
Taufkerzen kann man im Pfarrbüro kaufen. "In Petersdorf gibt es nur einen Bäcker, einen Friseur, einen Blumenladen und einen Postkasten", sagt Gabriele Nording.
Gabriele Nording aus Petersdorf bei Bösel
Man kann auch privat klingeln
Bösel-Petersdorf. Zwei Modelle stehen zur Auswahl: Die Taufkerzen lagern in einem ausgedienten Schreibtisch im Pfarrbüro. Die Frau hat sich schnell entschieden, welche es für den kleinen Dominik sein soll. "Das macht 15 Euro. Und die fehlenden Bescheinigungen für die Taufe können Sie ja auch ins Pfarrbüro nach Bösel faxen." Gabriele Nording nickt freundlich.
Mittwochnachmittags ist sie immer von 16 bis 17 Uhr für die Gemeinde da. Man kann Messen bestellen, Kinder zur Taufe anmelden, Fragen loswerden. Die Stunde unterm Dach des Pfarrheims ist für die Menschen in Petersdorf.
Die gut 900 Katholiken gehören zur Gemeinde Bösel St. Cäcilia. Ihre Jahre mit einem eigenen Pfarrer liegen lange zurück, 23 Jahre ist es schon her.
"Wenn jemand einen Todesfall melden will, leite ich ihn ins Böseler Pfarrbüro weiter", sagt Gabriele Nording, "Dort müssen Termine besprochen werden. Erst dann können wir hier weitersehen." Die 50-Jährige ist Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde. Egal ob es ums Pfarrbüro geht, die Rosenkranzandacht für ein verstorbenes Mitglied der Frauen-MC (Marianische Congregation) oder den anstehenden Ausflug der Frauen.
"Auch sonntags nach dem Hochamt sitze ich hier. Das wissen die Menschen. Aber man kann auch bei mir zu Hause klingeln", sagt sie.
Gabriele Nording lächelt. Einmal habe jemand sie nachts um zwei Uhr aus dem Bett geholt. "Wegen eines Todesfalls in der Familie. Die Frau wollte wissen, ob man um diese Zeit den Pastor anrufen könne. Ich habe ihr geraten, lieber bis fünf Uhr zu warten."
Gabriele Nording arbeitet 20 Stunden in der Woche als Industriekauffrau auf dem Moorgut Kartzfehn. Der Petersdorfer Betrieb ist Deutschlands größte Putenzucht. Ihre beiden Kinder sind erwachsen. Warum dann dieser Einsatz für Petersdorf?
Petersdorf liegt in der Nähe des oldenburgischen Bösel. |
"Das ist mein Leben. Ich mache das mit Leib und Seele", sagt sie achselzuckend. "Ich war als Jugendliche so genannte 'Schülerküsterin'. Weil unsere Familie nur 50 Meter von der Kirche entfernt wohnte, haben das nach dem Abzug der Vorsehungsschwestern aus dem Ort zuerst meine Brüder übernommen. Als die ins Studium gingen, haben meine Schwester und ich den Dienst weitergeführt."
Sie war Landjugendvorsitzende, ist eine von 14 Lektorinnen und Kommunionhelferin. Und sie hat sogar die Ausbildung zur Sakristanin abgeschlossen.
Harmonische Gemeinde
Als 1987 dann der letzte Geistliche die 900-Seelen-Gemeinde verließ, da habe sie von einem auf den anderen Tag als Ansprechpartnerin für alles mögliche gegolten: von Taufterminen bis zur Hostienbestellung. Gabriele Nording zögerte nicht lange, nahm die Aufgaben an. Petersdorf – das lässt sie deutlich spüren, liegt ihr am Herzen: das Miteinander, das Leben.
Der "Ludgerikreis" zum Beispiel, eine feste Gruppe, die selbstständig immer wieder Mai- und Rosenkranzandachten oder im Advent Roratemessen vorbereitet.
Oder die Frauen-MC, wo sie als Schriftführerin mitmacht. "Bis vor ein paar Jahren war es normal, dass man als Frau zwischen 35 und 40 Jahren bei uns Mitglied wurde." Seit der Gründung eines Landfrauenvereins Bösel-Petersdorf sei das allerdings nicht mehr so selbstverständlich.
Dennoch laufe vieles von selbst. Gabriele Nording zählt auf: "Der Sing- und Spielkreis, das Krippenaufbau-Team, der Kirchenchor, die Schützenbruderschaft St. Franziskus, die fünf Frauen, die das Sternsingen vorbereiten, die Frühjahrsarbeiten rund um die Kirche, die Säuberung des Friedhofs vor der Gräbersegnung. Da sind immer Leute, die sagen: 'Das muss weitergehen', und das geht auch weiter." Den Nachwuchs dafür sieht sie bei den 40 Messdienern, um die sie sich ab und zu auch kümmert.
Die Petersdorfer Filialkirche. Im Jahr 2005 wurde die Gemeinde mit Bösel zu einer neuen Pfarrei zusammengeführt. |
Wie sehr die Gemeinde mitmacht, das sieht sie auch an Fronleichnam, der hier donnerstagsabend gefeiert wird. Selten genug im niedersächsischen Teil des Bistums Münster, wo Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist.
"Wir haben zusätzlich zu den festen Altären zwei mobile, die in den Neubaugebieten aufgebaut werden. Und es war kein Problem, dort jüngere Leute zu finden, die sich um den Aufbau und das Schmücken kümmern."
"Ja, Petersdorf ist sehr harmonisch." Nur – so meint sie – das Zusammenwachsen mit Bösel zur neu gegründeten St.-Cäcilia-Gemeinde, das stecke noch in den Kinderschuhen.
Immerhin: Die Zukunft lasse hoffen. So komme der Vorsitzende des Jugendausschusses der im Jahr 2005 neu gegründeten Pfarrgemeinde Bösel aus Petersdorf. Und auch die Frauen setzten Zeichen: Der Ökumenische Weltgebetstag findet immer abwechselnd in der evangelischen und der katholischen Kirche Bösel und in Petersdorf statt.
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Text: Michael Rottmann | Fotos: Michael Rottmann | Grafik: Michael Bönte in
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