
Die ökumenische Trauerbegleitungsgruppe aus Wesel: Diakon Ewin Richter (3. v.l. stehend) gründete vor 14 Jahren die Gruppe, der heute elf Mitglieder angehören.
Ökumenische Trauerbegleitungsgruppe wurde ausgezeichnet
Miteinander das Trauern lernen
Wesel. Vor 14 Jahren wurde in Wesel die Gruppe ehrenamtlicher Trauerbegleiter gegründet. Für die Betreuung trauernder Menschen wurde die ökumenische Gruppe von Kreisdechant Karl-Heinz Mengedodt mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. In einer Zeit, in der viele sich nur noch in überschaubaren Projekten engagierten, hätte die Gruppe sich langfristig einem seelsorglichen Dienst gewidmet, sagte Mengedodt.
Sie sind zur Stelle, wenn Menschen einen geliebten Verwandten oder Freund verloren haben. Vor allem dann, wenn die erste Anteilnahme ihr Ende gefunden hat. Und sie tun es seit 14 Jahren: Elf Frauen und Männer aus der katholischen Gemeinde St. Johannes sowie den beiden evangelischen Gemeinden Flüren und Friedenskirche haben sich den Zielen des Diakons Erwin Richter verschrieben, der diese Gruppe gegründet hat.
"Nach meiner Weihe stellte ich fest, dass eine wirkliche Betreuung der Trauernden in den Kirchengemeinden fehlte", erinnert sich Richter. Beson-ders wichtig sind ihm die Einzelbetreuung und das persönliche Gespräch unter vier Augen mit den Trauernden. Im Familienkreis werde viel Rücksicht aufeinander genommen, um die Angehörigen nicht mit der eigenen Trauer zu belasten. Die Gefühle würden dadurch jedoch unterdrückt, meint er.
Richter erhielt bei seinem Vorhaben zunächst Unterstützung von einigen Geistlichen aus der Umgebung und von seiner Frau Gisela. Darüber hinaus fanden sich weitere Freiwillige, die sich der Idee annahmen, darunter auch Marianne Ridder, die noch heute dabei ist. Die elf Mitglieder bringen viel Kraft in ihre Aufgabe ein. Und sie tun es von ganzem Herzen. "Wenn ich einem anderen Menschen meine Zeit schenke, dann bin ich selbst reich beschenkt und kann etwas bewirken", sagt Gisela Richter.
Rund 130 Personen werden im Jahr bei ihrer Trauer begleitet. Beim Trauergespräch kündigt der Geistliche das Angebot der Gruppe an, diese schickt dem Hinterbliebenen nach ein paar Wochen den Terminvorschlag. Etwa die Hälfte der Angeschriebenen nimmt das Angebot an. Nach dem Erstgespräch entscheidet sich die Art und Länge der Begleitung, manchmal dauert diese ein paar Wochen, manchmal bis zu einem Jahr.
Die Mitglieder der Gruppe stellen die Bedürfnisse der Trauernden in den Mittelpunkt. Manchmal bleiben sie einige Stunden und kommen auch mehr als ein Mal in der Woche. Doch sie ziehen bewusst Grenzen. "Alles braucht seine Zeit, jeder Trauernde durchläuft dieselben Phasen, bloß die Intensität ist unterschiedlich", sagt Ridder. "Wenn nach einem Gespräch eine Woche vergeht, hat sich die Trauer in der Zwischenzeit verändert."
Die Gruppe nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil. "Es gibt bestimmte Trauerwege, die man sich immer wieder ins Bewusstsein rufen muss", erläutert Hans-Eckhardt Scholz, der seit zwölf Jahren dabei ist. Und Richter ergänzt: "Jeder von uns hat seine ganz persönliche Trauergeschichte, doch gerade dadurch bleibt der menschliche Blickwinkel bestehen." Der Glaube spielt eine wichtige Rolle, wenn auch nicht für jeden Trauernden in gleicher Weise. Daher vermeiden die Betreuenden, den Glauben wie einen Eimer überzustülpen. Den Inhalt und die Intensität des Gesprächs bestimmt der Trauernde. "Wir wollen vor allem Hilfestellungen anbieten", sagt Gisela Richter. Es wird geredet oder gemeinsam gebetet. Der Glaube schenkt auch den Mitgliedern die nötige Kraft.
"Auch ich bin nicht immer gleich stark", sagt Marianne Ridder. "Die Vorstellung, dass Gott schon da ist, wenn ich zu dem Trauernden komme, gibt mir Hoffnung." Jedes Mitglied hat seine eigene Art, das Erlebte zu verarbeiten. "Ich fahre viel mit dem Rad durch die Natur und suche dabei das Gespräch mit Gott", sagt Ridder. "Wichtig ist auch die Unterstützung durch die Familie", ergänzt Hans-Eckhardt Scholz. "Ich komme manchmal nach Hause und brauche erst einige Zeit für mich, um das Gespräch Revue passieren zu lassen." Eins ist allen Mitgliedern wichtig: "Alles, was wir erfahren, bleibt zwischen uns und dem Trauernden", sagt Richter.
Für die Zukunft würden er und die weiteren Mitglieder Rosi Radvan, Magdalena Buchmann, Luise Elsing, Marlies Giesen, Annie Kuttler, Peter Kleine-Natrop und Edith Perret sich wünschen, dass weitere Angebote für Trauernde entstehen. "Wir bieten Hilfe beim Aufbau einer Gruppe an, sowohl für Gemeinden als auch für Einzelpersonen", sagt Richter. Unter der Telefon-Nummer 0281 /61263 gibt er weitere Hilfestellungen.
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