
Wilhelm Krämer aus Herzfeld.
Wilhelm Krämer engagiert sich für die Ausbildung von Geistlichen
Patenschaften für 110 Priester übernommen
Herzfeld. Ein Aufruf von Bischof Heinrich Tenhumberg gab 1972 den Anstoß, erinnert sich Wilhelm Krämer. "Er bat darum, dass die Pfarrgemeinden sich mehr um die Ausbildung von Priestern kümmern sollten." Durch Patenschaften sollten Priesteramtskandidaten "in Übersee" unterstützt werden, damit sie ihr Theologiestudium fortführen und erfolgreich abschließen konnten.
Eine Idee, die Wilhelm Krämer – damals Pfarrgemeinderatsvorsitzender der Gemeinde St. Ida in Lippetal-Herzfeld – sofort aufgriff und im Gremium vorstellte. "Ich wurde damit beauftragt, die Sache in die Hand zu nehmen", erzählt er. Diese Aufgabe hat er auch heute – 28 Jahre später – noch inne. 110 Priesteramtskandidaten haben die Gemeinde und weitere private Spender aus Krämers Bekanntenkreis über Herzfeld hinaus bis heute übernommen. Dankesbriefe, Fotos, Berichte und Karten von Priestern aus Indonesien, den Philippinen, aus Tansania, dem Kongo, aus Uganda und Indien füllen vier Aktenordner.
Anfangs sei es nicht ganz einfach gewesen, die erforderlichen 4.000 Mark – heute sind es rund 3.300 Euro – für eine Patenschaft zusammenzubekommen, erinnert sich Krämer. Bei der Volksbank richtete er damals eigens ein Konto mit der Kontonummer 1 ein. Doch nachdem sich das Projekt herumgesprochen habe, sei es im zweiten Jahr kein Problem mehr gewesen, eine Ausbildung zu bezahlen.
Bald schon traf ein Brief eines Seminaristen ein, der den Erhalt des Geldes bestätigte und sich dafür bedankte. Auch die Primiz eines gesponserten Neupriesters machte die Aktion "Priesterausbildung in Übersee" bekannter. Zwei Kandidaten von den Philippinen kamen sogar ein Mal zu Besuch nach Herzfeld. "Das gab der Aktion mehr Auftrieb", sagt Krämer. "Wenn die Leute sehen, dass die Spende das Ziel erreicht, wird die Spendenfreudigkeit gesteigert." So wurden nach und nach immer mehr Patenschaften übernommen. Bald konnten zwei, später drei und sogar vier Ausbildungen pro Jahr finanziert werden. Zusätzlich bekam jeder neue Priester bei seiner Primiz einen Kelch geschenkt.
Zunächst entstanden die Kontakte über das Hilfswerk Missio in Aachen. Später nahm Wilhelm Krämer selbst Kontakt zu Priesterseminaren auf. Die Kandidatenauswahl trafen die Rektoren der Seminare in Rücksprache mit dem jeweiligen Bischof. Sie klärten, welche Aussichten das Studium hat. Doch bislang sei ihm kein Seminarist bekannt, der abgesprungen sei, sagt Krämer. Welche Schicksale sich hinter den einzelnen Kandidaten verbergen, zeigte ein Brief, den er von einem Studenten aus Uganda bekam: Er musste sein Studium abbrechen, da er kein Geld mehr hatte, um es weiter zu finanzieren. Die Adresse der Herzfelder Gemeinde hatte er in einem Buch in der Bibliothek gefunden.
Mittlerweile werden regelmäßig Studenten in zwei Priesterseminaren unterstützt: in Kamina im Kongo und im indischen Mysore, zu dem Kontakt über den langjährigen Kaplan von Herzfeld, Pater Joseph, besteht. Neben den Priesteramtskandidaten wird auch der Bau von Kirchen gefördert. Mit Herzfelder Unterstützung entstanden bereits eine Kapelle in Tansania, eine Kirche auf Madagaskar und drei Kirchen in Indien, darunter eine in Jerupalem, die der heiligen Ida geweiht ist. Dafür wurden an Allerheiligen im vergangenen Jahr Reliquien aus dem Schrein der heiligen Ida in Herzfeld entnommen, die Pater Joseph mit nach Indien genommen hat.
Auch das nächste Projekt ist bereits ausgewählt: Der Bischof von Njombe in Tansania möchte einen Wallfahrtsort errichten und dazu ein Grundstück im Wert von 10.000 Euro erwerben, auf dem eine Kirche gebaut werden soll. Wilhelm Krämer hat ihm das Geld bis Ende Mai zugesagt. "Seit 30 Jahren sind wir mit der Diözese in Kontakt. Die setzen auf uns."
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Text: Almud Schricke | Foto: Almud Schricke in
Kirche+Leben
08.02.2010
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