
Konzentriert bearbeitet Lieselotte Hoffmeister das Muster an ihrem Klöppelkissen.
Lieselotte Hoffmeister hat eine Krippe geklöppelt
Drehen und kreuzen
Billerbeck. Ihrer Phantasie lässt Lieselotte Hoffmeister bei ihren Bildern freien Lauf. Die Billerbeckerin arbeitet aber nicht mit Pinsel und Farbe, sondern mit Garn und Nadeln.
Mehr als 30 Jahre pflegt Lieselotte Hoffmeister ihr Hobby: das Klöppeln. Damals hat sie dieses Handwerk in einem Kursus der Volkshochschule in Münster gelernt und in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter verfeinert. Als sie vor drei Jahren erstmals eine Weihnachtsdarstellung klöppelte und diese zur Krippenausstellung im Museum Heimathaus Münsterland in Telgte einreichte, wurde sie gleich mit dem Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis ausgezeichnet. "Das hat mich ebenso überrascht wie gefreut", gibt sie zu. Seit zehn Jahren lebt Hoffmeister in Billerbeck. "Eigentlich bin ich nie irgendwo richtig sesshaft geworden", erzählt sie. Geboren in Westpreußen, kam sie nach dem Krieg über Kopenhagen erstmals ins Münsterland. Später lebte sie in Kanada in der Nähe ihrer ausgewanderten Verwandten. Von Delbrück bei Paderborn zog sie zurück ins Münsterland. "Hier gefällt es mir einfach gut", sagt die 73-Jährige.
Klöppeln ist Kunst, davon ist sie überzeugt. "Überhaupt", sagt sie, "wenn man etwas gern macht, dann gelingt es einem auch." Sie habe immer schon gern gehandarbeitet und sei so zum Klöppeln gekommen. An ihrem Hobby fasziniert sie vor allem eines: "Wie man aus einem Fadengewirr Gegenständliches herstellen kann." Denn wenn sie an ihrem Klöppelkissen, das einer Scheibe ähnelt, sitzt und die Fäden, die an den Klöppeln befestigt sind, bewegt, ist es faszinierend, was aus diesen einfachen Mitteln dank einer ausgeklügelten Technik entsteht. Drehen, kreuzen, drehen, kreuzen – aus diesem Rhythmus entwickeln sich Spitzen, Bilder und Deckchen. "Man muss sich bei der Arbeit sehr konzentrieren. Und länger als eineinhalb Stunden kann ich nicht am Klöppelkissen arbeiten. Dann verspannen sich der Nacken und die Schultern", berichtet sie. Immer wenn sie Lust und Laune hat und nicht gerade der Garten auf sie wartet, setzt sich Hoffmeister in ihr Arbeitszimmer, in dem die benötigten Utensilien bereit stehen, und arbeitet an ihrem Werk weiter.
Ihre Ideen findet sie vielerorts. Entweder nutzt sie vorgefertigte so genannte Klöppelbriefe – so werden die Vorlagen für die kleinen Kunstwerke bezeichnet –, oder sie lässt sich von Scherenschnitten, Fensterbildern, aber auch von der darstellenden Kunst inspirieren. "Es ist meine Phantasie, mit der ich die Bilder anreichere." Das Gegenständliche liegt Hoffmeister. So hat sie zum Jubiläum "1.200 Jahre Ludgerus" ebenfalls ein Bild geklöppelt. "Ich habe das Logo der Aktion 'Gans Billerbeck' als Grundlage genommen und den Dom und die evangelische Kirche eingearbeitet", erzählt sie.
Ihr zweites Hobby, das Schreiben in der Schreibwerkstatt in Billerbeck, ergänzt sich wunderbar mit ihren Klöppelarbeiten. "Die Erläuterungen in Prosa oder als Gedicht zu meinen Bildern zu formulieren, macht mir viel Spaß", erzählt sie. Als Hobbykünstlerin bietet sie ihre Handarbeit auch gelegentlich auf kleineren Märkten an. "Aber ich verkaufe immer schlechter. Das Geld ist knapp geworden", hat sie beobachtet.
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Text: Michaela Kiepe | Foto: Michaela Kiepe in
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