
An den Infoständen stimmt die Mehrheit für ein Grundeinkommen ab.
KAB-Bezirksverband Recklinghausen wirbt für das Grundeinkommen
Arbeit für die Gesellschaft entlohnen
Recklinghausen. "Sicher gibt es Leute, die sehen einen Infostand und gehen schnell weiter – aber mit vielen anderen kommt es zu intensiven Gesprächen." Klaus-Dieter Amtmann weiß, wovon er spricht: An fünf Samstagen in den vergangenen Monaten war er gemeinsam mit anderen Engagierten der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) unterwegs, um auf Plätzen, in Hallen und auf Straßen Werbung für das "bedingungslose Grundeinkommen" zu machen. "Wir wollen die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens lebendig in die Köpfe der Menschen bringen", wird der 45-Jährige in einer Pressemitteilung der KAB zitiert. Dafür bauen die KAB´ler ihren Stand auf, sprechen Passanten an, informierten und lassen abstimmen darüber, ob die Gesellschaft ein Grundeinkommen brauche oder nicht.
Amtmann ist Schlosser unter Tage und einer der Ehrenamtlichen der Kommission "Betrieb und Arbeitswelt" der KAB Recklinghausen. Sein Herz schlägt für das Grundeinkommen. Er war federführend bei der Eröffnung der Ruhrfestspiele in Recklinghausen, beim Büchermarkt in Haltern oder beim Kleinen Kirchentag in Herten dabei.
Herzstück des Infostands, heißt es weiter, ist die "Mobile Abstimmungsstation" mit der Frage: "Brauchen wir ein bedingungsloses Grundeinkommen?" Hier kann jeder sein Votum zum Grundeinkommen abgeben. Drei Plastikröhren und weiße Tischtennisbälle stehen am Stand bereit – und mit einem Blick ist zu sehen, ob die Forderung nach dem Grundeinkommen eher Zustimmung oder Ablehnung erfährt. "Wir erleben eine hohe Zustimmung zum Grundeinkommen", erzählt Mitstreiter Hermann Hölscheidt, seit Jahresbeginn Diözesansekretär der KAB. Dies sei bei allen fünf Einsätzen so gewesen.
Seit drei Jahren arbeitet die KAB in Recklinghausen an der Forderung nach einem Grundeinkommen. "Ausgangspunkt war unsere Beschäftigung mit dem Thema Hartz IV und seinen Folgen", erinnert sich Amtmann. "Nach Gesprächen mit Experten aus der Agentur für Arbeit und aus verschiedenen Arbeitslosen-Initiativen haben wir schnell gemerkt, dass Hartz IV weniger Probleme löst. Im Gegenteil: Es verschärft die Situation für die Menschen dramatisch", erzählt der Familienvater aus Recklinghausen weiter. "Alles an Hartz IV widerspricht unserem christlichen Menschenbild."
Ein Einkommen brauche jeder Mensch, unabhängig davon, was er arbeite oder eben auch nicht arbeite. "Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist dafür die zeitgemäße politische Form", ist sich auch Hölscheidt sicher. Nicht nur deshalb, weil die Erwerbsarbeitsplätze in der Zukunft noch weniger werden, sondern auch, weil "so viel wichtige Arbeit von Menschen für die Gesellschaft geleistet, aber nicht entlohnt wird. Ein Grundeinkommen macht die Menschen freier zu wählen, welcher Arbeit sie nachgehen." Möglicherweise liege der Schwerpunkt in der einen Zeit auf einem klassischen Job und zu einer anderen Zeit bei der Familienarbeit oder dem Ehrenamt. Ein Grundeinkommen mache solche Entscheidungen möglich, weil es den Menschen finanziell absichere und damit freier mache, teilt die KAB mit.
Dass viele Menschen dies für Utopie hielten, schrecke die Recklinghäuser KAB-Leute nicht. "Wir bleiben dran", versprechen sie, "auch in diesem Jahr." Große Sympathien hegen sie für das Rentenmodell der katholischen Verbände. "Das Rentenmodell bietet mit der Sockelrente einen Einstieg in das Grundeinkommen", erklärt Hölscheidt die Nähe zum Grundeinkommen. "Kommt die Rente nach unserem Modell, rückt auch das Grundeinkommen näher."
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Text: pd | Foto: privat in
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24.01.2010
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