ihre Krippe steht unter der Überschrift "Jesus berührt alle Menschen". "Deshalb habe ich auch die Frauen am Brunnen und die häusliche Szene in die Krippenlandschaft aufgenommen", berichtet Ursula Meßner. Ihr ungewöhnliches Material: Zeitungspapier. "In meine Krippe habe ich damit im übertragenen Sinn die 'Zeit' hinein genommen", sagt die kreative Rentnerin.
Wunderbar findet sie das Geschehen an Weihnachten. "Gott ist als Mensch zu uns gekommen. Er gibt uns Geborgenheit. Ohne ihn gäbe es keinen Sinn in unserem Leben. Weihnachten ist für alles der Anfang", sagt sie.
Seit sieben Jahren lebt Ursula Meßner wieder in Capelle. Die gebürtige Schlesierin ist in den 1970er Jahren mit ihrer Mutter in den Nordkirchener Ortsteil gezogen. Doch die meiste Zeit ihres Lebens war Meßner in der Welt unterwegs. Bereits 1967 ging die gelernte staatlich geprüfte Hauswirtschafterin als Entwicklungshelferin für drei Jahre nach Tansania.
Später arbeitete sie insgesamt 33 Jahre für SOS-Kinderdorf. Acht Jahre in Ägypten und 23 Jahre in Brasilien bildete sie für die Kinderdörfer die Mütter aus, die später in einer Gemeinschaft mit sechs ihr anvertrauten Kindern und Jugendlichen leben. 2003 zog sie wieder in das Haus in Capelle, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnt hatte. "Ich habe lange überlegt, ob ich mit dem deutschen Winter klarkomme. Zwar fehlt mir die Sonne. Aber ich habe mich schnell eingelebt", sagt die 71-Jährige. Auch in der Gemeinde ist sie aktiv. "Ohne meine Religion hätte ich die Arbeit in Brasilien nicht machen können. Diesen tiefen Glauben hat mir meine Mutter vermittelt. Darüber bin ich sehr glücklich."
Eines der Hobbys von Ursula Meßner ist das Basteln. "Aber ich arbeite nur mit Abfall", betont sie. Das hat Meßner in Brasilien gelernt. Und so sind ihre Materialien Wachsreste, gebrauchtes Geschenkpapier und Zeitungen. Vor allem die Arbeit mit diesen macht ihr Spaß. "Ich habe nur Kirche+Leben abonniert. Aber es gibt viele kostenlose Zeitungen und Werbeprospekte. Diese sammele ich und verarbeite sie", berichtet die passionierte Buchleserin.
Was kaum jemand glauben mag: Aus gerollten Papierstäben entstehen unter ihren Händen die unterschiedlichsten Gegenstände: Spielzeug, Sterne, Figuren, Körbe. "Man kann wahnsinnig viel machen. Papier ist ein unglaublich stabiles Material. In Brasilien werden Körbe ausschließlich aus Papier geflochten", schwärmt sie. In ihrem Haushalt finden sich zahlreiche Beispiele. "Für den Hausgebrauch mache ich fast alles aus diesem Material." Ihre kleinen Kunstwerke aus Papier und aus Wachs verschenkt oder verkauft sie. Mit dem Geld unterstützt sie in Djombe in Tansania eine Schule für 400 Mädchen, die von Missionsbenediktinerinnen geleitet wird.
Eines Tags kam sie auf die Idee, eine Krippe in ihrer Flechttechnik zu erstellen und sich für die Krippenausstellung im Heimathaus Telgte zu bewerben. Vor fünf Jahren hatte sie erstmals dort ihr Engelorchester ausgestellt. "Die Figuren waren ebenfalls aus Papierstäbchen erstellt, aber mit einer anderen Technik. Jetzt sind alle 50 Teile der Krippe aus Papier geflochten", berichtet sie.
Die Arbeit sei eine große Herausforderung gewesen, "besonders die Tiere". Wenn Meßner Zeit hatte, hat sie sich in ihr Wohnzimmer gesetzt und an den Krippenfiguren gearbeitet. Und dann hätte sie nicht mehr aufhören können. "Es macht viel Spaß. Ich probiere immer wieder etwas aus. So besteht die Flamme im Feuer der Hirten aus orange farbenem Papier", nennt sie Kleinigkeiten. Auch hat sie die Figuren nicht angemalt, damit erkennbar ist, aus welchem ungewöhnlichen Material sie diese erstellt hat. Auch in ihrem Haus finden sich große Figuren aus Papier. "Sie sind Teil meines Lebens. Ich habe viel Freude daran", betont sie.
Immer, wenn Meßner von ihrer Arbeit spricht, leuchten ihre Augen. Man spürt, wieviel Freude es ihr macht, kreativ zu sein. Gern würde sie ihr Wissen weitergeben, doch gäbe es immer weniger Menschen, die sich für das Basteln interessieren.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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