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11.02.2012
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Vredener Tafel.

Lucia Niehues, Margret Reichelt und Waltraud Nienhaus (von links) sichten und sortieren die gespendeten Lebensmittel, um sie an die Kunden der Vredener Tafel auszugeben.

Seit drei Jahren gibt es in Vreden eine Ausgabestelle für Lebensmittel

Eine Tafel mit Service und Bringdienst

Vreden. Nicht alle Menschen haben ihr täglich Brot – und dennoch gibt es Lebensmittel im Überfluss. Die Tafeln bemühen sich um einen Ausgleich – für die Bedürftigen ihrer Stadt. Die Tafeln helfen so diesen Menschen, eine schwierige Zeit zu überbrücken, wie das Beispiel der Vredener Tafel zeigt.

"Es gibt auch Menschen, die sich nicht trauen, zur Tafel zu kommen", sagt Gabriele Waning. Sie hätten Angst davor, gesehen zu werden und befürchteten, dass ihre Armut in der Nachbarschaft offensichtlich wird, erklärt die Vorsitzende der Vredener Tafel. Diesen Kunden – es sind nur wenige der rund 200 – bringen die Helfer die Waren von der Tafel auch nach Hause. Außerdem besuchen die Ehrenamtlichen einige ältere und kranke Kunden und übergeben ihnen dabei die Lebensmittel.

Agnes Schultingkemper erledigt das regelmäßig. Sie hat dabei die Erfahrung gemacht, dass sich manche nicht nur über die Waren freuen, die indirekt ihre kleine Rente aufbessern. "Viele sind einfach nur froh, einmal mit jemandem reden zu können", sagt Schultingkemper, die stellvertretende Vorsitzende der Vredener Tafel ist. Seit Jahren setzt sie sich auch für den Vredener Verein "Familie in Not" ein. In dieser Zeit habe sie bereits mehrere "leere Kühlschränke" gesehen, sagt sie. Darum unterstütze sie die Tafel durch ihr Engagement.

Vor drei Jahren gaben die Ehrenamtlichen erstmals in Vreden Lebensmittel an bedürftige Menschen aus. Die Idee, eine Tafel zu gründen, war im so genannten Vredener "Bündnis für Familie" entstanden. Darin hatten sich ein Jahr zuvor Politiker mit Vertretern der Kirchen, Schulen, Vereine und sozialer Einrichtungen in der Stadt zusammengeschlossen.

Einige der Bündnispartner engagieren sich auch im Beirat der Tafel, die als unabhängiger Verein arbeitet. Dazu zählen zum Beispiel die katholische und evangelische Gemeinde der Stadt sowie der Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) Ahaus-Vreden. Etwa 100 Ehrenamtliche setzen sich bei der Tafel ein. Sie holen die Waren bei den Supermärkten ab, sortieren sie und geben sie montags, mittwochs und samstags an die Kunden aus.

Die Lebensmittel stammen aus Überproduktionen oder stehen kurz vor Ablauf ihres Mindesthaltbarkeitsdatums. Jeder Kunde zahlt einen Eigenanteil von 1,50 Euro, Familien zahlen drei Euro für die Lebensmittel. Davon kann die Tafel einen Teil der Kosten für Miete, Strom und den Lieferwagen bezahlen.

Bis heute arbeitet die Tafel eng mit der Stadt in Vreden zusammen. Dort werden die Berechtigungsscheine ausgestellt, die jeder Kunde bei der Ausgabe der Waren vorzeigen muss. "Es war uns wichtig, dass nicht wir die Kriterien festlegen", sagt Waning.

Bereits vor der Gründung der Tafel war das Vorbereitungsteam unsicher, wie viele Menschen auf diese Hilfe angewiesen sind. "Wir wussten auch nicht, wie viele Waren wir bekommen." Darum habe man sich gemeinsam dazu entschieden, zuerst nur die Menschen in die Kundenkartei aufzunehmen, die von noch weniger Geld leben müssen als ein Hartz-IV-Empfänger. Das seien zum Beispiel diejenigen, die wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten könnten, aber auch alleinstehende Rentner.

Als deutlich wurde, dass man den Kundenkreis etwas weiter spannen könnte, wurden auch bestimmte Gruppen von Hartz-IV-Empfängern aufgenommen, sodass auch sie die Tafel in Vreden nutzen konnten. Das galt zu Anfang allerdings nur für Familien mit drei und mehr Kindern. Inzwischen ist diese Grenze auf zwei Kinder gesunken.

Hartz-IV-Empfänger müssen sich allerdings ihren Berechtigungsschein beim SKF ausstellen lassen. Das habe damit zu tun, dass die Stadt die Ansicht vertrete, die Hartz-IV-Regelsätze reichten zum Leben aus, erklärt Waning. Und während die Scheine im Rathaus einfach ausgestellt würden, überprüfe der SKF auch den Bedarf, bevor die Berechtigung erteilt werde, berichtet Michael Mehring, Geschäftsführer des SKF Ahaus-Vreden.

Wenn die Menschen zu ihm kämen, um Kunde der Tafel zu werden, werde in den Gesprächen oft deutlich, dass ihnen nicht nur durch die Lebensmittel der Tafel weiter geholfen werden könne. Diesen Menschen stelle er den Berechtigungsschein aus, und gleichzeitig vermittele er sie an andere Beratungsstellen wie Sozial-, Sucht- oder die Schuldnerberatung. In manchen Fällen nehme er die Kunden nur für kurze Zeit in die Kartei der Tafel auf, um für sie einen Anreiz zu schaffen, die Beratung beim SKF fortzusetzen und wiederzukommen.

Die Vredener Tafel möchte ihren Kunden bald einen Kochkursus anbieten. "Mit Weißkohl oder Wirsing zum Beispiel wissen viele nichts anzufangen", sagt Waning. Bei der Ausgabe der Lebensmittel versuchten die Helferinnen und Helfer zwar zu erklären, wie man das Gemüse zubereiten könne, aber zur Weitergabe eines guten Rezepts reiche die Zeit dann meist nicht aus, erklärt Waning.

Seit einigen Monaten bekommt die Tafel in Vreden weniger Ware von den Supermärkten. "Viele Ketten verkaufen die Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, inzwischen lieber selbst", sagt Waning. So bleibe für die Tafel immer weniger übrig.

Text: Georg Thomas | Foto: Georg Thomas in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
19.04.2010

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