
Bischof Felix Genn spendet der Gefangenen Steffi G. in Cloppenburg Sankt Josef die Sakramente der Taufe.
Erwachsenentaufe beim Oldenburger Jugendtag
Freigang für die Taufe – Freiheit vielleicht im Februar
Cloppenburg/Vechta. Steffi H. hatte dafür extra "Freigang" bekommen: Für den Gottesdienst zum Abschluss des Oldenburger Jugendtages mit Bischof Felix Genn. Eigentlich sitzt sie eine mehrjährige Haftstrafe im Vechtaer Frauengefängnis ab. Die Messe in der Cloppenburger Josefs-Kirche bedeutete für die 29-Jährige etwas ganz Besonderes: Sie empfing dabei die Taufe und das Sakrament der Firmung. Kirche+Leben hatte sie vorher im Gefängnis besucht.
"Ein Vaterunser abends nach der Arbeit hilft mir, ruhig zu werden. Und so ein Rosenkranz – das ist etwas ganz Spezielles. Da fühle ich mich anschließend wie neu geboren." Steffi H. lächelt.
In ihrer Zelle im Vechtaer Frauengefängnis könnte sie sich nach der Schicht in der Gefängnisküche auch vor die Glotze setzen.
"Fernsehen, DVD, alles da", sagt sie. "Aber mit der Bibel oder meinen Rosenkranz fällt es mir nach Alltag und Trubel einfach leichter, runterzukommen und ruhig zu werden."
Dabei wusste sie bis vor vier Jahren gerade mal, dass es bei den Christen so ein Gebet mit Namen "Vaterunser" gibt. "Und heute kann ich es auswendig."
Zeit zum Lernen hat sie hinter Gittern genug, kaum hundert Meter entfernt von den Glocken der Propsteikirche, an deren Klang sie sich mit den Jahren gewöhnt hat.
Steffi H. weiß: Da ist irgend-etwas passiert mit mir. In ihrer Kindheit in der ehemaligen DDR kam Kirche jedenfalls nicht vor, weder in der Familie noch in der Schule. Mit "Weihe" konnte dort nur die übliche Jugendweihe gemeint sein. Ihre Eltern nicht getauft, die Oma aus der evangelischen Kirche ausgetreten. "Ich bin bis zu meiner Haft noch nie in einem Gottesdienst gewesen", sagt Steffi H. Und jetzt steht sie kurz vor ihrer eigenen Taufe.
"Wenn schon taufen, dann wenigstens evangelisch", so hatte die Oma ihr geraten, als sie von den Plänen ihrer Enkelin hörte. Aber Steffi H. schüttelt den Kopf und spricht vom "Bauchgefühl", das sie zur katholischen Kirche geführt habe. Und von Pastoralreferentin Josefine May.
Hier im "Büro" der Gefängnis-Seelsorgerin hat sie schon oft gesessen: eine umfunktionierte Zelle mit Schreibtisch, ein paar Stühlen um einen runden Tisch, einer Kaffeemaschine mit Wasserkocher in der Ecke, zwei Gitarren, an den Wänden Kreuze und ein Plakat mit dem Gebet "Von guten Mächten wunderbar geborgen".
Am Anfang ein Gespräch
Steffi H. erinnert sich noch lebhaft an das erste Gespräch mit der Seelsorgerin. "Es ging mir nicht gut. Ich steckte in einem Tief. Und wir haben fast vier Stunden geredet."
Josefine May muss damals die richtigen Worte gefunden haben. Denn sie beeindruckte Steffi H. von Anfang an: "Ihre Art und Weise, den Glauben zu vermitteln. Das hat mich neugierig gestimmt." Steffi H. trat in den Chor bei, ging immer öfter zu den 9-Uhr-Messen am Sonntag in der Gefängniskirche, spürte, dass in ihr etwas Neues, Ungewohntes geweckt war.
