
Beim Aufbau des Krippenbildes: (von links) Wolfgang Honkomp, Wilfried Dasenbrock, die Küsterin Schwester Ansgar und Martina Thölking.
Das "Projekt Jahreskrippe"
Aus Südtirol nach Langförden
Langförden. Weihnachten und die Krippe - das gehört zusammen. Natürlich. In Langförden allerdings können die Kirchenbesucher nicht nur den Stall mit der heiligen Familie besichtigen. Zusätzlich gibt es hier eine "Jahreskrippe". Ein Team aus Ehrenamtlichen stellt mit Figuren und aufwendigen Kulissen verschiedene biblische Geschichten dar. Kirche+Leben hat die Krippenbauer besucht.
"Wir wollten nicht nur zu Heiligabend eine Krippe aufbauen." Das sagt Manfred Quatmann, Pastoralreferent in Langförden. Und was dann? "Wir wollen über das Jahr hinweg immer mal wieder biblische Geschichten gestalten." Wir – das ist das Team der "Jahreskrippe". Elf Ehrenamtliche bringen hier ihre Talente ein. Zwei Zimmermänner, ein Tischler, ein Schweißer und ein Schlosser bauen die Szenen handwerklich auf.
Eine zweite Gruppe kümmert sich um die Figuren. "Unterkleid, Mantel und Schuhe, alle brauchen ein Tuch", erklärt Martina Thölking. Sie ist Diplom-Ingeneurin für Bekleidungstechnik. Das passt. Auch eine Uhrmacherin ist dabei. Eine Friseurin hat jetzt zum ersten Mal die Kulissen gemalt.
Wie elf Frauen und Männer mit verschiedenen Berufen gemeinsam zu Krippenbauern werden, lässt sich schnell erklären: Manfred Quatmann hat die Ehrenamtlichen einfach gefragt. Wilfried Dasenbrock bringt es auf den Punkt: "Einmal dabei, immer dabei."
Der ehemalige Pfarrer der Gemeinde, Ernst Halbe, hatte die Idee der "Jahreskrippe" aus seinem Urlaub mit nach Langförden gebracht. In Südtirol hatte er einen Krippenbauer kennengelernt, der sogar ein Museum seiner Figuren besitzt.
Verschiedene Szenen haben die Krippenbauer aus Langförden für ihre "Jahrekrippe" bisher gestaltet: die Herbergssuche, die Flucht der Heiligen Familie oder den Einzug Jesu in Jerusalem. An ihre erste Kulisse erinnern sich die Ehrenamtlichen besonders gut: "Das war letztes Jahr zu Ostern", sagt Quatmann. "Das leere Grab."
Grab war erstes Projekt
Die vier Meter hohe Darstellung habe bis an die Kuppel der Kirche gereicht. In der Halle einer Firma in der benachbarten Bauerschaft Calveslage hatte sich das Team damals getroffen. Viele helfende Hände, Ideenreichtum, die nötigen Räume – das ist wichtig. Hinzu kommt eine Menge an Material: Platten und Hölzer, Fliesenkleber, Moos und Styropor. "Sand und Steine sind auch wichtig", sagt die Küsterin, Schwester Ansgar.
Und natürlich die hölzernen Figuren. Etwa 90 Zentimeter sind sie groß. "Die Körper werden in Italien geschnitzt", erklärt Quatmann. Damit sie bewegbar sind, werden Scharniere benötigt. Die stammen aus Langförden. Körper und "Gelenke" werden nach Südtirol gebracht und dort montiert. "Im September gibt es die nächste Lieferung", sagt Quatmann.
Und darauf freuen sich die Krippenbauer schon jetzt. "Unser Fundus steht noch am Anfang", erklärt der Pastoralreferent. "Zurzeit haben wir erst einen Frauenkopf." Doch die Ehrenamtlichen wissen sich zu helfen. "Das kriegen wir alles hin", sagt Martina Thölking. "Den Bart eines Mannes können wir hinter einem Tuch verstecken – dann kann er auch eine Frau darstellen."
Bald die Könige
Die aktuelle Szene kurz vor Weihnachten zeigt die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth. Schwester Ansgar hat bereits eine Idee für die nächste Darstellung: "Die Kulisse können wir stehen lassen. Dann kommt ein Kamel dazu und die Könige." Auch zum Pfingstfest im Juni dürfen die Krippenbauer wohl mit einem Bild wieder aktiv werden.
Doch nicht nur Kirchenbesucher können die "Jahreskrippe" besichtigen. Sie ist auch Thema im Kindergarten, im Religionsunterricht der Grundschule und in den Frühschichten mit Jugendlichen. "Ich finde es reizvoll, Jugendlichen die biblischen Geschichten auf diese Art nahe zu bringen", sagt Pastoralreferent Quatmann. "Viele kennen die Begegnung zwischen Maria und Elisabeth gar nicht. Das war für sie absolutes Neuland."
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Text: Katharina Deuling | Foto: Katharina Deuling in
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