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17.05.2012
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Herzen für Rom.

Gut ausgerüstet: Mit einheitlichen T-Shirts, mit Stadtplänen und Reiseführern brechen diese Hertener Messdiener zur Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom auf.

Hertener fahren zur Internationalen Ministrantenwallfahrt

Herzen für Rom

Herten. Vom 1. bis 8. August 2010 machen sich rund 2.000 Messdiener aus dem Bistum Münster auf zur Internationalen Ministrantenwallfahrt nach Rom. Zehn Jugendliche aus St. Maria Heimsuchung Herten zählen zu den Pilgern. Mit sechs kreativen Aktionen haben sie im Vorfeld ihre Reisekosten gesenkt.

Ein Herz zu erwerben, kann ziemlich aufwändig sein. In der Gemeinde St. Maria Heimsuchung in Herten allerdings sind die Preise stark gefallen. Dort haben Messdiener Herzen für 1,50 Euro angeboten. 200 Stück hatten die Jugendlichen aus roter Tonpappe ausgeschnitten und mit einer Schokoladenpraline am Muttertag nach den Sonntagsgottesdiensten verkauft. Nicht ein Herz blieb übrig: "Wir hätten noch mehr verkaufen können", erinnert sich Messdiener Matthias Reimer. Ob da wohl mancher kurzfristig das fehlende Muttertagsgeschenk erstanden hat? Reimer lächelt. Reine Spekulation, natürlich.

Mit dem Herzen-Verkauf sollte Geld zusammenkommen für die Reise von zehn Messdienern aus Herten-Langenbochum und Herten-Scherlebeck nach Rom zur zehnten Internationalen Ministrantenwallfahrt. Sie haben sich einer Fahrt angeschlossen, die die Abteilung Kinder- und Jugendseelsorge des Bischöflichen Generalvikariats Münster vorbereitet. In der Gemeinde am Nordrand des Ruhrgebiets haben die Jugendlichen die Organisation selbst in die Hand genommen.

Begeistert von Wallfahrt 2006

"Wir waren schon bei der letzten Ministrantenwallfahrt 2006 in Rom dabei", sagen Matthias Reimer und seine Kusine Nicole. Sie waren damals sofort sicher: "Da fahren wir nächstes Mal wieder hin." Viel Überzeugungskraft brauchten beide nicht, um weitere acht Pilger zu gewinnen.

"Es ist gut, dass die Teilnahme bei der Fahrt, die Münster organisiert, erst ab 16 Jahren möglich ist", sagt Matthias Reimer. Wäre das Einstiegsalter niedriger, wären zwar sicherlich noch weitere Hertener mitgefahren. Aber das hätte die Aufsicht in Rom komplizierter gemacht. Sie wäre dann wohl kaum ohne ein großes Leitungsteam möglich gewesen.

Nicht, dass die Rom-Pilger etwas gegen Hauptamtliche hätten: "Wir haben einfach gedacht, das kriegen wir selbst hin", sagt Matthias Reimer. Der 31-Jährige teilt sich die Gruppenleitung mit seiner 21 Jahre alten Kusine Nicole. Die anderen Pilger sind zwischen 16 und 22 Jahre alt. Alt genug also, dass man sich aufeinander verlassen kann. Und so fahren die Hertener eigenverantwortlich nach Rom.

An Hilfe mangelte es nicht: "Ob das unsere Eltern waren, Leute aus der Gemeinde oder Pfarrer Norbert Happe – wir konnten alle fragen", erinnert sich Matthias Reimer. Da es auch an kreativen Ideen nicht fehlte, wurde die Fahrt für die Langenbochumer und Scherlebecker sogar noch etwas günstiger: Sechs Aktionen haben sie auf die Beine gestellt, um ihre Reisekosten zu senken. Los ging es in der Osternacht, als sie selbstgemachte Marmelade verkauften und – österlich passend – Eierlikör. "Der war in der Nacht noch ausverkauft", erzählt Christina Jansen. Das Rezept bleibt indes das Geheimnis der 22-jährigen Rom-Pilgerin und einer Arbeitskollegin.

Weiter ging es mit den Herzen am Muttertag. An Christi Himmelfahrt organisierten die zehn Messdiener einen Kuchenverkauf. Zu den Köstlichkeiten zählten unter anderem ein Blech Butterkuchen, Muffins oder eine Torte, deren Clou dünne, mit Schokolade umhüllte Keksstäbchen waren.

Süß und lecker ging es auch an Fronleichnam zu. Nach der Prozession der Pfarrei im Hertener Norden treffen sich die Teilnehmer traditionell zum Imbiss. Die Rom-Pilger waren diesmal für das Dessert-Angebot verantwortlich. "Bei den Kindern war die Götterspeise der Renner", erinnert sich Christina Jansen. Aber auch Vanillepudding, Obstsalat und Erdbeer-Tiramisu waren gefragt.

Gespannt auf die Ewige Stadt

Die fünfte war eine Auto-Waschaktion: An einem Juni-Samstag stellten sich die zehn Pilger auf den Hof eines Autohauses und boten jedermann eine Autowäsche an. Spaß habe das gemacht, sagen sie. Im Ernst? "Na ja", sagt die 19-jährige Annekathrin Prinz. Am lustigsten sei natürlich gewesen, "wenn einem der Schlauch aus der Hand gerutscht ist und man ›versehentlich‹ den Kollegen gegenüber nass gespritzt hat". Die sechste Aktion "für Rom" war ein Grillabend nach einem Jugendgottesdienst.

Jetzt endlich kann es losgehen. Worauf freuen sich die Pilger denn am meisten? Matthias Reimer kennt die Ministrantenwallfahrt schon von 2006. "Das war einfach ingesamt ein echtes Erlebnis", sagt er. "Die Gemeinschaft", ergänzt Nicole Reimer. Die gibt es zum einen auf dem Petersplatz zu erleben. Am Dienstag, 3. August, treffen sich alle Teilnehmer – erwartet werden 55.000 Jugendliche, davon 45.000 aus Deutschland – vor dem Petersdom zum Abendgebet. Am nächsten Tag nehmen sie an der Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI. teil. Zum anderen kommen die Teilnehmer aus dem Bistum Münster allabendlich – außer am Dienstag – in der Kirche Santa Maria in Trastevere zusammen.

"Ich bin gespannt auf den Petersdom", sagt die 16-jährige Rabea Viermann. "Auf Rom überhaupt", sagt der 17-jährige Stephan Prinz. Spanische Treppe, Piazza Navona – die Anziehungspunkte der Ewigen Stadt werden reihum und beinahe gleichzeitig genannt. Die Hertener dürfen sicher sein: Dort werden sie an den Tagen der Ministrantenwallfahrt auch viele Messdiener treffen. Die Pilger sind an einem Halstuch mit Wallfahrtslogo zu erkennen, das deutsche hat diesmal den Farbton von Vanilleeis.

Der Hitze in Rom wollen die jungen Damen mit Wickelröcken begegnen, die – so hoffen sie – lang genug sind. Die Herren haben nämlich schon ein erstes Problem: Mit kurzen Hosen kommen sie in keine römische Kirche. Zudem packen sie Baseball-Kappen als Sonnenschutz ein.

Einen letzten Tipp möchte auch Matthias Reimer noch loswerden. Trotz des sicher leckeren Angebots in zahlreichen Trattorias – die beste Pizza habe er in Rom dort gegessen, wo er es nicht unbedingt erwartet hätte: "An einem Stand in den Vatikanischen Museen."

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Text: Jens Joest | Foto: Jens Joest in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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