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16.05.2012
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Messdienerwallfahrt

Eine Liebeserklärung an die ewige Stadt und an unvergessliche Erfahrungen, die die Messdienerinnen aus Kinderhaus und Sprakel verbindet.

Auch aus dem Norden Münsters war eine Messdienergruppe in Rom

Eine ungewöhnliche Liebeserklärung

Münster. Unter den 53.000 Messdienern aus Europa, die sich Anfang August zur Ministrantenwallfahrt nach Rom aufgemacht haben, waren auch 17 junge Leute aus Münsters Norden.

Nach 28 Stunden Busfahrt und nur wenig Schlaf sind die Messdienerinnen und Messdiener, die von der großen Ministrantenwallfahrt nach Rom zurück in ihre Heimatgemeinde nach Münster-Kinderhaus/Sprakel kommen, eigentlich nur noch müde und kaputt. Es ist Sonntagmorgen, und im Grunde wünscht sich jeder nach durchwachter Nacht möglichst schnell in sein Bett – aber da die Gemeinde gerade zum Hochamt in der Pfarrkirche versammelt ist, könnte man noch mal kurz hereinschauen und eins der beliebtesten Wallfahrtslieder vorsingen: "Lasst uns zieh'n zu den Quellen des Lebens." Für den Kehrvers reichen Kraft und Puste gerade noch, bei den Strophen geht den 15 Mädchen und Jungen und ihren beiden Leitern allmählich der Atem aus. Und dann sollen sie noch etwas von ihren Erfahrungen in der Ewigen Stadt erzählen? Eigentlich gar nicht nötig, denn die T-Shirts, die sie an diesem Morgen wie ein einigendes Band tragen, sind selbstredend: "I love Roma", steht da zusammen mit einem roten Herz auf weißem Untergrund, und diese Botschaft sagt alles: "Es waren wunderbare Tage in Rom, es waren Erfahrungen, die uns bereichert haben und von denen wir noch lange zehren werden."

Während die Gruppe die Logistik der Fahrt der Diözesanpilgerstelle überlassen hatte, war es Ulrich Schulze und Julia Albers als Begleitern von vornherein wichtig, für Rom selbst ein individuelles Programm zu entwickeln und sich frei zwischen Kultur, Kunst und Kirchen bewegen zu können. Schon Wochen vorher hatten sich die Messdienerinnen und Messdiener aus der Seelsorgeeinheit Kinderhaus und Sprakel mehrfach getroffen, um sich auf die Wallfahrt einzustimmen: In verschiedenen Aktionen – vom Fahrradputzen bis zum Spargelsuppenkochen – wollten sie ihre Reisekasse aufbessern, bei inhaltlichen Treffen wurden neben spielerischen Einstiegen zum ersten Kennenlernen der Ewigen Stadt kleine Referate verteilt, mit denen sich die Jugendlichen auf ihre Fahrt vorbereiten sollten.

Damit hatte jeder in Rom seine Aufgabe, und egal, wann die Erklärungen für die Führungen vor Ort entstanden waren – ob daheim im Internet oder mit Hilfe von Reiseführern während der langen Busfahrt – auch über dieses Element wuchs die Gruppe zusammen und erfuhr: Jeder war als "Reiseführer für einen Tag" wichtig für das Gemeinschaftsleben. So entwickelte sich das gemeinsame Tun und Erleben beim Sightseeing ebenso wie beim Einkaufen, Essen und  Beten; im Lauf der Woche wurde es immer selbstverständlicher "anzupacken" und für die anderen mitzudenken. Wer ist von der Hitze erschöpft und braucht dringend eine Ruhepause? Wem täte eine kleine Abkühlung gut? Die Sensibilität füreinander wuchs, selbst wenn die eine oder andere Wasserschlacht an römischen Brunnen – zumindest für einen Außenstehenden – auf anderes schließen ließ.

Auch bei den internationalen Treffen aller Ministranten auf dem Petersplatz oder den gemeinsamen Aktionen der Teilnehmer aus dem Bistum Münster in Trastevere war die Gemeinschaftserfahrung ein besonderes Erlebnis für die Jugendlichen. Sind sie in den Gemeinden vor Ort oft nur wenige, trafen sie nun auf eine unendliche Zahl Gleichgesinnter, mit denen sie ihre Freude an Gott, ihre Lieder und ihre Unterschriften austauschen konnten. Da nur wenige der nichtdeutschen Teilnehmer ihr buntes Pilgertuch für das vanillefarbene Tuch der vielen deutschen Minis hergeben wollten, wie es sonst Usus ist, tauschte man stattdessen Namen und Adressen aus und notierte diese in unterschiedlichen Farben auf den Tüchern.

Natürlich war auch der Papst ein wichtiges – und einigendes – Element dieser Gemeinschaftserfahrungen, aber der Pontifex konnte bei den spontanen Sing- und Tanzrunden in der römischen Metro und auf vielen öffentlichen Plätzen ja leider nicht dabei sein. Schade – so hätte er die Lebensfreude der jungen Menschen vielleicht noch besser und authentischer erlebt.

Da die Gruppe aus Münster-Kinderhaus und Sprakel ihr eigenes Programm geplant hatte, konnte dieses den Wünschen und Gegebenheiten vor Ort und damit auch dem Wetter – "gefühlten 45 Grad" – angepasst werden. Statt geplanten vier Kirchen am Tag besuchte man eben nur zwei, suchte sich dafür in der Kühle des Raumes einen Platz, um die großartige Architektur, die Deckenfresken oder Heiligenfiguren auf sich wirken zu lassen. Und als die Jugendlichen aus der Sakramentskapelle des Petersdomes kamen und ihrem Gruppenleiter bestätigten: "Das hat gut getan", hatten sie dabei sicher nicht nur die Temperatur an diesem heiligen Ort im Blick ...

Aufgrund der lebensnahen Vorbereitung im geistlichen Zentrum des Bistums und der sensiblen Führung durch Julia Albers und Ulrich Schulze konnten die Ministranten Glaubenserfahrungen machen, die ihnen – anders als einer Kinder- und Jugendgruppe, die zur 25-Kilometer-Fußwallfahrt durch die sieben Haupt-Pilgerkirchen Roms mit Schweigen und Rosenkranzgebet antreten musste – nicht fremd und aufgestülpt vorkamen. Vielmehr erlebten sie ihre Religion als etwas Lebendiges, das ihren Alltag füllen und erfüllen kann. So war es für die Kinderhauser vollkommen natürlich, beim abendlichen Pizza-Essen die Fürbitten für den Gottesdienst am anderen Morgen vorzuformulieren: Leben und Glauben gehören einfach zusammen.

"I love Roma" – in dieser Liebeserklärung schwingen so viele Erfahrungen mit, die die Minis in der Ewigen Stadt bereichert haben. Nach vielen Jahren ohne entsprechende Angebote war es für die Kinderhauser Jugendlichen die erste gemeinsame Fahrt ihrer Messdienergemeinschaft – aber sicher nicht die letzte. Sebastian, einer von ihnen, freut sich jedenfalls schon auf den Weltjugendtag in Madrid im kommenden Jahr ...

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedVideoreportage über die Ministrantenwallfahrt
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Messdienerwallfahrt

Text: Jan Magunski | Foto: privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
16.08.2010

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