
Regionalbischof Dieter Geerlings suchte das Gespräch mit den Wallfahrern.
31. Recklinghäuser Stadtwallfahrt zum Annaberg nach Haltern
"Al dente heißt mit Biss, aber nicht bissig"
Recklinghausen. Mehr als 600 Christen aus Recklinghausen waren der Einladung zur Stadtwallfahrt gefolgt. Sie hatten sich zu Fuß, mit dem Fahrrad, auf Inlinern, mit dem Motorrad, dem Auto oder dem Bus auf den Weg gemacht, um gemeinsam auf dem Annaberg in Haltern zu beten.
Die Wallfahrt, die zum 31. Mal stattfand, aber erstmals von einer Arbeitsgruppe der Pastoralkonferenz des Dekanats Recklinghausen in Zusammenarbeit mit dem Stadtkomitee vorbereitet wurde, stand unter dem Motto "Gott baut mit uns ein Haus, das lebt". Im Vorfeld hatten die Organisatoren große Steine an die sieben Pfarrgemeinden mit der Bitte verteilt, diese von verschiedenen Gruppen gestalten zu lassen. "Wir haben sieben Gemeinden mit 21 ›Kirchtürmen‹ in Recklinghausen. Jeder Pfarrbezirk hat drei Steine erhalten. Dadurch ist es uns geglückt, Menschen zu motivieren, an der Wallfahrt teilzunehmen, die sonst vielleicht nicht gekommen wären", zeigt sich Pastoralreferentin Renate Bothen glücklich über die Resonanz. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Pilger immer weiter zurückgegangen. "Bei der letzten Wallfahrt haben wir nur 200 Teilnehmer gezählt", berichtet Heinz-Bernd Terbille, Vorsitzender des Stadtkomitees Recklinghausen.
Hinter der Wallfahrtskirche am Annaberg bauten die Verantwortlichen rund um das Kreuz die gestalteten Steine zu einem offenen Haus auf. "Die Steine sind ein Zeichen. Wir bauen gemeinsam an der Kirche, in deren Mitte Jesus Christus ist. Dieses Haus wird durch uns alle lebendig", begrüßte Pfarrer David Formella, Vicarius Cooperator in St. Katharina von Siena, die Gläubigen.
Weihbischof Dieter Geerlings, seit knapp vier Wochen im Amt und von den Teilnehmern mit herzlichem Applaus begrüßt, griff in seiner Predigt das Motto der Wallfahrt auf. "Es ist gut, dass im Leitgedanken das erste Wort ›Gott‹ ist: Gott baut das Haus. Wer ist Gott?", fragte Geerlings. Mose habe vor dem brennenden Dornbusch die Erfahrung gemacht, dass Gott in ihm wirke und in ihm wohne. "Gottes Sein besteht darin, immer da zu sein für dich: wenn du stark bist und wenn du schwach bist. Da zu sein für dich, wenn du aufrecht stehst und wenn du gefallen bist." In Jesus Christus habe sich dann gezeigt, wie weit Gott für den Menschen gehe: bis zum Kreuz, bis zum Tod. "Er ist nicht der liebe Gott, aber er ist der Gott der Liebe. Das heißt: der Umgang Gottes mit uns Menschen in diesem Haus ist ein persönlicher und naher. Christentum ist die Entdeckung Gottes im Menschen." Gott baue das Haus gemeinsam mit ihnen. "Auf uns kommt es an. Das wird in Recklinghausen ernst genommen, wie wir an den Steinen sehen", sagte Geerlings. In dem großen Haus – als Sinnbild von Gemeinde – gebe es viele Räume: vom Keller mit seinen Vorräten wie Kompetenzen und Charismen der Mitglieder über das Kinder-, Jugend- oder Seniorenzimmer bis hin zum Wohnzimmer als Treffpunkt, als Raum, in dem die Menschen zusammenkämen. "Sich heute zu Jesus Christus und der Kirche zu bekennen, ist nicht immer leicht, wenn einem inmitten nicht mehr überschaubarer Meinungsvielfalt Gleichgültigkeit entgegenweht", bedauerte Geerlings.
Christen sollten erkennbar und selbstbewusst auftreten, "gewissermaßen – wie es im Italienischen heißt – 'al dente' – 'mit Biss', aber nicht bissig, zwischen Weltvergötzung und Weltverachtung, zwischen Weltsucht und Weltflucht, als solche, die in Freiheit Verantwortung übernehmen für das Leben der Menschen und sich selbst zur Ehre Gottes einbringen. Leidenschaft für Gott und für das Heil der Menschen, das ist die Triebfeder für das ständig neue Bauen an diesem Haus." Im Anschluss an das Pontifikalamt nutzten viele Teilnehmer die Möglichkeit, mit dem Weihbischof ins Gespräch zu kommen.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaele Kiepe in
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