
Zum 50. Mal fand auf der Ferieninsel Ameland das Jungenlager statt: In diesem Jahr erlebten 57 Jungen mit 13 Betreuern und vier Küchenleuten wieder erlebnisreiche Ferien.
Das Thema sexueller Missbrauch wurde intensiv diskutiert
50 Jahre Katholisches Ferienwerk in Wesel
Wesel. Seit 50 Jahren organisiert das Katholische Ferienwerk in Wesel Jugendfreizeiten auf der Insel Ameland. Initiator war Alfred Wilms, der damalige Pfarrer der Kirchengemeinde Zu den Heiligen Engeln in Wesel und der spätere Propst der Xantener Pfarrei St. Viktor. Seine Idee: einfache Ferienfreizeiten auf dem Bauernhof.
Es ist die Jubiläumsfahrt des Katholischen Ferienwerkes nach Ameland. 57 Jungen, 13 Betreuer und vier Küchenleute leben für drei Wochen auf dem Hof Kiewiet in Nes – wie schon seit 50 Jahren. "Wir wollen, dass die Kinder in dieser Zeit Spaß und Abenteuer erleben", sagt Tim Möllmann, der Lagerleiter. "Damit das gelingt, haben wir uns intensiv auf diese Fahrt vorbereitet." Etwa 30 Stunden lang sind die Betreuer geschult worden. Fragen wie die Aufsichtspflicht der Leiter, die Planung des Programms, die Vorbereitung der Spiele und Turniere, die Einteilung der Spieldienste sowie die Aufteilung der Nachtwachen sind nur einige Sachgebiete, in denen sich die jungen Betreuer in Wochenendseminaren vorbereitet haben.
Im Weseler Lager gibt es deshalb auch in diesem Jahr viele Höhepunkte. Zum Beispiel den Gewinn der Fußball-Inselmeisterschaft. Doch die Kinder- und Jugendfreizeiten sind seit den Missbrauchsvorwürfen im Osnabrücker Lager und in der Xantener Messdienerfreizeit in die Kritik geraten. Das weiß auch Karl-Heinz Ortlinghaus, einer der fünf Veranstalter des Katholischen Ferienwerkes in Wesel.
In besonderer Weise vorbereitet
"Als die Vorwürfe von Teilnehmern des Osnabrücker Amelandlagers bekannt wurden, haben wir uns sofort des Themas angenommen", sagt Ortlinghaus. Bei den Schulungen habe das Thema Sexualität von Kindern und Jugendlichen im Vordergrund gestanden. "Wir haben uns mit dieser Problematik intensiv vertraut gemacht", sagt er. Das sei notwendig, weil Kinder und Jugendliche heute durch das Internet viel schneller Zugang zu pornographischen Themen hätten. Darauf müsse man als Gruppen- und Lagerleiter vorbereitet sein. "Wir haben die Leiter sensibilisiert, bei Konflikten genau hinzuschauen." Das bedeute nicht, dass man sich ständig in den Aufenthalts- oder Duschräumen aufhalten müsse. Aber die Betreuer müssten wissen, wo sich im Lager welche Konflikte abspielten.
Auch die Eltern werden einbezogen. "Alle wissen, dass unser Lager ein christliches Lager ist", sagt Ortlinghaus. Das bedeutet konkret: Es wird gebetet, und sonntags wird ein Gottesdienst besucht. Früher war die sonntägliche Eucharistiefeier selbstverständlich. "Da wir aber kaum noch Priester für die Ferienseelsorge haben, feiern wir Wortgottesdienste", sagt Ortlinghaus. Er macht die Erfahrung, dass immer weniger Kinder eine religiöse Bindung aus ihrem Elternhaus mitbringen. "Viele kommen außer auf Ameland nicht mehr mit Kirche und Religion in Kontakt."
In den vergangenen Jahren hat sich auch bei den Lagern des Weseler Ferienwerkes ein schmerzlicher Trend entwickelt: Es gibt weniger Anmeldungen. "Früher war das Lager bereits im Januar ausgebucht. Heute müssen wir erhebliche Werbeanstrengungen unternehmen, um ausreichend Kinder zu gewinnen."
Stiftung im Rücken
So sind in Wesel zum Beispiel 2500 Broschüren verteilt worden, um auf das Lager aufmerksam zu machen. Die schwierige finanzielle Lage mancher Eltern ist nach Ortlinghaus ein wesentlicher Faktor. Hilfreich ist hier die Joseph Honnerbach’sche Bürger- und Waisenhaus-Stiftung. Als Rechtsträger sichert sie die Freizeiten des Ferienwerkes finanziell ab, so wie es die Satzung vorsieht. In Wesel gilt daher: Wegen des Geldes ist noch kein Kind zu Hause geblieben.
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Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel in
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