
Lehrerin Anja Düpmann hilft den Kindern im Kommunion-Kursus.
Mädchen und Jungen empfangen erstmals die Kommunion
Jesus soll zum Freund werden
Warendorf. Kinder der Heinrich-Tellen-Schule für geistige Entwicklung in Warendorf bereiten sich in einer eigenen Gruppe auf die Erstkommunion vor.
Gelungenes Beispiel für Integration: Im Kreis Warendorf werden viele Kinder mit Behinderungen gemeinsam mit ihren nicht behinderten Altersgenossen in den jeweiligen Gemeinden auf ihre Erstkommunion vorbereitet. Doch immer funktioniert das nicht – vor allem, wenn Mehrfachbehinderungen oder schwerer Autismus vorliegen. Manche Kinder mit Handicap können nicht lesen und schreiben, anderen fällt es extrem schwer, still zu sitzen und sich zu konzentrieren. Die Heinrich-Tellen-Schule für geistige Entwicklung in Warendorf hat deshalb in diesem Jahr wieder eine eigene Kommunionkinder-Gruppe eingerichtet, in der neun Jungen und Mädchen in geschützter Umgebung an das Thema herangeführt werden.
Die beiden Lehrerinnen Margund Kleine und Anja Düpmann wissen, worauf es dabei ankommt. Sie versuchen, den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten und die Inhalte so einfach wie möglich aufzubereiten. Praktische Tätigkeiten wie Malen und Basteln nehmen breiten Raum ein – auch wenn nicht alle daran teilnehmen können.
Nach dem Motto "Weniger ist mehr" setzen die Lehrerinnen statt auf Texte vor allem auf leicht verständliche Bilder und Piktogramme. Was sie erklären, unterstreichen sie mit Gebärden. Außerdem bauen sie Rituale ein. Das soll den Kindern Sicherheit und Orientierung geben.
Ein Beispiel ist das Thema "Jesus ist dein Freund", das in einer der Stunden, in denen sich die Kinder auf ihre Erstkommunion vorbereiten, auf dem Programm steht. Dazu holt Margund Kleine jedes Mal zu Anfang der Stunde die "Kommunionkiste" hervor – einen großen, mit goldenem Geschenkpapier beklebten Karton. Inhalt: eine Decke, ein Kreuz, eine Klangschale und eine Kerze, die die Kinder mit bunten Punkten selbst gestaltet haben. Mit diesen Utensilien schmücken die Jungen und Mädchen einen Tisch in der Mitte des Raums. Dann zeigt die Lehrerin ein Bild vom Abendmahl. Ob die Kinder wissen, wer in der Mitte sitzt? Was für eine Frage: "Jesus!"
Zufrieden hält Margund Kleine ein anderes Bild in die Runde: eine einfache, schwarz-weiße Zeichnung, auf der Jesus zu sehen ist. Er sitzt an einem Tisch, vor ihm liegen Brot und Wein. Der Platz gegenüber ist leer. "Wer könnte dort sitzen?", will die Lehrerin wissen. Eine Zeitlang herrscht Schweigen – bis Alisa vorprescht. "Ich will da sitzen", ruft das Mädchen. Nun ist das Eis gebrochen. Auch Verena, Henrik, Michaela und die anderen Kinder der Gruppe wollen Jesus gegenüber Platz nehmen. Es entsteht Unruhe, doch Margund Kleine weiß damit umzugehen. Schnell verteilt sie Kopien der besprochenen Zeichnung. Die Kinder sollen sie ausmalen.
Außerdem zaubert die Lehrerin Fotos der Kinder aus der Tasche. Diese Bilder sollen die Schüler auf dem Platz gegenüber von Jesus einkleben und sich damit symbolisch an seinen Tisch setzen. Eifrig machen sich die Kinder ans Werk. Einkleben allein reicht ihnen aber nicht. Sie malen noch Körper, Arme und Beine dazu. "Jesus ist euch nah, er ist euer Freund", erklärt die Lehrerin. Was das bedeutet, wissen die Schüler. "Ein Freund hilft mir und hat mich lieb", sagt Alisa. Margund Kleine lächelt. Die Kinder haben verstanden, worum es geht.
Am 9. Mai gehen die Jungen und Mädchen in der ehemaligen Klosterkirche in Warendorf zur Erstkommunion. Das Gotteshaus wollen sie demnächst mit ihrer Lehrerin besuchen. Kaplan Timo Holtmann von der St.-Laurentius-Gemeinde in Warendorf wird den Gottesdienst feiern. Er hat die Schüler besucht. Brot gebacken haben die Kommunionkinder, sie haben gemalt, gebastelt und gesungen – wie andere Kinder auch. Das Kreuzzeichen können sie schon. Aber auch das "Vaterunser" steht auf dem Unterrichtsplan.
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Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in
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