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21.05.2012
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Vorbereitungsteam "Herbergssuche".

Ulrike Nöchel, Margret Herzog, Claudia Munsel, Diakon Bruno Bloemen und Hildegund Netz (von links) bereiten die ökumenische Aktion "Herbergssuche" in Wachtendonk, Wankum und Herongen vor.

In der Adventszeit gestalten Frauen und Männer die Herbergssuche

"Wir können vieles selbst machen"

Wachtendonk. Die Pfarrgemeinde St. Marien Wachtendonk, Wankum und Herongen führt mit der Evangelischen Kirchengemeinde des Ortes jedes Jahr während der Adventszeit die Herbergssuche durch.

Die Menschen sind seit jeher auf der Suche nach ihrer persönlichen Herberge. Das war vor mehr als 2000 Jahren so, und das ist heute nicht anders. "Wir sind alle auf der Suche nach einem Zuhause, nach mehr Geborgenheit und Wärme", resümiert Hildegund Netz ihre Erfahrungen mit dem Thema "Herbergssuche". Hildegund Netz ist Mitglied der Evangelischen Kirchengemeinde in Wachtendonk. Gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Wachtendonk, Wankum und Herongen organisiert sie das adventliche Projekt der Herbergssuche. Seit nunmehr acht Jahren ziehen Maria und Josef dort von Haus zu Haus.

Viele wollen sich beteiligen

Im neunten Jahr bereitet der neunköpfige Liturgieausschuss der katholischen Pfarrgemeinde die Herbergssuche mit wandelnden Maria- und Joseffiguren vor. Lediglich die erste Herbergssuche, eine Idee des katholischen Pfarrers Ralf Lamers, führten die katholischen Gläubigen noch allein durch. Schon im zweiten Jahr wurde die Wachtendonker Herbergssuche ökumenisch. "Weil es so gut ankam und viele Menschen mitmachen wollten", erinnert sich Ulrike Nöchel vom Liturgieausschuss noch gut an die Anfänge. Grundlage der Aktion ist die Erzählung des Evangelisten Lukas.

Um diese Erzählung zu veranschaulichen, ziehen Maria und Josef, zwei neugotische Krippenfiguren, von Haus zu Haus. Diese Figuren haben sich als Bindeglieder für die Gemeinde entwickelt. Jahr für Jahr feiern Familien, Gruppen oder Einrichtungen jeden Abend zwischen dem ersten Advent bis zwei Tage vor Weihnachten eine Andacht. Immer um 19 Uhr. Immer dort, wo Maria und Josef an diesem Tag beheimatet sind. Wer Gastgeber werden möchte, kann sich in den Wochen vor der Adventszeit in Listen eintragen, die in den Kirchen ausliegen – und darf sehr gespannt sein, welche Menschen zur Andacht kommen. Diese gestalten die Gastgeber individuell, zwischen 20 und 45 Minuten lang, manchmal mit Plätzchen und Glühwein oder Bastelaktionen im Anschluss. "Ist die Hemmschwelle erst überwunden, werden die Abende besinnlich", sagt Ulrike Nöchel. Textmaterial gibt es im Pfarrbüro, viele Gastgeber entwerfen ihre Themen jedoch auch selbst.

Schließlich werden die Andachten in Wohnzimmern, Ställen, unter freiem Himmel, in kleinen Kapellen oder Kindergärten, sogar an Bushaltestellen gefeiert – niemand weiß vorher, was ihn erwartet, welche Menschen zusammenkommen und wie der Abend verläuft. "Das Zusammensein, die Begegnung mit fremden Menschen an ungewöhnlichen Orten, ist wirklich ein Erlebnis", sagt Bruno Bloemen, Diakon an St. Marien. Er hält zudem noch einen anderen wichtigen Aspekt der Herbergssuche fest: "Jeder Bürger kann die Andacht feiern. Man trifft sich an einem nicht-kirchlichen Ort und ist intensiv miteinander verbunden. Das ist eine besondere Art von Verkündigung – der Advent bekommt eine neue Note."

"Kirche sind wir alle, und wir können vieles selbst machen", fasst Claudia Munsel vom Liturgiekreis ihr persönliches Fazit zusammen. Nach einem Gottesdienst am ersten Advent beginnt die Herbergssuche für Maria und Josef. Ein großer Koffer bettet die Figuren auf gelbem Samt. Am Tag nach der Andacht bringen die Gastgeber ihre Schützlinge zum nächsten Haus auf der Liste in dem großen Gemeindegebiet von der niederländischen Grenze bis in Richtung Kerken.

Das diesjährige Motto lautet "Mach dich auf" – und könnte passender kaum sein. Denn die Menschen machen sich auf den Weg zu den Andachten oder zu den neuen Gastgebern, die Maria und Josef in Empfang nehmen. "Die Figuren bleiben über Nacht. Das ist ein tolles Gefühl", sagt Margret Herzog, die sich ebenfalls im Liturgiekreis engagiert. Für sie hat das Zur-Ruhe-Kommen im besinnlichen Advent dank der Herbergssuche einen neuen Stellenwert erlangt. "So hektisch der Tag auch gewesen sein mag, zur Andacht ist das vergessen", sagt sie.

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Text: Katrin Reinders | Foto Katrin Reinders in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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