
Rudolf Bösing aus Rhede im Kreis Borken hat lange in Bremen gelebt und verbringt seinen Ruhestand nun in Cloppenburg.
Zum Seniorenmessdienertag – Rudolf Bösing aus Cloppenburg
Voll Ehrfurcht auf der Hobelbank
Cloppenburg. Diese Aufgabe ist Rudolf Bösing immer wichtig gewesen. In Rhede St. Gudula im Kreis Borken war er lange Messdiener, später auch während seiner Zeit bei der Bundeswehr. Dann schoben sich Beruf, Familie und eine aktive Zeit bei Kolping in Bremen dazwischen. Doch jetzt hat er diese Aufgabe neu entdeckt: als Seniorenmessdiener in Cloppenburg St. Andreas.
Ganz so einfach war es früher nicht. Wer Messe dienen wollte, hatte einiges zu lernen. Zum Beispiel eine Fremdsprache, die für Kinder in Rhede St. Gudula im Kreis Borken zunächst völlig fremd war. Als Rudolf Bösing sich vor mehr als 60 Jahren zu den Messdienern meldete, saß er zunächst wochenlang mit den Jungen aus seiner Gruppe zusammen, oft auf einer Hobelbank in der Tischlerwerkstatt, die einem Vater gehörte. Dort brachte ihnen ein Obermessdiener Latein bei, die damals noch allumfassende Sprache der Kirche, ohne die kein Gottesdienst denkbar war.
Rudolf Bösing kann sich noch gut an einen berüchtigten Zungenbrecher erinnern: "Suscipiat Dominus sacrificium de manibus tuis ..." (der Herr nehme das Opfer an aus deinen Händen ...), zu sprechen während der Gabenbereitung.
Oder an das lange und intensive "Confiteor" zu Beginn der Messe, vor den Stufen des Altars. 69 Worte, bei denen der Messdiener froh war, es ohne Verhaspeln in den Schluss "ad dominum deum nostrum" (bei Gott, unserem Herrn) münden lassen zu können.
Verstehen? Jedes einzelne Wort verstehen? Rudolf Bösing schüttelt den Kopf. Zu Anfang verstand der kleine Messdiener überhaupt nichts; die Worte waren eben Teil des Gottesdienstes, die er voll Ehrfurcht zu sprechen hatte. Im Lauf der Jahre erfasste Rudolf Bösing natürlich den Sinn. Und gewann Freude an seiner Aufgabe.
Die Freude wuchs Schritt für Schritt. Die kleinsten Messdiener durften zunächst als so genannte Stummelträger mit Kerzenleuchtern teilnehmen; sie beobachteten die größeren dabei genau, um etwas zu lernen. Der nächste Schritt, so erinnert sich Bösing, war die "Stille Messe" am frühen Morgen, ohne Orgelmusik und ohne Predigt, deshalb oft kaum 20 Minuten lang. Der Höhepunkt für einen Messdiener sei dann der Einsatz im Hochamt am Sonntag gewesen, bei dem man das Kreuz tragen oder dem Priester Weihrauch reichen durfte.
Rudolf Bösing (links) 1958 in Rhede St. Gudula als Mitra-Träger für Weihbischof Heinrich Tenhumberg. |
Für ihn seien zwei besondere Gottesdienstformen wichtig geworden, berichtet Bösing, der sich als großen Marienverehrer bezeichnet: die Andachten im Zeichen der Gottesmutter, im Mai und im Oktober. Vor dem ausgesetzten Allerheiligsten knieten jeweils zwei Messdiener und beteten mit der Gemeinde still den Rosenkranz.
Der große Augenblick für den kleinen Messdiener war dann der Einsatz des Sakramentslieds "Tantum ergo", mit dem der Segen eingeleitet wurde und das Rudolf Bösing begeistert mitsang.
Da galt es aber auch genau aufzupassen; denn mit dem Beginn der zweiten Strophe ("Genitori genitoque") musste Bösing aufstehen und dem Priester das Velum umlegen, einen besonderen Mantel für den Segen. Große Erlebnisse für den Messdiener, die er nie vergessen hat.
Wie wirken denn die Gottesdienste heutzutage auf ihn, das Auftreten und das Dienen einer neuen Generation von Ministranten? Bösing wiegt den Kopf, schließlich weiß der Vater von drei Söhnen und Großvater von fünf Enkelkindern, dass sich die Zeiten geändert haben. Aber glücklich sei er natürlich nicht, wenn bei jedem Gottesdienst einige der vorgesehenen Messdiener fehlten oder der Dienst, anders als früher, oft ungeschickt versehen werde.
Aber dann betont er doch nachdrücklich: "Wenn die Eltern nicht mehr zur Kirche gehen, woher sollen dann gute Messdiener kommen? Die Eltern müssten das Wort Gott viel öfter und ganz selbstverständlich in den Mund nehmen."
Die Jugend heute brauche Vorbilder, genau wie zu seiner Zeit auch. Bösing erinnert sich zum Beispiel an seine Schulzeit, als die Eltern ihn mit seinen Geschwistern jeden Morgen zur Frühmesse um viertel nach sieben schickten, mit dem Schulranzen auf dem Rücken. Oder an deren persönliche Frömmigkeit: "Meine Eltern gingen sonntags immer zwei Mal zur Kirche, einmal frühmorgens in die ›Stille Messe‹, um nüchtern kommunizieren zu können. Und nach dem Frühstück dann um elf Uhr noch einmal in das Hochamt mit Predigt." Den jungen Rudolf hat das tief beeindruckt und ein Leben lang begleitet.
Bösing hat sich nach seiner Elektrikerlehre von Rhede auf den Weg gemacht, lebte erst in Osnabrück, dann in Bremen, wo er heiratete und mit seiner Frau drei Kinder groß zog. Später, als Witwer, lernte er seine zweite Frau Lydia aus Molbergen kennen; mit ihr zog er nach Cloppenburg.
Dort übernahm er neben dem Vorsitz der Kolpingsfamilie eine Aufgabe, die ihn an den Anfang seines kirchlichen Lebens zurückführte: auf Bitten von Pfarrer Hartmut Niehues übernahm er als "Seniorenmessdiener" den Einsatz bei Beerdigungen und den anschließenden Gottesdiensten.
Dann trägt er für den Pfarrer den Weihwasserkessel oder das Kreuz, hilft bei einem würdevollen Verlauf. Lateinisch sei dann nicht mehr gefragt, das gibt er zu. Aber Ehrfurcht, Andacht, Stille – alle diese Tugenden aus seiner jungen Messdienerzeit kommen ihm hier wieder zugute.
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Text: Franz Josef Scheeben | Fotos: Franz Josef Scheeben, privat in
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