
Bei Bernadette Sucker und ihrem Sohn Nico fand die Marienfigur während der Herbergssuche in Voerde eine erste Unterkunft.
Marienfigur geht während der Adventszeit auf Herbergssuche
Jeden Tag ein Dach über dem Kopf
Voerde. "Welchen Platz hat Gott in meinem Leben?", fragt Pastoralreferent Markus Gehling im Advent seine Gemeinde in Voerde. Indem sie Maria als Figur bei sich aufnehmen, sollen sie darüber nachdenken.
Der Advent ist eine Zeit der Besinnlichkeit, geprägt durch Kerzenschein und Weihnachtsplätzchen und durch die Suche nach den passenden Geschenken für die Familie. "Natürlich ist es gut, dass die Menschen es sich an den dunklen, kalten Wintertagen gemütlich machen", sagt Markus Gehling, Pastoralreferent in der Gemeinde St. Maria, Königin des Friedens in Voerde. "Aber der Advent ist mehr", ergänzt Gehling.
Besondere Aktion
Und um seinen Gemeindemitgliedern den eigentlichen Sinn der Vorweihnachtszeit bewusst zu machen, hat der Pastoralreferent gemeinsam mit dem Katechese-Ausschuss eine besondere Aktion ins Leben gerufen: Die "Herbergssuche".
Am ersten Adventssonntag hat er eine Marienfigur ausgesandt. Diese macht sich nun bis zum Weihnachtsfest auf den Weg durch die Gemeinde und bittet um Einlass, um Unterkunft für einen Tag innerhalb der Adventszeit. Und anders als in der echten Weihnachtsgeschichte, findet Maria in der Voerder Gemeinde jeden Tag ein Dach über dem Kopf.
"Viele verstehen Advent heute nicht mehr als Vorbereitung auf den kommenden Herrn, sondern als Wartezeit auf das Fest", sagt Pastoralreferent Markus Gehling. Damit der kirchliche Hintergrund der Adventszeit, die Ankunft Gottes, von den Gemeindemitgliedern neu entdeckt und für zumindest einen Tag in den Mittelpunkt gestellt wird, ist Maria unterwegs.
Schon die Figur ist etwas Besonderes: "Maria ist als schwangere Frau dargestellt. Vorbild für die Figur, die wir von einem Künstler haben schnitzen lassen, ist das Gnadenbild des ältesten Marien-Wallfahrtsorts in Bayern, die Gottesmutter von Bogenberg", erläutert Gehling. Die junge Frau, eher schlicht gestaltet, umfasst ihren Babybauch. Für ihre Reise hat ein Gemeindemitglied einen gepolsterten Transportkoffer angefertigt.
Gehling ruft seine Gemeinde dazu auf, sich zu fragen, wie es wohl gewesen wäre, wenn Maria, hochschwanger und verdreckt von der Reise, in der Heiligen Nacht vor der Haustür gestanden hätte. "Die Gottesmutter stellt uns zum einen die Frage, wie wir mit dem Leid in der Welt umgehen. Ihre zweite Frage an uns lautet: Welchen Platz hat Gott in unserem Leben?", sagt Gehling. 24 Gastgeber, Familien, Gruppen oder einzelne Gemeindemitglieder, werden sich diese Frage im Lauf der Adventswochen stellen.
Zuerst hat das Nico Sucker getan. Der 16-jährige Messdiener ist der erste Gastgeber in der Voerder Gemeinde. Er musste nicht lange überlegen, ob er Maria aufnehmen will. "Bei mir und in unserer ganzen Familie spielt der Glaube eine große Rolle", sagt der Schüler. Schon vorher hat Nico Sucker überlegt, an welchen Platz er die Marienfigur stellt: Im Wohnzimmer soll sie sein, wo die Familie – Bernadette, Siegfried und Nico Sucker – gemeinsam betet.
Doch auch in seinem eigenen Zimmer hat Nico Sucker einen Platz auf dem Regal über seinem Schreibtisch frei geräumt. "Maria wird also auch innerhalb unserer Wohnung noch umziehen", sagt er lachend. Mit der Figur wird den Gastgebern ein Buch übergeben, mit Anregungen, Gebeten und kurzen Geschichten. Vielleicht wird Nico auch einige Freunde einladen und mit ihnen eine kleine Andacht abhalten. Auf jeden Fall möchte der Messdiener die Zeit mit der schwangeren Maria sehr bewusst gestalten. "Ich hoffe, mir dadurch auch eine bessere Beziehung zu Maria aufbauen zu können." Platz für die Gedanken, Fürbitten und Erfahrungen ist in dem Buch zur Herbergssuche ebenfalls. Jeder Gastgeber kann es als eine Art Gästebuch nutzen. Dass die Herbergssuche bereits im ersten Jahr gut angenommen wurde, freut Gehling. In den kommenden Jahren soll das Projekt fortgeführt werden. "Wir haben rund 7.000 Gemeindemitglieder – wir werden das also noch einige Jahre machen können."
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Text: Ellen Schlütter | Foto: Ellen Schlüter in
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