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17.05.2012
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Andreas Moorkamp.

"Echte Männer reden" lautet eine Werbekampagne, mit der Andreas Moorkamp und der SKM Münster, der Caritasverband Herten sowie der Katholische Sozialdienst Hamm auf die Gewaltberatung für Jungen und Männer aufmerksam machen.

Andreas Moorkamp ist Gewaltberater für Männer und Jungen

Raus aus dem Kreislauf der häuslichen Gewalt

Münster. Wann ist der Mann ein Mann? Diese Frage stellt Herbert Grönemeyer in einem seiner berühmtesten Lieder, in dem er mit gängigen Klischees über das starke Geschlecht aufräumt. "Männer baggern wie Blöde", heißt es dort. Männer "stehen ständig unter Strom". Als einsame Streiter "bestechen sie durch ihr Geld und ihre Lässigkeit". Männer müssen "durch jede Wand, müssen immer weiter", denn sie werden schon "als Kind auf Mann geeicht".

Damit trifft der Liedermacher ins Schwarze. Echte Kerle sind coole Macher – erfolgreich und souverän. Dieses Bild vom Mann herrscht vor. "Das Klischee führt dazu, dass Männer ihre Gefühle nicht richtig wahrnehmen und schon gar nicht darüber sprechen", sagt Andreas Moorkamp vom SKM (ehemals Sozialdienst katholischer Männer) in Münster, einer gemeinnützigen Gesellschaft des städtischen Caritasverbands. Der Diplompädagoge ist der einzige Gewaltberater im Bistum Münster. Seine Aufgabe ist es, sich mit möglichen negativen Folgen des gängigen Männerbilds in der Gesellschaft auseinander zu setzen.

Stichwort häusliche Gewalt. "Ein Fünftel aller Männer in Deutschland wird im Lauf seines Lebens seiner Partnerin und/oder seinen Kindern gegenüber gewalttätig", berichtet Moorkamp. Die Dunkelziffer ist groß. Hilfe gibt es für die Opfer – zumindest wenn sie ihr Schweigen brechen, den Mann anzeigen oder in ein Frauenhaus fliehen. Die Täter gelten als unbeherrschte, brutale Schläger, die ihren Frust an Schwächeren auslassen. Hilfe gab es für sie lange nicht. Geändert hat das der SKM in Münster mit der Einstellung von Andreas Moorkamp.

Jeden Tag sitzt der Diplompädagoge Männern gegenüber, die in ihrer Familie vorübergehend oder dauerhaft zuschlagen. Schritt für Schritt versucht er ihnen klarzumachen, was sie anrichten. "Sie zerstören Liebe und Vertrauen und damit das, was sie selbst genauso brauchen wie die anderen Familienmitglieder", erklärt der Gewaltberater. Sein Job ist ein Spagat: Der Berater muss die Männer mit ihrer Tat konfrontieren, denn sie sollen die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und lernen, Gewalt in Zukunft zu vermeiden. Gleichzeitig muss Moorkamp sich selbst als Mann in das Gespräch mit einbringen. "Sonst komme ich nicht an meine Gesprächspartner heran", hat der Pädagoge die Erfahrung gemacht.

Den Tätern zu verdeutlichen, warum sie zuschlagen, und Alternativen aufzuzeigen, heiße nicht, die Tat klein zu reden oder zu entschuldigen, betont er. Keine Frage: Häusliche Gewalt ist eine Straftat. Doch es gibt Gründe dafür. Und vor allem muss es nicht dazu kommen. Die Betroffenen können lernen, anders mit Frustrationen umzugehen. Das heißt vor allem, Gefühle wahrzunehmen und Grenzen zu setzen. "Die Täter kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten", hat Moorkamp beobachtet. Gemeinsam haben sie, dass sie aggressionsgehemmt sind. Das heißt, sie schlucken Stress und Frust lange herunter, um dann zu explodieren. Daraus kann ein gefährlicher Kreislauf entstehen, der zu dauerhafter Gewalt in der Familie führen kann. Oft seien es kleine Alltagsprobleme, die das Fass zum Überlaufen brächten. Emotional aufgeladene Situationen im familiären Alltag kennt Moorkamp als zweifacher Vater selbst. Sie kommen in jeder Familie vor. Entscheidend sei, wie man damit umgehe. Zuschlagen sei kein Mittel.

Männer seien "außen hart und innen ganz weich", singt Herbert Grönemeyer. Das kann Andreas Moorkamp nur bestätigen. Der Diplompädagoge hat langjährige Erfahrung in der Jugendarbeit und war unter anderem Mitarbeiter im "ZOFF" in Münster, einem ehemaligen Krisenhaus des SKM für die Inobhutnahme von Jungen aus zerrütteten Familien. "Tagsüber auf der Bühne vor den anderen locker und leger, abends allein weinend im Bett", so hat Moorkamp die Jungen in der Einrichtung erlebt. Ähnliche Erfahrungen macht der Pädagoge heute mit Erwachsenen. Um mit ihnen arbeiten zu können, hat er nach dem Studium in Hamburg eine dreijährige Zusatzausbildung zum Gewaltberater absolviert. "Während dieser Zeit habe ich viel über mich selbst gelernt", räumt der Münsteraner ein. Niemand ist eine Insel. Im Gegenteil: "Mit vorgefertigten Rollenbildern wächst jeder auf, man muss sie aber nicht übernehmen." Gewaltberater beim SKM ist der Pädagoge seit 2006. Täterarbeit ist für ihn Opferschutz. Für seine Arbeit braucht er neben Einfühlungsvermögen auch eine gute Portion Beharrlichkeit.

Manche Männer kommen freiwillig, andere werden von außen gedrängt. Die Frau verlässt ihn, oder das Jugendamt droht mit dem Entzug des Sorgerechts. Auch Polizei und Frauenhäuser arbeiten mit Moorkamp zusammen. Nicht alle Männer kommen nach einem ersten Gespräch wieder. Einige wollen nur schnell eine Bescheinigung vom Gewaltberater, um in einem bevorstehenden Strafverfahren besser dazustehen. Solche Fälle verweist der Gewaltberater auf die Zeit nach dem Prozess.

Die Beratung durch Andreas Moorkamp ist für den Ratsuchenden kostenpflichtig und richtet sich nach dem Einkommen. Das gilt für Münster genauso wie für Hamm und Herten, Städte, in denen Moorkamp mittlerweile ebenfalls als Gewaltberater tätig ist. Träger sind hier der Caritasverband Herten sowie der Katholische Sozialdienst Hamm.

Text: Marita Galka | Foto: Marita Galka in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
22.02.2010

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