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11.02.2012
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Lebendige Hoffnung.

Wenn ein Patient gestorben ist, entzünden Mitglieder des Teams eine Kerze am Springbrunnen: (v.l.) Ursula Ansorge, Schwester Luciosa, Schwester Ute und Ingrid Böckenberg.

"Spes Viva" heißt das Dorstener Palliativ-Netzwerk

Lebendige Hoffnung

Dorsten. Seit August 2008 gibt es im Dorstener St.-Elisabeth-Krankenhaus einen Palliativ-Bereich, der von einem Netzwerk getragen wird.

"Wir sind weder eine Sterbestation noch ein Hospiz. Wir sind eine Palliativstation. Hier werden Menschen, die an einer nicht heilbaren Krankheit leiden, eingestellt – oft im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt. Bei all unserem Tun steht die Lebensqualität der Schwerstkranken und Sterbenden an erster Stelle", räumt Simone Sowa mit Missverständnissen auf. Die leitende Palliativmedizinerin ist Mitglied eines interdisziplinär arbeitenden Teams im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten. "Spes Viva" – lebendige Hoffnung – heißt das Palliativ-Netzwerk Dorsten, das diesen Bereich im Krankenhaus initiiert hat.

Die Station verfügt über vier Betten und ein Wohnzimmer, in dem sowohl Angehörige als auch Patienten in ungezwungener Atmosphäre ins Gespräch kommen können. Seit August 2008 werden die Patienten und ihre Angehörigen begleitet von einem Team, dem Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes (Caritas-Malteser) ebenso angehören wie speziell ausgebildete Ärzte und Krankenschwestern, Seelsorger, eine Psychotherapeutin, Mitarbeiter des sozialen Dienstes und Ordensfrauen. Unterstützt werden sie zudem durch ausgebildete Ehrenamtliche.

Mehr Personal, Zeit und Ruhe – das kennzeichnet die Station ebenso wie eine wohnliche Atmosphäre. "Zudem ist der Tagesrhythmus den Patienten angepasst und nicht den Bedürfnissen des Hauses", erklärt Stationsleiterin Ingrid Böckenberg. Und Sowa fügt hinzu: "Wir versuchen, den Patienten Selbstständigkeit zu geben. Wir haben Zeit und ein offenes Ohr für sie. Durch diese Fürsorge brauchen sie weniger Medikamente." Zudem fangen die Mitglieder des Teams die Angehörigen in dieser Situation auf. Das alles verursacht entsprechende Kosten, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Der Hospiz-Freundeskreis Dorsten unterstützt die Arbeit finanziell mit. "Es gab Überlegungen, ein eigenes Hospiz zu eröffnen. Aber die Kosten sind immens. Diese Station war die Alternative, die wir umsetzen konnten", erzählt Ursula Ansorge, Gründungsmitglied des ambulanten Hospizdienstes und Vorstandsmitglied beim Hospiz-Freundeskreis. "Wir haben etwas geschaffen, was für die Menschen wichtig ist. Dabei sind wir weiterhin auf Sponsoren und Spenden angewiesen", fügt sie hinzu.

Die mittlere Verweildauer der zwischen 30 und 80 Jahre alten Patienten beträgt zwölf Tage. Wenn diese dann zu Hause sind, greift das Netzwerk, dem neben dem St.-Elisabeth-Krankenhaus, dem ambulanten Hospizdienst und dem Hospiz-Freundeskreis das Dorstener Ärztenetz und die Stadt Dorsten angehören. Denn die Rundum-Versorgung des Krankenhauses verändert sich, wenn die Patienten wieder in ihrer gewohnten Umgebung sind. "Doch sowohl die Patienten als auch die Angehörigen haben bereits die Angebote beispielsweise des Hospizdienstes kennen gelernt. Da ist die Hürde nicht so hoch, sich an uns zu wenden", betont Ansorge. Das ließe sich inzwischen auch an der Entwicklung der Betreuungszahlen ablesen. Ebenso helfe das Netzwerk bei den ein Mal wöchentlich stattfindenden Teambesprechungen. "Zur Sprache kommen nicht nur die Sorgen und Nöte der stationären Patienten, sondern auch die Ehemaligen haben wir über die Begleitung weiter im Blick", sagt Claudia Berg, Koordinatorin des Hospizdienstes.

Menschen für das zu begeistern, was auf der Palliativstation gelebt wird, ist das Ziel aller Beteiligten. "Wir ermöglichen mit unseren Angeboten den Patienten eine Lebensqualität, die sie auch zu Hause weiterführen können", sagt Sowa. So bietet beispielsweise die Psychotherapeutin Stefanie Riegert sowohl für die Patienten als auch für die Angehörigen unterschiedliche Methoden zur Entspannung an. Ebenso steht sie den Mitarbeitern zur Seite, denn sie haben oft mit Sterbenden zu tun. "Wir erhalten hier einen anderen Blickwinkel auf das Leben. Plötzlich entdeckt man wieder die kleinen Dinge des Lebens. Leider muss man sich immer wieder rechtfertigen, wenn man in der Palliativmedizin arbeitet", sagt Sowa. Einen anderen Zugang zu den Patienten haben die Seelsorger des Hauses. "Manche erzählen, sie hätten in dieser Situation auch den Glauben wiedergefunden", berichtet Schwester Ute Lee. Diese Erfahrungen ermutigen sie in ihrer Arbeit.

Insgesamt, da sind sich die Mitarbeiter einig, gebe ihnen die Arbeit in diesem Bereich viel. Allerdings bedauern sie, dass die Kluft zwischen den Ideen und dem Geleisteten gegenüber der entsprechenden Bezahlung durch Kostenträger sehr weit sei. "Aus menschlicher Sicht passt das nicht zueinander", meint Berg.

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