
Wilhelm Elling aus Vreden sammelt und katalogisiert alte Gebet- und Andachtsbücher aus dem Münsterland.
Heimatverein sammelt alte Gebetbücher und religiöse Schriften
Zeugnisse gelebter Frömmigkeit
Vreden. Eine umfangreiche Sammlung mit alten Gebet- und Andachtsbüchern aus dem Münsterland, die rund 500 Exemplare umfasst, hat der Heimatverein Vreden angelegt. Nur einige der Bücher sind in einem Raum des Hamaland-Museums ausgestellt. Die Sammlung ist bisher wenig beachtet worden. "Aber Familienforscher wissen zu schätzen, dass in Gebetbüchern oft auch die begehrten Familiendaten und Totenzettel stecken", sagt der ehemalige Leiter des Hamaland-Museums, Wilhelm Elling.
Wilhelm Elling kümmert sich gemeinsam mit seinem Kollegen im Vredener Heimatverein und Genealogen Bernhard Robers um diese besondere Sammlung mit Exponaten aus dem 17. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. "Die Anregung zum Sammeln von Gebetbüchern erhielt ich beim Studium in Innsbruck. Dort fand ich in der Bibliothek des Jesuitenkollegs eine Sammlung von Hunderten alter Gebetbücher, zusammengetragen von dem Liturgiewissenschaftler Professor Joseph Andreas Jungmann", sagt Elling.
Das Bewahren alter Bücher ist aber keine Selbstverständlichkeit. "Was die Großmütter bei uns früher in Ehren hielten, werfen heute manche Erben nach deren Tod in die Papiertonne. Im glücklichsten Fall geben sie das Gebetbuch dem Aufkäufer antiken Trödels mit oder bringen es zum Museum", meint Elling. Er erinnert sich daran, dass ein städtischer Arbeiter, der bei der Müllabfuhr arbeitete, ihm einen Plastikbeutel voller Gebetbücher von einem namhaften Vredener Hof übergab und sagte: "So etwas gehört nicht auf die Müllkippe."
Beim Zusammentragen des Museumsguts für das Hamaland-Museum hätten auch alte Gebetbücher, Handpostillen, Bibeln, Katechismus-Bücher und andere Schriften eine Rolle gespielt. "Einmal erhielten wir von einem Hof aus Alstätte etwa 100 Gebetbücher, das älteste von 1718 und die jüngsten aus den 1950er Jahren, die alle für die Sammlung sorgfältig mit Verfasser, Titel, Verlag und Herkunft inventarisiert wurden. Solch ein Zuwachs ist nur selten vorgekommen." Die Sammlung ist dann seit den 1970er Jahren gewachsen. Sie enthält Kostbarkeiten, die es nicht verdient haben, ein Schattendasein zu führen, meint Elling. Er verweist darauf, dass nicht nur alte Gebetbücher und Handpostillen zu den Kostbarkeiten zählen, sondern auch so unscheinbare Büchlein wie die kleinen Katechismen von Ignatz von Felbiger und Bernhard Overberg, Wallfahrtsschriften von Kevelaer und Trier, Pilgerliederbücher, Militärgebetbücher und die Katholischen Kirchenlieder, 1857 in Münster anonym herausgegeben.
Landpastöre als Autoren
Elling hat umfassend über die Gebets- und Andachtsbücher recherchiert und einen Aufsatz zur Vredener Gebetbuchsammlung geschrieben, in dem er die Geschichte der Gebetbücher von der Karolingerzeit bis in die heutige Zeit, wo die Kirchen ausreichend Gebetbücher für die Gläubigen bereithalten, aufzeigt. Er kennt die Namen der Pastöre und Seelsorger, die Gebetbücher verfasst und herausgegeben haben. "Neben überregional bedeutenden Verfassern schrieben auch Pastöre aus dem Münsterland Gebetbücher zur Erleichterung der Seelsorge. Neben den im 19. Jahrhundert wirkenden Pfarrern Franz Darup aus Sendenhorst und Wilhelm Deiters aus Münster-Kinderhaus, der das Buch "So sollt ihr beten" schrieb, ist für das Münsterland vor allem Anton Tappehorn (1823 bis 1907), Pfarrer an St. Georg in Vreden, von großer Bedeutung. Tappehorn schrieb zahlreiche und in mehreren Auflagen erschienene Gebetbücher, die auch in der Vredener Sammlung vielfach vertreten sind: "Brod der Engel", "Myrtenblüthen", "Himmelsleiter", "Erhöre mein Gebet, o Herr", "Maria, die Hülfe der Christen". Das Gebetbuch "Brod der Engel", das 1863 erschien, als Tappehorn noch Kaplan in Münster war, bekamen Kinder in der Vergangenheit oft als Geschenk zur Erstkommunion, oder die Braut erhielt es aus Anlass der Hochzeit.
"Obwohl in unserer Sammlung Bücher gleichen Inhalts und gleicher Auflage mehrfach vorkommen, ist der Einband jedes Mal anders, weil er von einem Buchbinder handgemacht ist. Es gibt Einbände in Pappe, in Pergament, in verschiedenen Lederarten, mit Samt oder Elfenbein. Der Einband konnte mit Silber, Messing oder Perlmutter geschmückt werden", sagt Elling.
Die mehr oder weniger kunstreiche Gestaltung entsprach dem Geschmack und dem Geldbeutel des Bestellers. Der Buchblock erhielt Goldschnitt, oft sogar eine so genannte Clausur, das heißt er wurde mit ein oder zwei Schließen aus Leder, Messing oder Silber versehen.
"In der Sammlung finden wir allerdings auch mehrere Bücher, bei denen der Beschlag inzwischen fehlt. Es scheint so gewesen zu sein, dass der teure Silberbeschlag auf ein modernes oder weniger abgegriffenes Exemplar übernommen wurde. Wegen dieser Gewohnheit macht es auch Sinn, mehrere Bücher der gleichen Auflage zu bewahren", sagt Elling.
Die Sammlung des Heimatvereins Vreden wird ständig erweitert. "Daher freuen wir uns, wenn uns jemand alte Gebet- oder Andachtsbücher überlässt", sagt Elling. Wer zur Erweiterung der Sammlung beitragen möchte, kann sich bei Wilhelm Elling, Telefon 02564 / 1885, melden.
Text: Annegret Rolvering | Foto: Annegret Rolvering in
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