
Michael Fleiter bei einer Führung durch die St.-Margareta-Kirche in Wadersloh.
Fünf neue Kirchenführer bereiten auf ihr Ehrenamt vor
In der Mitte des Glaubens
Wadersloh. Wadersloh rührt die Werbetrommel für seine Kirche St. Margareta. Führungen durch das neugotische Gotteshaus werden seit kurzem auch im Programm des Stadtmarketings angekündigt. Das zahlt sich aus, denn die Zahl der Interessenten, die die Kirche besichtigen möchten, ist sprunghaft gestiegen. Kamen früher etwa 20 Personen für die Führung zusammen, sind es mittlerweile schon fast 50.
Das freut den Rektor der St.-Ida-Schule in Lippetal-Herzfeld, Michael Fleiter, der lange Zeit der einzige Kirchenführer in seiner Heimatgemeinde war. Jetzt bekommt er Unterstützung von fünf Frauen und Männern, die sich derzeit intensiv auf ihr neues Ehrenamt vorbereiten. Einer von ihnen ist Christian Berensmeier. "Ich finde es schade, dass unsere Kirche vielen fremd geworden ist", bedauert der Erzieher. Er verbindet schöne Kindheitserinnerungen mit dem Gotteshaus. Wer sich Zeit nehme, könne viel entdecken. Dabei denkt er besonders an die prächtigen Kirchenfenster über dem Hochaltar und, speziell in der Fastenzeit, an die großen seitlichen Fenster, die den Kreuzweg zeigen.
Die Kirche als spirituellen Raum erfahrbar machen wollen auch Annegret Schurrock und Maria Bouschery. Ihnen ist wichtig, dass Kirchenführungen keine trockene Angelegenheit sind. "Kunsthistorische Kenntnisse zu vermitteln, sollte nicht im Vordergrund stehen", sind die beiden Frauen sich einig. Vielmehr gehe es darum, den Besucher in die Mitte des Glaubens zu führen. Um sich vorzubereiten, haben sie viel historisches Material durchgearbeitet.
Annegret Schurrock hat bereits erste Führungen absolviert, zur Übung vor Familienangehörigen und Bekannten. Der vierte im Bund ist Werner Eckey. Der Polizeibeamte arbeitet seit Jahren als Gästeführer für das Gemeindemarketing in Diestedde. Führungen durch die Wadersloher Pfarrkirche übernimmt er jetzt zusätzlich. "Dabei lernt man auch selbst viel Wissenswertes und trainiert gleichzeitig die Fähigkeit, vor Publikum frei zu reden", hat Eckey erfahren.
Die Aufgabe, Wissen zu vermitteln, ohne die Zuhörer zu langweilen, ist für Michael Fleiter tägliches Brot. Der Schulleiter schätzt, dass 70 Prozent der Teilnehmer an Kirchenführungen aus der eigenen Gemeinde kommen. Für seine Zuhörer bereitet er daher ein schmackhaftes Menü aus historisch Wissenswertem und Glaubensinhalten vor, gewürzt mit Anekdoten und lustigen Erinnerungen an seine eigene Kindheit. Als Junge sei er in Lederhosen auf dem staubigen Dachboden herumgerutscht, erzählt der Pädagoge. Das kommt bei den Leuten an.
"Wollen Sie noch mehr hören?", fragt der Kirchenführer seine Gäste gut gelaunt und führt sie nach gut eineinhalb Stunden Rundgang noch zu einem alten Türsturz, über den es ein peinliches Missgeschick zu berichten gibt. Der wertvolle alte Tympanon sei bei einer früheren Renovierung mit dem Relief nach innen eingebaut worden, berichtet der Kirchenführer schmunzelnd. Der versierte Redner weiß um die Wirkung solch kleiner Geschichten am Rand. "Sie sind das Salz in der Suppe."
Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in
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