
Stefan Zekorn.
In Kevelaer hat die Beichte Konjunktur
Beichten ist eine Hilfe in Krisen
Kevelaer. Manchmal hilft es, niemanden anschauen zu müssen. Vielleicht dann, wenn viel Mut zur Aussprache gehört. Oder die Scham überwiegt. Dann beichten Menschen kniend hinter einer hölzernen Gitterwand und bleiben anonym. "Das kann eine Hilfe sein", sagt Stefan Zekorn, Wallfahrtsrektor und Pfarrer von St. Marien in Kevelaer. Doch auch die Beichte in Gesprächsform, am Tisch dem Beichtvater gegenüber, ist beliebt. Welche Form man wählt, "ist keine Frage des Alters, sondern des persönlichen Geschmacks, abhängig von der Lebenssituation", sagt Zekorn.
Die Beichte hat seiner Ansicht nach bis heute nicht an Stellenwert verloren. Zumindest nicht in Kevelaer. Fünf Beichtzimmer und zwei Beichtstühle stehen Gläubigen in der 126 Jahre alten Beichtkapelle zur Verfügung. Zekorn beziffert die Zahl derer, die jährlich zur Beichte nach Kevelaer kommen, auf rund 5.000 Gläubige. "Es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Dutzend Menschen da sind", sagt er. Unter dem Titel "Wage die Weite" hat die Wallfahrtsleitung einen Flyer herausgebracht, mit dem auf Beichtmöglichkeiten aufmerksam gemacht wird. Denn: "Der erste Schritt ist für viele Menschen nicht so einfach", sagt er. Ein "Hindernis" hat seine Gemeinde ausgeräumt: In St. Marien muss niemand irgendwo klingeln und sich erst zur Beichte anmelden. Immer ist jemand da. Und wartet. Sechs Stunden täglich, 365 Tage im Jahr, von 9 bis 12 und von 14 bis 17.30 Uhr kann in der Kapelle gebeichtet werden.
Besonders regen Zulauf verspüren die Beichtväter an Tagen, an denen Menschen zum Nachdenken kommen und sich auf das eigene Leben besinnen: in der Fastenzeit zum Beispiel. Fünf hauptamtliche Priester aus Kevelaer sowie zehn Geistliche aus der Umgebung teilen sich den Dienst der Beichtväter. Diesen empfindet Stefan Zekorn als "sehr schön, weil man dabei sehr unmittelbar die Bedeutung des Glaubens spürt". Denn durch das gespendete Sakrament der Buße verspürt der Gläubige Erleichterung, weil er von seinen Sünden losgesprochen wird. Manchmal könne ein Beichtgespräch für den Pfarrer allerdings auch eine enorme Belastung sein. Schon deshalb, weil man sich sehr streng an das Beichtgeheimnis halte.
Hilfe findet Zekorn im Gebet zu Gott. Während manche Menschen regelmäßig zur Beichte gehen, erkennt der Wallfahrtsdirektor bei anderen die gleiche Motivation: Wer nach Jahrzehnten erstmals wieder zur Beichte geht, habe eine persönliche Krise. Familiäre Probleme oder Krankheit bestimmen die Lebenssituation. Darin erkennen Menschen, dass sie einst falsch geliebt haben und so nicht weiterleben wollen. Sie sehen die Beichte als Neuanfang ihres Lebens.
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Text: Katrin Reinders | Foto: Katrin Reinders in
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