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11.02.2012
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Gespräch in der Redaktion des Magazins "America".

Gespräch in der Redaktion des Magazins "America": die Jesuiten Leo O'Donovan (l.) und Chefredakteur Drew Christiansen.

16 Studenten aus Münster auf Studienreise in den USA

Die Andersartigkeit des Christseins

Münster. Es ist Sonntagabend, kurz nach 19 Uhr. Die Türen der Kapelle öffnen sich, und viele junge Menschen strömen heraus. Ein lebendiges Stimmengewirr ist zu vernehmen. Erst sind es nur Sprachfetzen, dann sind immer deutlicher Worte auf Spanisch herauszuhören.

Ein Mal im Monat feiern die spanischsprachigen Studenten der Georgetown-Universität von Washington einen Gottesdienst in ihrer Muttersprache. An diesem Sonntag ist es die insgesamt fünfte Messe; zwei weitere sollen noch folgen. Gut besucht sind sie alle. Die katholische Universität der US-amerikanischen Hauptstadt kann die größte Studentengemeinde der Vereinigten Staaten vorweisen und verfügt neben katholischen, protestantischen und orthodoxen Seelsorgern auch über einen eigenen Rabbi und einen Imam.

Erklärungsversuche

Es sind für Deutschland weitestgehend fremde Dimensionen, die nach Erklärungsversuchen verlangen. Auf eine Spurensuche haben sich 16 Studierende verschiedener Fakultäten der Universität Münster im Rahmen einer Studienreise der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde (KSHG) gemacht. Gemeinsam mit einem Leitungsteam, bestehend aus Studentenpfarrer Rafael van Straelen und Mitstudent Johannes Kleiner, widmeten sich die Studenten auf ihrer Reise mit Stationen in New York, Washington, Berkeley und San Francisco der Frage nach der Andersartigkeit des Christseins in den USA und der Verknüpfung politischer und religiöser Zusammenhänge.

Der Besuch in den Redaktionen zweier katholischer Wochenmagazine stand in New York auf dem Programm. Die in den 1920er Jahren von Laien gegründete Zeitschrift "Commonweal" versteht sich als christlich-katholische Alternative zu säkularen Magazinen in den USA und als Zeitschrift, die einem großen Meinungsspektrum gerecht wird.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts bedient das von den Jesuiten verlegte Magazin "America" das konservativere Leserspektrum. Lange Zeit als Minderheit behandelt, bekommen die Katholiken durch die großen Zuwanderungszahlen aus Lateinamerika immer mehr Gewicht. Laut Prognosen sollen sie die Zahl der Protestanten schon bald übersteigen. In der Gesellschaft ohnehin präsent, sollen die katholischen Bürger nach Willen der Zeitungsherausgeber auch in der Presse vertreten sein.

Soziales Netzwerk

Erhellend für das Verständnis der Funktion und Bedeutung von Kirche in den USA war für die Studierenden ebenso das Zusammentreffen mit Norbert Wagner, dem Repräsentanten der Konrad-Adenauer-Stiftung in den USA in Washington. Dadurch, dass die Menschen in den USA wesentlich weiter auseinander wohnten und das Sozialsystem bei weitem nicht so umfangreich sei wie in Deutschland, komme den Kirchen eine völlig andere, besonders auch auf den sozialen Bereich gemünzte Bedeutung zu, berichtete Wagner. Der Gottesdienst und das sich anschließende Beisammensein der Gemeinde seien enorm wichtig für die Aufrechterhaltung des sozialen Netzes, erläuterte Wagner weiter.

Einblicke in die politische Wirklichkeit Amerikas bekam die Reisegruppe in einem Gespräch mit dem Kongressabgeordneten James Sensenbrenner aus dem US-Staat Wisconsin. Gut informiert über die deutsche Politik und Europa, machte er aus seinen republikanisch-konservativen Ansichten keinen Hehl: Eine generelle, verpflichtende Krankenversicherung für alle US-Bürger, wie Präsident Barack Obama sie vorgeschlagen hat, hält er für falsch. Seiner Meinung nach würde die Versorgung der Menschen durch ausschließlich auf Profit ausgerichtete Versicherungen nicht verbessert. Es sei im Ermessen und der Freiheit jedes Menschen, sich für oder gegen eine solche Versicherung zu entscheiden, begründete Sensenbrenner seine Haltung.

Eliteuniversität und Armutsviertel

Die letzte Station der Reise führte die Studenten nach Berkeley und San Francisco, wo sich die jungen Menschen mit dem Kontrast von Eliteuniversitäten und Armenvierteln auseinander setzten. So besuchten sie eine Gemeinde, die Obdachlosen in ihren Kirchenräumen über Tag einen Platz zum Schlafen bietet. In der Einrichtung "St. Anthony's", die täglich 2.000 bis 3.000 Mittagessen verteilt, mischten sich die Studenten unter die Bedürftigen, um mit ihnen und den vielen Freiwilligen ins Gespräch zu kommen und direkte Einblicke in das Leben von Armen und Helfenden zu bekommen.

So verschieden wie die Gottesdienstbesucher sind auch die Probleme, Herausforderungen und Chancen, vor denen die US-amerikanische Kirche, vor allem auch die katholische, steht. Durch ihren Status als Schmelztiegel von Einwanderern unterschiedlichster Herkunft und einer daraus folgenden einzigartigen sozialen, religiösen und politischen Struktur ist die weitere Entwicklung der USA in kirchlicher und religiöser Hinsicht nicht klar vorhersehbar. Voll werden die Gottesdienste aber in absehbarer Zeit sicher bleiben. Auch am Sonntag um 23 Uhr.

Text: Juliane Plöger | Foto: Juliane Plöger
10.03.2010

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