
Pfarrer Bernhard Lübbering (l.) und Hodscha Ibrahim Fakihoblu singen gemeinsam aus dem Gotteslob beim Gebet in der St.-Peter-Kirche 2003.
Das Fest der Religionen findet zum dritten Mal statt
"Abraham ist unser Stammvater"
Recklinghausen. Das jüdisch, christlich und islamische Abrahamsforum begeht mit zahlreichen Veranstaltungen sein Fest der Religionen. Es steht in diesem Jahr unter dem Thema "Zeit und Ewigkeit".
Seit 48 Jahren gibt es in Recklinghausen eine christlich-jüdische Zusammenarbeit, seit rund 30 Jahren einen christlich-islamischen Dialog. Die Verantwortlichen haben die Kräfte gebündelt und die Aktivitäten verknüpft: Das daraus entstandene Abrahamsforum hat sich zusammengefunden und möchte der Versöhnung unter den Religionen dienen.
Gemeinsam informieren sie über ihr Vorhaben: katholische und evangelische Christen, Juden und Muslime. Was in Recklinghausen selbstverständlich scheint, ist nicht überall so. "Unser gutes Verhältnis ist gewachsen", sagt Bernhard Lübbering. Der emeritierte Pfarrer engagiert sich seit vielen Jahren im interreligiösen Dialog.
So startet das Fest der Religionen, das in diesem Jahr zum dritten Mal stattfindet und vom Abrahamsforum organisiert wird, mit einem Gebet der Religionen. "Das gemeinsame Gebet hat allerdings eine längere Tradition. Wir treffen uns seit zehn Jahren", erklärt der 72-Jährige weiter. Mal in der Moschee, mal in einer katholischen oder evangelischen Kirche. "Neben vielem, was uns trennt, verbindet uns der gemeinsame Glauben an den einen Gott. Wir sind Abraham-Religionen, da unser Stammvater Abraham ist", erklärt Lübbering weiter.
Bis zum 24. März 2010 finden im Rahmen des Festes der Religionen verschiedene Veranstaltungen statt. Den Auftakt bildete das gemeinsame Gebet, das unter dem Thema "Wir werden alle verwandelt werden" stand. Dazu gehörten Lesungen aus der jüdischen, der christlichen und muslimischen Tradition ebenso wie Gebete aus den drei Religionen. Im Anschluss fand eine Begegnung im ökumenischen Pfarrheim Arche statt. Musikalisch gestaltet wurde das Gebet vom Chor der jüdischen Gemeinde. "Unser gemeinsames Gebet ist immer ein starker Ausdruck religiösen Lebens", betont Lübbering.
Die kontinuierliche Tradition, gemeinsam zu beten und Veranstaltungen anzubieten, sei in Westfalen nicht selbstverständlich. "Ich weiß neben Recklinghausen nur von Veranstaltungen in Marl und Bielefeld. Dort wird das Miteinander in ähnlicher Weise gepflegt", sagt Jürgen Schwark, evangelischer Pfarrer. Insgesamt betonen die Vertreter der Religionen das Gemeinsame. "Natürlich werden wir von manchen auch auf fundamentalistische Strömungen hingewiesen. Aber wir können nicht alle Muslime unter Generalverdacht stellen. Durch solche Diskussionen lassen wir uns nicht bestimmen", betont der Pfarrer weiter.
"Wir leben gemeinsam in einer Stadt und wollen als Gläubige zum Frieden und zur Verständigung beitragen", nennt Lübbering einen Beweggrund für das Engagement. Auch über die gemeinsamen Veranstaltungen hinaus trage die Zusammenarbeit Früchte. Zu Festen besuchen sich Angehörige der Religionen gegenseitig. "In drei Gemeinden, unter anderem auch in der Gastkirche, waren Vertreter der anderen Religionen in der Christmette. Da ist der Friede Gottes ganz dicht zu spüren", sagt Lübbering. Zudem könnten sich die Verantwortlichen in seelsorglichen Grenzsituationen kurzschließen, wenn es zum Beispiel um Besuche von muslimischen Patienten im Krankenhaus gehe. "Religion trägt nicht zur Spannung, sondern zu Entspannung bei", betont Christian Siebold, evangelischer Pfarrer. "Es ist nicht immer einfach, Religion und Politik zu trennen. Aber manchmal wäre es gut, wenn die Politik in diesem Fall auf die Religion hören würde." Die Beziehungen der Religionen untereinander spiegelten sich auch in der Gesellschaft wider, betont Isaac Tourgman, Kantor der jüdischen Gemeinde. "In anderen Städten leben die jüdischen Gemeinden wie in einer Festung. In Recklinghausen fühlen wir uns frei. Das geht nur, weil wir ein gutes Miteinander pflegen", sagt er weiter.
Vier bis fünf Mal treffen sich die Vertreter der Religionen pro Jahr. Auf der Tagesordnung stehen Informationen aus den Gemeinden, Ideen für gemeinsame Aktionen ebenso wie praktische Anliegen. "Wir regen an, in den Krankenhäusern einen 'Raum der Stille' einzurichten, in dem auch die Muslime beten können, oder es geht um die Schulbefreiung von muslimischen Kindern bei Festen", nennt Lübbering Beispiele. "Die großen Themen können wir nur behandeln, wenn das Verhältnis im Kleinen stimmt. Es ist ein riesiges Feld; wir haben in den vergangenen Jahren den Boden bereitet", betont der Seelsorger.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Dirk Bauer in
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