Pastoralplan für die Pfarreien und Gemeinden im Stadtdekanat
Seelsorgekonzepte überdenken
Münster. Wahrlich keine Winterruhe herrscht auf der Großbaustelle Pastoralplan Münster. So wie im ganzen Bistum die "unendlichen Strukturdebatten", wie sie Bischof Felix Genn gerade nannte, energisch in Richtung längerfristiger Lösungen bearbeitet werden, so wird auch in der Domstadt der Rohbau-Plan von 2006 noch einmal aufs Reißbrett gelegt.
Die Gründe, um auch in Münster die Seelsorgeräume zu vergrößern, sind noch immer die gleichen, die ab 2004 die unverbindlichen Überlegungen in einen offiziellen Pastoralplan münden ließen: "Entkirchlichung auch mit finanziellen Folgen, Zerfaserung der kirchlichen Landschaft, die demografische Entwicklung und die Überalterung des Klerus", nannte sie Stadtdechant und Domkapitular Ferdinand Schumacher noch einmal, als Generalvikar Norbert Kleyboldt und Hans-Bernd Köppen, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge/Personal, kürzlich die modifizierten Vorschläge zur endgültigen Abrundung der Gemeinde-Neuordnung vorstellten.
Einvernehmliche Lösungen
Vor den Pfarrgemeinderatsvorsitzenden und Kirchenvorständen betonte Kleyboldt dabei, dass es sich um eine Fortschreibung handele, die die bisherigen Pläne optimieren solle. "Es ist noch nichts festgezurrt", meinte er, dennoch auf eine "einvernehmliche Verabschiedung" hoffend. Dass vor Ort ein "Gemeindebewusstsein" erhalten bleiben müsse und eine künftige Großpfarrei durchaus mehrere Gemeindeorte besitzen könne, hob Kleyboldt erstmals in dieser Deutlichkeit hervor.
Welche möglichen Veränderungen zeigen nun die überarbeiteten Pläne? St. Josef Kinderhaus und St. Marien in Sprakel sollen nach ihrer Zusammenführung künftig eine Seelsorgeeinheit mit St. Franziskus planen; mit dem Weggang von Pfarrer Egbert Reers im Sommer wird der Nachfolger wohl diesen Weg auf die neue Gemeinde St. Franziskus (ehemals St. Norbert Coerde und Thomas Morus) zugehen.
Im Süden liegt die Idee auf dem Tisch, dass Heilig Geist und St. Joseph fusionieren und anschließend mit St. Gottfried eine Seelsorgeeinheit bilden sollen. Hier macht eine schon bisher enge Kooperation den Beteiligten zumindest Mut, offen und gelassen in Gespräche einzusteigen, so war zu hören. Ebenfalls im Süden sollen Pfingsten 2012 St. Bernhard Angelmodde und St. Agatha Angelmodde-Dorf sowie St. Nikolaus Wolbeck und St. Ida Gremmendorf fusionieren. Wolbeck wies bei der Vorstellung dieser neuen Zuordnung allerdings darauf hin, dass man eher unterschiedliche soziale Strukturen ("keine gemeinsame Geschichte") habe. Eine weitere Fusion soll ebenfalls in 2012 vollzogen werden: Dann wird aus St. Clemens und St. Marien Hiltrup mit St. Sebastian Amelsbüren eine neue Pfarrei.
Lautstarken Widerstand hat bereits der Vorschlag ausgelöst, dass sich die Gemeinde St. Sebastian Nienberge in Richtung Liebfrauen-Überwasser (ehemals St. Michael Gievenbeck und Überwasser) orientieren soll. "Seelsorgeeinheit mit Liebfrauen ja, zur Fusion ein klares Nein", so haben sich derzeit die Gremien in Nienberge geäußert. Die Liebfrauen-Überwasser-Gemeinde signalisierte im Übrigen auch Offenheit gegenüber St. Theresia, das sich auch der Kliniken-Gemeinde stärker annähern will.
Im Westen sieht der optimierte Plan eine Zusammenführung von St. Anna Mecklenbeck und St. Stephanus in der Aaseestadt vor; diese neue Gemeinde soll sich später mit einer fusionierten Pfarrei aus St. Ludgerus Albachten und St. Pantaleon Roxel zu einer Seelsorgeeinheit finden. Damit wäre die bisherige Idee einer Fusion zwischen Albachten, Roxel und Mecklenbeck nicht mehr aktuell.
Im Dekanat St. Lamberti bleibt alles wie geplant, ebenso in St. Mauritz, wo sich derzeit die vier Gemeinden St. Mauritz, Heilige Edith Stein, St. Benedikt und Herz-Jesu und St. Elisabeth auf den Weg Richtung Fusion 2013 begeben haben. Seit dem 1. Advent ist die Fusion zwischen Dyckburg (bisher Teil von St. Benedikt), Gelmer und Handorf vollzogen.
Das letzte Wort sei natürlich noch nicht überall gesprochen, sagte Stadtdechant Ferdinand Schumacher im Gespräch mit Kirche+Leben. "Aber so, wie derzeit der Pastoralplan für das ganze Bistum in der Beratung ist, so müssten auch in Münster neue, verlässliche Strukturen zumindest für die kommenden zehn Jahre entstehen." Hans-Bernd Köppen: "Der Pastoralplan muss gleichzeitig auch der Aufbruch in neue Seelsorgekonzepte werden."
Verlässliche Strukturen
Nach Auffassung des Stadtdechanten gehen die Gemeinden zuversichtlich, aber vor allem nüchtern an die Veränderungen und Fusionen heran, die der Bischof – "zur Abgrenzung gegenüber der Struktur-Debatte" – künftig "Zusammenführungen" nennen möchte. "Die Situation ist nun mal so, wie sie sich uns derzeit präsentiert, und mit der müssen wir fertig werden." Bis Mitte 2011, so war auf der Vorstellung der neuen Pläne zu hören, sollen Überlegungen und Bedenken ausgetauscht sein und dann ein Zeitplan sowie das Procedere der Neuordnung klar sein.
Der Wunsch nach verstärkter Einbeziehung der Laien – etwa bei der Beerdigungspastoral – und neu ausgerichteter Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen wird diese Gespräche wohl durchziehen, war bei der Versammlung zu spüren.
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Text: Heike Hänscheid in
Kirche+Leben
20.12.2010
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