
Michael Lemkens (von links), Manuela Kempkens, Isabell Schnitzler, Joachim Domogala (hinten rechts) sowie Lisa Hoeps fangen die Schülerin Diep-My Nguyen im Rahmen der elften Station auf.
Moderner, mobiler Kreuzweg in der Liebfrauenrealschule in Geldern
"Schutzraum" Kirche verlassen
Geldern. Religionsunterricht mit Farbe, Pinsel, Hammer und Säge? Joachim Domogala und Michael Lemkens, Religionslehrer der bischöflichen Liebfrauenrealschule für Mädchen in Geldern, wagten mit ihren beiden Klassenjahrgängen im vergangenen Jahr eine ungewöhnlich praktische Methode. In ihrem Unterrichtsprojekt transportierten Schüler und Lehrer den Leidensweg Jesu anschaulich in die heutige Zeit.
Mit ihren 14 Bild- und Texttafeln wagten sich Schülerinnen und Lehrer während der Fastenzeit 2009 in die Öffentlichkeit. Die Schülerinnen verließen bewusst mit ihrer modernen Kreuzweg-Inszenierung den "Schutzraum Schule oder Kirche" und positionierten die acrylbemalten Hartfaserplatten ins öffentliche Leben. Zwei Wochen lang hatten die Gelderner Bürger Gelegenheit, einmal einen ganz anderen Kreuzweg zu gehen.
Anregende Gespräche
Joachim Domogala schildert die damalige Reaktion: "Die Öffentlichkeitswirkung des Schulprojekts war gigantisch, weil die Aufsteller vor den Geschäften für Gesprächsstoff sorgten." Eine unverhoffte Begegnung mit einem religiösen Thema im Alltag, das verursachte bei vielen Geldernern anregende Resonanz.
Diese ungeahnte Reaktion der Aktion bestärkte beide Pädagogen in diesem Jahr, die Stellwände innerhalb des Schulgebäudes und im angrenzenden Berufskolleg noch einmal zu positionieren. In der Pausenhalle beispielsweise laufen Schülerinnen und Lehrkräfte an einer Perspektive vorbei, die Personen auf einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Feld zeigt.
Auf der Rückseite der ersten Station (Jesus wird zum Tode verurteilt) steht die Interpretation: "Wir denken an alle Menschen, die verleumdet, verurteilt, abgeschrieben und ausgegrenzt werden." Bis zu den Osterferien passieren die Teenager jene Bilder, die dafür sensibilisieren sollen, dass die Passionsgeschichte Jesu im Leiden der Menschen jeden Tag neu fortgesetzt wird.
"Wir greifen das Projekt gern erneut auf, weil es sich anbietet, in Religion das Thema während der Fastenzeit noch einmal näherzubringen", meint Religionslehrer Lemkens.
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Text: Helena Gerbecks | Foto: Helena Gerbecks
29.03.2010
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