
Wilfried Renk berät Gemeinden.
Weseler Gemeinden sehen Fusion mit Optimismus entgegen
Eigenen Charakter bewahren
Wesel. Um die Zusammenführung der Weseler Pfarrgemeinden auf den Weg zu bringen, sind personelle Veränderungen erfolgt: Herbert Werth wechselt von Wesel nach Duisburg-Walsum, und Domvikar Stefan Sühling hat sich den Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen der beiden Innenstadtgemeinden St. Martini und St. Mariä Himmelfahrt sowie denen von St. Johannes (Bislich, Bergerfurth, Flüren und Feldmark) und St. Antonius (Obrighoven, Fusternberg und Schepersfeld) vorgestellt.
Wie Kirche+Leben bereits in der letzten Ausgabe berichtete, wird Domvikar Stefan Sühling nicht nur Nachfolger von Karl-Heinz Mengedodt und Heinrich Pauen, sondern soll auch der Leiter der geplanten Seelsorgeeinheit werden, zu der sich die rechtsrheinischen Pfarreien in Wesel im kommenden Jahr zusammenschließen. Das ist der erste Schritt zu einer Großgemeinde – denn über kurz oder lang werden die vier Weseler Pfarrgemeinden zu einer Pfarrei zusammengeführt.
Eine Entwicklung, die auch für Wilfried Renk Sinn macht. Der 56-jährige Pastoralreferent arbeitet in der Stabsstelle für Gemeindefusionen im Bischöflichen Generalvikariat Münster. Renk hofft, dass sich die Gremien in den Gemeinden den Veränderungen konstruktiv stellen und diese nicht nur als Abwicklung begreifen. Wenn die Grenzen der Pfarreien durch Fusionen im Bistum Münster größer gezogen würden, entstünden auch neue Kräfte, welche die Seelsorge in der Fläche stärken können, sagt Renk. Anhand eines gemeinsamen Seelsorgekonzeptes und durch die Bildung neuer Seelsorgeteams könnten Schwerpunkte in der Seelsorge gebildet und somit zielgerichteter den Herausforderungen begegnet werden.
Renk, der mehr als 30 Jahre in der Seelsorge praktisch gearbeitet hat, weiß auch, dass es berechtigte Sorgen gibt. "Zum Beispiel die Sorge vor zu großer Anonymität", sagt er. Dem müsse man gezielt entgegenwirken. Renk rät, an den Orten, wo kirchliches Leben bestehe, dies zum Beispiel durch die Bildung von Ausschüssen zu fördern, in denen engagierte Katholiken mitarbeiten könnten, die in den gewählten Gremien nicht zum Zug kämen. Um eine Zusammenführung erfolgreich zu gestalten, sei es notwendig, die Schritte klar und transparent zu gestalten und mit den Betroffenen zu diskutieren. Das Bistum biete bei den Veränderungen seine Hilfe auch in Form von Beratung und Moderation an.
In der Weseler Innenstadtgemeinde St. Martini sieht man der bevorstehenden Fusion gelassen entgegen. "Wir arbeiten schließlich schon seit einiger Zeit mit der zweiten Innenstadtgemeinde, St. Mariä Himmelfahrt, zusammen", sagt Christian Thiel vom Kirchenvorstand von St. Martini. Die beiden Gemeinden bilden eine Pfarreiengemeinschaft. "Seit einem Jahr gibt es bei uns deshalb schon einen Fusionsausschuss." Natürlich gebe es Bedenken in den verschiedenen Pfarrgemeinden, was die geplante "große Fusion" betreffe.
Veränderungen annehmen
"Da gibt es Sorgen, die Eigenständigkeit oder den Charakter der eigenen Pfarrgemeinde zu verlieren", sagt Thiel. Einige Vorbehalte seien jedoch sicherlich durch die Vorstellung des neuen Innenstadtpfarrers Stefan Sühling ausgeräumt worden. "Wir sind optimistisch, was die Veränderungen angeht", sagt Thiel. "Herr Sühling hat einen guten Eindruck gemacht, und wir sind sehr froh, dass er als Pfarrer zu uns kommt." Der bisherige Seelsorgeamtsleiter in Münster wird am 11. Dezember, am Vorabend des dritten Advent, in Wesel eingeführt.
Josef Hermsen, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands in St. Johannes, will ab jetzt vor allem in die Zukunft schauen. Man werde in der Gemeinde zunächst abwarten, wie es weitergehe, wenn Pfarrer Werth zum Anfang des Jahres von Wesel nach Duisburg-Walsum wechsele, sagt Hermsen. "Wir wissen noch nicht, wer sein Nachfolger wird." Auch Hermsen hält die Voraussetzungen in seiner Gemeinde für gut: "Wir sind fusionserprobt", sagt er. Der neue Seelsorger habe die Vertreter der Gremien für sich eingenommen.
Auch Hermsen kann der geplanten Seelsorgeeinheit gute Seiten abgewinnen: "Durch die Fusion werden auch pfarrübergreifende Angebote und Zusammenarbeiten vorstellbar. Vorher war man in seinen Pfarrgrenzen gebunden", sagt er. "Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen und die Pfarrer sich in ihren Vorstellungen einig sind", meint das Kirchenvorstandsmitglied. "Und dass sie die Gremien in dem ganzen Prozess mitnehmen."
Diese Ansicht vertritt Robert Mertens, Pfarrer von St. Antonius in Wesel, in gleicher Weise. "Eine Fusion muss in Ruhe geschehen, damit alle Probleme ausgeräumt werden können und alles abgestimmt werden kann. Das fängt mit der Gottesdienstordnung an." Der Geistliche rechnet damit, dass dieser Prozess bis Ende 2013 dauern wird. St. Antonius sei positiv gestimmt – schließlich habe man bereits Erfahrungen mit der Zusammenlegung gemacht. "Dieser Prozess verlief bei uns ohne Komplikationen, und wir freuen uns auf mehr Zusammenarbeit mit den anderen Pfarreien." Auf die Zusammenarbeit der drei Pastöre in der Großgemeinde blickt Mertens zuversichtlich.
"Der neue Pfarrer wirkte kooperativ", sagt Mertens. Er habe klare Vorstellungen, diese würden aber sicher miteinander umgesetzt, davon ist er überzeugt.
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Text: Ellen Schlütter / Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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18.10.2010
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