"In vielen Frauen hier gibt es diese Tiefe Sehnsucht nach religiösen Fragen", erklärt Josefine May. Nach fast zehn Jahren Dienst im Vechtaer Gefängnis weiß sie: "Viele beten abends – auch wenn nicht alle das zugeben würden." Sonntags komme fast die Hälfte zu den Gottesdiensten, Weihnachten fast alle.
Auch die Pastoralreferentin spürte: Bei Steffi H. war da noch mehr. Die junge Frau wollte alles genau wissen, fragte weiter nach, betete, begann, sich wichtige Stellen oder Psalmen abzuschreiben.
"So hatten wir irgendwann auch über die Möglichkeit einer Taufe gesprochen", sagt Josefine May. "Aber wir wollten warten, nichts voreilig machen. Es soll ja eine Entscheidung sein, die dauerhaft trägt."
Gott und Glaube sind das eine – aber da ist auch noch das "Päckchen", an dem ein Verurteilter eben zu tragen hat. Steffi spricht über ihre Schuld. Der Begriff "Betrug" fällt. Und dass alles nach ihrer Entlassung "ganz anders" werden müsse. Sie nickt. "Es ist gut, dass ich hier bin. So hat es endlich ein Ende. Ich brauchte diese Zeit einfach."
Ganz am Anfang, in den ersten Wochen im Gefängnis, war das noch anders: "Da habe ich überlegt, dass ich es vielleicht einfach nur noch etwas geschickter anstellen müsse." Um sich bei den Gaunereien nicht erwischen zu lassen."
Aber solche Gedanken seien Vergangenheit. "Ich habe gelernt, dass es der falsche Weg war. Dass ich mich ändern muss."
Und da sind diese neuen Begriffe. Wörter, mit denen sie früher so gar nichts anfangen konnte: "Gnade", "Vergebung", "Verzeihen", "Buße". Steffi H. lächelt. Deren Sinn habe sie erst jetzt richtig verstanden.
Den anderen lieben wie sich selbst – auch darin hat ihr der Glaube einen neuen Weg aufgezeigt. "Dass es erst einmal wichtig ist, sich selbst anzunehmen und zu lieben." Das sei leichter, wenn man wisse, dass Gott einen so annimmt und liebt wie man ist.
Wieder lächelt sie und spricht von der Hoffnung für die Zeit nach der Haft. Eine Verhaltens-Therapie will sie machen, um schädliche Denk- und Verhaltensmuster noch mehr zu überwinden.
Eine neue Stadt zum leben soll es werden, vielleicht mir ihrem Freund, mal sehen. Josefine May will ihr helfen, wenn möglich Kontakt zu einer Gemeinde oder einem Chor vermitteln.
Mit einer Sache muss sie allerdings selber fertig werden: Das sind ihre Schulden, die sich aus ihren Vergehen angesammelt haben. Steffi H. zuckt mit den Schultern. "Das ist nicht zu ändern."
Immerhin haben Zeit und gute Führung manches erleichtert. Ihr Freund aus Hamburg darf sie zweimal im Monat für zwei Stunden besuchen – ohne Aufsicht. Ihr Vollzug ist mittlerweile gelockert, ab und zu darf sie in Begleitung das Gefängnis verlassen.
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Text: Michael Rottmann | Foto: Andreas Böhm in
Kirche+Leben
07.06.2010
Hildegard von Bingen
Die Benediktinerin Hildegard von Bingen ist von Papst Benedikt XVI. zur Heiligen der Universalkirche erhoben worden.
Service für Sie
Spruch des Tages
Reden, Fragen, Antworten finden
Seelsorger/-innen
Heiligenlexikon in "kirchensite.de"
im
Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:
Kontakt
kirchensite-Redaktion:
redaktion
kirchensite.de
Lebenshilfe+Seelsorge:
Martin Weber
weber
kirchensite.de
Technik:
technik
dialogverlag.de













Newsticker für Ihr Web