
Mit den Steyler Missionschwestern kümmert sich Annemarie Klocke (Mitte) um die Krankenstation in Atakpamé in Togo.
Engagement für die medizinische Versorgung der Menschen in Togo
Der Traum wurde Wirklichkeit
Hamminkeln / Togo. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Nach rund einem Jahr hat die Krankenstation in Atakpamé (Togo), unterstützt von den Spenden der Aktion "Togo – neuer Horizont" in Hamminkeln, monatlich mehr als 600 Patienten behandelt.
Atakpamé ist die fünftgrößte Stadt in Togo. Sechs Flugstunden und 161 Kilometer Sandpiste trennen Annemarie Klocke in Hamminkeln von der seit April 2009 in Betrieb genommenen Krankenstation in Togo. Sieben Jahre lang hat sich die 62-jährige Kinderkrankenschwester für den Bau dieser Station engagiert, hat Spender geworben und Informationen verteilt. Um das Projekt zu stützen, hat sie die Gruppe "Togo – neuer Horizont" ins Leben gerufen, einen Kreis von Freunden und Gleichgesinnten in Hamminkeln und im Münsterland, der insgesamt rund 130.000 Euro für das Projekt gesammelt hat. Eine stolze Summe, die vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit 36.000 Euro aufgestockt wurde.
Mit einer Idee im Gepäck
Klocke hatte auf einer Safari vor etwa 30 Jahren Kenia kennen gelernt. Während ihres Aufenthaltes in Ostafrika kam sie mit Entwicklungshelfern ins Gespräch und mit einer Idee im Reisegepäck zurück: dem Bau einer Krankenstation. Zurück in Deutschland, schien vieles zunächst wichtiger: die drei Kinder mussten großgezogen werden, und das lokale Engagement rückte in den Vordergrund. Erst als sie vor zehn Jahren in ihren Beruf zurückkehrte und mit afrikanischen Migranten ins Gespräch kam – viele von ihnen kamen aus Togo, Ghana oder dem Benin – wurde der Wunsch wieder wach, eine Krankenstation aufzubauen.
Klocke reiste in Länder wie Togo, Ghana oder Benin. In der ehemaligen deutschen Kolonie Togo fand sie noch Reste der früheren imperialen Verwalter: Bunker und Strommasten, aber auch Brücken und ältere Gebäude erzählen Historie. Dies, so sagt sie, sei Anstoß gewesen, nicht nur aus rein sozialer und humaner Motivation zu handeln, sondern auch aus einer historischen Verantwortung.
Zurück in Deutschland, war die Entscheidung schnell gefallen: Sie wollte einem dieser Länder helfen, indem sie dort eine Krankenstation aufbaute. In einem Land, in dem pro 20.000 Einwohner lediglich ein Arzt zur Verfügung steht. In Togo, einem der ärmsten Länder überhaupt, sind auch heute noch die Medikamente unerschwinglich, ist die medizinische Versorgung nur ungenügend gewährleistet.
Als medizinische Fachkraft konnte Klocke den Mangel auf ihren Reisen nur zu gut ermessen. Schon in ihrer Urlaubszeit begann Klocke zu planen, Gespräche zu führen und sich im Bereich von Gesundheitsämtern und Verwaltung umzuhören. Fast zwei Jahre benötigte sie, um alle Informationen, Anträge und Genehmigungen zusammenzubringen.
Im September 2004 gründete Klocke in Deutschland den gemeinnützigen Verein "Togo – Neuer Horizont", dem folgte das Pendant vor Ort "Togo – Nouvel Horizon". In ihrer Abwesenheit schaute Pater Marian Schwank nach dem Rechten. Der Generalsekretär der Caritas, ein Pater der Steyler Missionare, lebt schon mehr als 30 Jahren in Togo und steht Klocke mit praktischem Rat zur Seite. Ihm verdankt die deutsche Krankenschwester auch den Kontakt zu den beiden Schwestern Velia und Neeta, ebenfalls Ordensfrauen der Steyler Mission, die die Leitung der Krankenstation übernahmen und seit April 2009 auf der Station in Atakpamé leben.
Großzügige Sachspenden wie ein Krankenwagen oder auch medizinische Geräte gewährleisten die Behandlung der Hilfesuchenden. Seit der Eröffnung der Krankenstation werden im Monat durchschnittlich 630 Patienten ambulant versorgt. Entbindungen, kleinere Operationen und die reguläre medizinische Grundversorgung gehören zu den alltäglichen Hilfeleistungen durch die Schwestern.
Die Planungen gehen weiter: Für das Jahr 2011 sind ein eigenes Wohnhaus für die Schwestern, ein notwendiger eigener Brunnen für die tägliche Wasserversorgung, eine Verbrennungsanlage und in naher Zukunft eine eigene Kinderbetreuung geplant. Darüber hinaus werden in Zukunft Patenschaften gefördert. Auch in diesem Fall ist der Verein "Togo – Neuer Horizont" gefordert.
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Text: Inge Marie Drachter | Foto: privat in
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